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Beta-Interferone: Arzneibehörde warnt vor Gefahr durch MS-Mittel

Nervenzellen (Illustration): Beta-Interferone greifen in das Immunsystem von MS-Patienten ein Zur Großansicht
Corbis

Nervenzellen (Illustration): Beta-Interferone greifen in das Immunsystem von MS-Patienten ein

Beta-Interferone gehören zur Standardtherapie der Multiplen Sklerose. Die deutsche Arzneimittelbehörde warnt jetzt: Die Immunmodulatoren könnten das Risiko für schwere Nierenschäden erhöhen.

Mehrere gebräuchliche Medikamente gegen Multiple Sklerose könnten die Gefahr erhöhen, an zwei gefährlichen Nierenleiden zu erkranken. Bei den kritischen Mitteln handelt es sich laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) um die seit vielen Jahren in der Therapie eingesetzten Beta-Interferone. Die Bonner Behörde forderte behandelnde Ärzte dazu auf, künftig bei ihren MS-Patienten verstärkt auf Anzeichen für die Nierenerkrankungen zu achten und diese unverzüglich zu behandeln.

Durch die MS-Medikamente könnte sich eine sogenannte thrombotische Mikroangiopathie (TMA) entwickeln, warnte das BfArM. Bei der Erkrankung kommt es unter anderem zu Bluthochdruck, Fieber und schweren Störungen des Nierengewebes. Zudem bestehe das Risiko eines nephrotischen Syndroms, bei dem die Nieren der Betroffenen nur noch eingeschränkt arbeiten. Zu den frühen Anzeichen zählen Ödeme und eine übermäßige Ausscheidung von Eiweiß über den Urin. Beide Erkrankungen könnten mehrere Wochen bis mehrere Jahre nach dem Start einer Behandlung mit Beta-Interferonen auftreten.

Mehrere Fälle gemeldet

Die Behörde reagiert mit ihrer Warnung auf die Meldung mehrerer Fälle der beiden Krankheiten, die mit einer Einnahme des Medikaments zusammenhängen könnten. Einige der Erkrankten starben. Das BfArM schreibt in einem Informationsblatt, die europäischen Zulassungsbehörden hätten die Meldungen bewertet und ein ursächlicher Zusammenhang mit der Einnahme der Beta-Interferone sei nicht ausgeschlossen worden. Die Warnhinweise bei den Präparaten seien für Ärzte nun entsprechend verschärft worden. MS-Patienten, die ein Beta-Interferon nehmen und die beschriebenen Nebenwirkungen an sich beobachten, sollten daher ihren Arzt aufsuchen und die Arznei nur in Absprache absetzen.

In Deutschland sind aktuell fünf Beta-Interferone zur Behandlung der bislang unheilbaren Nervenkrankheit MS zugelassen. Dazu zählen die umsatzstarken Arzneien Betaferon von Bayer sowie Rebif des Darmstädter Pharmakonzerns Merck. Betaferon war 2013 mit weltweiten Verkaufserlösen von 1,04 Milliarden Euro das zweitumsatzstärkste Medikament der Bayer-Pharmasparte. Rebif war im vergangenen Jahr mit 1,86 Milliarden Euro Umsatz sogar die Top-Arznei von Merck. Auch die Präparate Extavia des Schweizer Pharmariesen Novartis sowie die Mittel Plegridy und Avonex des US-Biochtechkonzerns Biogen Idec gehören zu dieser Medikamentengruppe.

hei/Reuters

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insgesamt 12 Beiträge
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1. und die Nebenwirkungen von Tysabri?
fd53 20.08.2014
Im Vergleich zu den bisher bekannten möglichen umfassenden Nebenwirkungen der Langzeitgabe von Tysabri sind die im redaktionellen Beitrag geschilderten Nebenwirkungen noch harmlos ... Aber es ist schon erstaunlich, wie viel Geld Pharmakonzerne an der Krankheit MS real verdienen und welche irrwitzige Gewinnmargen diese Krankheit ermöglicht. Aber das ist halt ganz gewöhnlicher Kapitalismus. Inzwischen hat bekanntlich eine wachsende Anzahl von Bürgern nicht mal mehr ausreichend Geld für eine würdige Beerdigung.
2. was hilft gegen MS?
petrasha 20.08.2014
ich hab gelesen, was alles für nebenwirkungen passieren können. ich hab leider nicht gelesen, welche präparate unbedenklich sein sollen. da soll sich ein patient zwischen pest und cholera entscheiden?
3.
lenny1000 20.08.2014
Mmmmh....seit so vielen Jahren auf dem Markt und kein halbes Jahr nach Einführung des ersten oralen Medikamentes (Tecfidera) kommt plötzlich diese Meldung? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt....
4. Weil hier soviel Geld verdient wird
dödelhelm 21.08.2014
steht zu befürchten, dass niemand Interesse hat, diese Krankheit zu heilen. Eine Monatsdosis Interferon, Copaxone oder was auch immer kostet Minimum € 1300 (ich weiss es aktuell nicht, weil ich den Dreck nicht mehr nehme). Das macht über 30-40 Jahre deutlich über € 500.000 Umsatz. Stelle sich mal eine(r) vor, irgendein Pharmakonzern würde der Krankenkasse sagen, ich hab da die Superpille, die die MS heilt, aber die kostet eine halbe Million... Hua, da würden sie aber alle "Hier!" schreien - aber die "kleinen" Dosen Scheißdreck (von den "grossen" wie Natalizumab gar nicht zu reden) zahlen sie klaglos. Na denn mal fröhliches Verdienen, ihr Pharmagötter!
5. - Nix...
Ulla La 21.08.2014
...hilft wirklich gegen MS. "ich hab leider nicht gelesen, welche präparate unbedenklich sein sollen." - Ja, und zwar deswegen, weil es KEINE Präparate gibt, die unbedenklich sind. Ich selber habe MS und lese deswegen täglich alle möglichen Infos rund um die Krankheit, die Forschung und die Medikamente. Fazit: Es gibt keine Lösung. Jede mögliche Behandlung ist wie ein Schuss mit dem Schrotgewehr, wobei man hofft, das Ziel, das man nicht einmal wirklich kennt, durch Zufall zu treffen. Ich nehme deswegen nichts, trotz hochaktiver Verlaufsform. Die (meist unwirksame) Therapie bedeutet Pest UND Cholera ( = Krankheitssymptome und fortschreitende Einschränkungen UND schlimme Nebenwirkungen der Medikamente). (Und der Inhalt dieses Artikels bestätigt mich wieder einmal in meiner Einschätzung.)
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