Belgische Studie: Weniger Frühgeborene nach Rauchverbot

Von

Öffentliche Rauchverbote können ungeborene Kinder schützen: In Belgien hat das Risiko für eine Frühgeburt abgenommen, seitdem in Restaurants und Bars nicht mehr geraucht werden darf. Pro tausend Geburten verhindert das Rauchverbot sechs Frühgeburten, heißt es in einer Studie.

Zigarettenqualm: In der Öffentlichkeit müssen Schwangere passiv mitrauchen Zur Großansicht
DPA

Zigarettenqualm: In der Öffentlichkeit müssen Schwangere passiv mitrauchen

Solange das Rauchen in der Öffentlichkeit erlaubt ist, müssen auch Risikogruppen zwangsläufig mitrauchen. Zu ihnen zählen Schwangere: Der Rauch gefährdet auch ihr ungeborene Kind. Es ist bekannt, dass Rauchen das Risiko für eine Frühgeburt erhöht. Im Umkehrschluss müsste ein öffentliches Rauchverbot helfen, die Frühgeburtenrate zu senken. Dieser Theorie sind belgische Forscher der Universität Hasselt erstmals nachgegangen.

In Belgien wurde das öffentliche Rauchverbote in drei Stufen eingeführt: zunächst am Arbeitsplatz, dann in Restaurants, schließlich in Bars. Tatsächlich konnten die Forscher zeigen, dass das Risiko für Frühgeburten passend zu diesen Stufen immer weiter abgenommen hat. Das Rauchverbot hat nach den Ergebnissen der Forscher sechs Frühgeburten je tausend Geburten verhindert.

Rauchen Schwangere, sind ihre Babys bei der Geburt häufig leichter als die von Nichtraucherinnen. Diesen negativen Effekt kann auch das Passivrauchen auslösen. Das haben bereits frühere Studien gezeigt. Das steigende Risiko für eine Frühgeburt hat für die Kinder eine lebenslange Bedeutung: Verschiedene Studien liefern Hinweise, dass das Risiko für unterschiedliche Krankheiten auch über die Kindheit hinaus ansteigt.

Umfassende Daten aus Geburtsregister

Tim Nawrot und seine Kollegen untersuchten das Risiko für Frühgeburten in Belgien zwischen 2002 und 2011 - dieser Zeitraum umfasst die Einführung des Rauchverbots an den meisten Arbeitsplätzen (2006), in Restaurants (2007) und in Bars, die auch Essen servieren (2010). Als Frühgeburt galten Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen. Nach dem Beginn jeder neuen Stufe des Rauchverbots sank das Frühgeburtsrisiko ab. Vor dem Einsetzen der Verbote beobachteten die Wissenschaftler dagegen keine solchen Effekte, berichten sie im "British Medical Journal".

Die belgischen Forscher konnten auf die Daten eines umfassenden Geburtenregisters zurückgreifen, das nahezu alle Geburten in dem nordbelgischen Landesteil erfasst. 99 Prozent aller Kinder in in Flandern kommen in Geburtskliniken zur Welt. Insgesamt analysierten sie die Daten von mehr als 600.000 in Flandern geborenen Kindern, die zwischen der 24. und 44. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen. Mehr als 32.000 der Neugeborenen wurden vor der 37. Schwangerschaftswoche frühgeboren.

Nach dem Restaurant-Rauchverbot im Januar 2007 sank das Risiko für eine Frühgeburt um 3,13 Prozent, nach dem Bar-Rauchverbot im Januar 2010 noch einmal um weitere 2,65 Prozent. Einen Einfluss auf das Geburtsgewicht von Kindern oder das Gewicht im Verhältnis zur Schwangerschaftswoche konnten die Wissenschaftler dagegen nicht beobachten.

600.000 Nichtraucher sterben an Rauchfolgen

Eine Reihe von Störfaktoren rechneten die Forscher aus den Rohdaten heraus, damit diese das Ergebnis nicht verzerren: Außer den in vielen medizinischen Studien üblichen Faktoren wie zum Beispiel dem Haushaltseinkommen, der Bildung, dem Alter der Schwangeren, dem Geschlecht des Kindes oder dem Wohnort der Mutter berücksichtigten die Wissenschaftler auch die Temperatur am Geburtstag und das Auftreten von Grippewellen.

Die Beobachtungsstudie kann nicht belegen, dass ein Rauchverbot die Ursache für den Rückgang der Frühgeburtenrate ist - sie kann nur einen statistischen Zusammenhang aufdecken. Den zeitlichen Zusammenhang des Risikorückgangs mit dem Inkrafttreten der Rauchverbotsstufen werten die belgischen Forscher allerdings als Hinweis auf das Gesetz als mögliche Ursache. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass andere Faktoren für den Risikorückgang verantwortlich sind. So wussten die Wissenschaftler zum Beispiel nichts über das tatsächliche Rauchverhalten der Schwangeren. Insgesamt hat die Rate der Raucherinnen in Flandern im Studienzeitraum abgenommen.

"Unsere Studie zeigt ein stetiges Muster in der Abnahme des Risikos für Frühgeburten mit der Umsetzung öffentlicher Rauchverbote", schreiben die Forscher. Die Ergebnisse stützten die Argumentation für öffentliche Rauchverbote zum Schutz von Nichtrauchern. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben an den Folgen des Tabakmissbrauchs weltweit jährlich etwa sechs Millionen Menschen, darunter mehr als 600.000 Nichtraucher, die Passivrauch ausgesetzt sind.

Gesundheitswissenschaftler hoffen, dass weitere europäische Länder öffentliche Rauchverbote einführen werden. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass sie sowohl das Risiko für Herzinfarkte als auch das für Asthmaanfälle senken. In Deutschland gelten seit Juli 2008 in allen Bundesländern Rauchverbote.

mit Material von Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Subventionen für Suchtkranke
derletztdemokrat 15.02.2013
Die Nichtraucher müssen jede Schachtel Zigaretten mit 30.00 Euro subventionieren, und zum Dank auch noch die Abgase der Suchtkranken einatmen. 36.5 MRD werden jährelich in die Luft geblasen. Quelle Statistisches Bundesamt. Jetzt kommt wieder der ganze Blödsinn mit der "Tabaksteuer", und die Raucher denken sie haben das Recht, jeden mit ihrem Rauchermüll zu belästigen. Ich plädiere für eine "Uriniersteuer", mit dem Recht, jedem Raucher ans Bein pissen zu dürfen, wenn er mir die Luft zum Atmen verpestet. Oder mein Hund, der würde sich sicher freuen, wenn er ein Raucherbein anpinkeln dürfte .
2. ...
jujo 15.02.2013
Zitat von sysopÖffentliche Rauchverbote können ungeborene Kinder schützen: In Belgien hat das Risiko für eine Frühgeburt abgenommen, seitdem in Restaurants und Bars nicht mehr geraucht werden darf. Pro tausend Geburten verhindert das Rauchverbot sechs Frühgeburten, heißt es in einer Studie. Belgische Studie: Öffentliches Rauchverbot senkt Frühgeborenen-Rate - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/belgische-studie-oeffentliches-rauchverbot-senkt-fruehgeborenen-rate-a-883567.html)
Jetzt kommt bestimmt der Supermann zu Wort dessen Mutter während der Schwangerschaft Kette geraucht hat ohne ihm zu schaden und der 95 jährige Ketterauchende Opa als Argument pro Rauchen! Oder die Abwiegler und Besserwisser die "Beweise" sehen wollen! Haben wir alles schon bis zum Abwinken gelesen.
3. Ausbaufähiges Konzept
KnoKo 15.02.2013
Wie wär's damit? "Weniger Revolutionen nach Denkverbot?"
4. Statistik
froth 15.02.2013
seit das Rauchverbot gilt, ist es nachts auch kälter als draußen. Ich finds klasse, wie die ganzen Deppen zweifelhaftesten Statistiken hinterherhecheln um ihre fschistoiden Ideologien zu "beweisen"!
5. Interessiert doch in Deutschland keinen
mime-sis 15.02.2013
Unser Kind wurde während der Schwangerschaft und während des ersten Lebensjahres von unseren Nachbarn (Personal und Kunden einer Tankstelle in München-Untermenzing) trotz Rauchverbot systematisch durchgeräuchert. Das zuständige Gewerbeamt völlig machtlos. Kinder sind in Deutschland, solange sie noch keine laufenenden Geldbeutel darstellen nichts Wert. Wir leben im Ausland, Rauchen in der Öffentlichkeit ist zwar nicht verboten, aber verpöhnt. Hier ist es unvorstellbar, dass man in der Gegenwart von Schwangeren und Kinder massiv raucht. Man würde hier anderen auch keine brennende Zigarette absichtlich vor die Hautüre und unters offene Schlafzimmer legen. Das machen nur Leute, die von irgendwelchen niederen Trieb(n)e(r)n gesteuert sind. Ich hab die Gesichte mal unseren jetzigen Nachbarn erzählt. Die waren fassunglsos "Lieben die Deutschen ihre Kinder etwa nicht" wurde ich gefragt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
RSS
alles zum Thema Frühgeburten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 89 Kommentare
Zum Autor
  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.
Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: