Benzodiazepine Wie Süchtige am besten von Schlafmitteln loskommen

Mehr als eine Million Deutsche kommen ohne Schlaf- und Beruhigungspillen nicht mehr klar. Ein Pilotprojekt zeigt: Süchtige kommen eher von den Mitteln los, wenn Ärzte und Apotheker intensiver vor Risiken und Nebenwirkungen warnen.

Medikamente: Menschen, die von benzodiazepinhaltigen Schlafmitteln abhängig sind, schaffen den Absprung selten allein
Corbis

Medikamente: Menschen, die von benzodiazepinhaltigen Schlafmitteln abhängig sind, schaffen den Absprung selten allein


Beruhigungsmittel nehmen Ängste, bringen einen ruhigen Schlaf, lösen Krämpfe - doch sie bergen auch Gefahren: Im Kampf gegen Schlafmittelsucht sollen Ärzte und Apotheker ihre Patienten und Kunden intensiver beraten und betreuen. Gerade ältere Menschen müssten in der Apotheke auf die Risiken solcher Medikamente angesprochen werden, forderte der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, am Montag in Berlin. Das funktioniere am besten, wenn der behandelnde Arzt miteinbezogen sei.

In Deutschland sind Schätzungen zufolge bis zu 1,2 Millionen Menschen von benzodiazepinhaltigen Schlaf- und Beruhigungsmitteln abhängig, die meisten sind mehr als 65 Jahre alt. Die aktuellen Ergebnisse eines Modellversuchs der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), der vom Bundesgesundheitsministerium finanziert wurde, zeigen: Viele Süchtige schaffen den Absprung, wenn sie intensiver betreut werden.

In Absprache mit dem Arzt wurden bei 102 schlafmittelabhängigen Patienten die Dosierungen über mehrere Wochen nach und nach reduziert. Dabei sind Entzugserscheinungen zu Unrecht gefürchtet: Nur etwa fünf Prozent der Patienten hatten schwere Probleme, sagte Rüdiger Holzbach, Chefarzt der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt.

Mediziner achten zu wenig auf Folgen für Ältere

Ein Großteil der Teilnehmer hatte vorher noch nicht versucht, von den Mitteln loszukommen. Auch Ärzte hatten ihnen selten einen Entzug nahegelegt: Mediziner sind laut Holzbach noch zu wenig für die Langzeitwirkung der Schlafmittel bei älteren Menschen sensibilisiert. Die Mittel dämpfen dann auch tagsüber, Patienten stürzen häufiger.

Die Teilnehmer der Studie waren im Schnitt 71 Jahre alt und nahmen seit rund zehn Jahren Schlafmittel. Mehr als zwei Drittel waren Frauen. Rund die Hälfte der Teilnehmer konnte nach Ablauf des Projekts auf Arzneien aus der Gruppe der Benzodiazepine verzichten, 28 Prozent nahmen die Medikamente in niedrigerer Dosierung.

Auch kanadische Forscher hatten vor kurzem eine Studie veröffentlicht, in der sie zeigen konnten, dass bereits eine Informationsbroschüre helfen kann, süchtige Senioren zum Schlafmittelentzug zu motivieren.

Wenn das BMG-Projekt Schule machen solle, müsse der Zusatzaufwand der Apotheker "angemessen honoriert werden", sagte Andreas Kiefer von der Bundesapothekerkammer. Durch die Beratung würden letztlich weniger Medikamente verkauft. Apotheker hatten sich bei dem Versuch pro Patient für Beratung und Dokumentation oft mehr als acht Stunden Zeit genommen.

Was hilft beim Absetzen von Schlaf und Beruhigungsmitteln? Mehr dazu finden Sie auf gesundheitsinformation.de.

cib/dpa

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
seduro34 19.05.2014
1. optional
Das Mediziner zu wenig auf die Langzeitfolgen von Medikamenten für ältere Menschen achten, ist bekannt. Jedoch "10 Jahre und länger" Benzodiazepin sollte auch dem letzten Arzt zu denken geben. Aber es ist natürlich bequem, ein schnell und gut wirkendes Mittel und der Patient ist zufrieden. Auch die Patienten sollten Verantwortung für sich übernehmen und den Beipackzettel lesen oder den Arzt oder Apotheker seines Vertrauens befragen. Warum die Apotheker einen "Zusatzaufwand" haben sollen bei ihrer ohnehin teueren Beratungspflicht, erschließt sich mir nicht ganz. Übrigens ist ein Benzodiazepinentzug bei langer und hoher Dosierung immer unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen.
MeineMeinungist... 19.05.2014
2. Warum soll eine kontrollierte Einnahme nicht möglich sein?
Wenn, aus welchen Gründen auch immer, ein Mensch massive Ein- und Durchschlafprobleme hat und das zu erheblichen psychischen Problemen führt, ist das eine gute Möglichkeit, weiteren psychischen Problemen zu entgehen. Ich habe seit 32 Jahren Schlafstörungen und jahrelang ging es mir psychisch sehr schlecht. Seit 14 Jahren nehme ich täglich eine 1/2 Schlaftablette und kann endlich wieder einschlafen. Es ist immer bei der gleichen Dosierung geblieben und nicht wie immer behauptet wird, dass die Menge ständig erhöht werden muss und irgendwann nicht mehr wirkt. In der Zeit ist es immer mal wieder vorgekommen, dass ich die Einnahme vergessen hatte. Spätestens, wenn ich nach 2 Std. immer noch nicht eingeschlafen war und mir dann einfiel, dass ich die Einnahme vergessen hatte war mir klar, dass die Wirkung einer Schlaftablette keine Einbildung ist und nicht nur von der Sucht aus gesehen werden darf. Etwas anderes ist es, wenn es psychische Probleme gibt, deren Ursachen nicht abgeklärt wurden, dann muss man die Probleme durch eine Therapie aufarbeiten und oder mit anderen Medikamenten behandeln. Beruhigungstabletten hingegen, sind ein anderes Kaliber. Diese führen nach einiger Zeit immer zu einer Abhängigkeit, von der man nur schlecht los kommt und die gleichzusetzen sind mit Alkohol-, Rauschgift- und Nikotinsucht.
Dengar 19.05.2014
3. Substitutionstherapie
Zitat: " Wenn das BMG-Projekt Schule machen solle, müsse der Zusatzaufwand der Apotheker "angemessen honoriert werden", sagte Andreas Kiefer von der Bundesapothekerkammer. Durch die Beratung würden letztlich weniger Medikamente verkauft. Apotheker hatten sich bei dem Versuch pro Patient für Beratung und Dokumentation oft mehr als acht Stunden Zeit genommen." Zitat Ende. --- Diese verdammten Pillendreher werden für Aufklärung im VORFELD doch schon ausreichend vergütet! Oder wie sonst soll man: "Zu Risiken...fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker..." sonst verstehen? - Jetzt wollen diese von der FDP gepamperten Subventionsheinis also auch noch einen "Ausgleich" für entgangene Geschäfte.......
luxpoet 19.05.2014
4. Melatonin
für mich hilft Melatonin, ist günstig und keine Abhängigkeit
b.santelmann 19.05.2014
5.
Sofort melden sich die Apotheker und wollen mehr Geld . Wie typisch ist das denn ? Müssen sie nicht ohnehin bei jedem Verkauf Beratung leisten ?
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