Studie zu Betrunkenen auf YouTube Haha, Alkohol, wie lustig

Forscher haben die am meisten gesehenen YouTube-Videos zum Thema Betrunkensein analysiert. Dabei stellten sie fest: In der Regel geht's spaßig zu. Von den Risiken des Alkoholkonsums ist kaum etwas zu sehen.

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DPA

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Viele Menschen erheitert es, einem anderen beim Torkeln, Lallen oder Umfallen zuzuschauen. Die beliebtesten 70 YouTube-Videos zum Stichwort Betrunkensein wurden zusammen mehr als 330 Millionen Mal angeschaut, berichten US-amerikanische Wissenschaftler.

Nachdem die Forscher analysiert haben, was in den Mitschnitten passiert, kommen sie zum Schluss: Meist wird Alkoholkonsum als komisch dargestellt. Die negativen Folgen übermäßigen Trinkens werden dagegen kaum thematisiert, beklagen Brian Primack von der University of Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) und Kollegen. Also dass Menschen nach starkem Trinken mit Vollrausch im Krankenhaus landen - oder langfristig die Alkoholabhängigkeit droht.

Im Fachblatt "Alcoholism: Clinical & Experimental Reseach" fassen sie zusammen:

  • In 79 Prozent der Videos war Betrunkenheit mit Humor verknüpft.
  • Obwohl in 86 Prozent der Videos Betrunkene zu sehen waren, wurde nur in sieben Prozent auf Alkoholabhängigkeit hingewiesen.
  • In 44 Prozent der Videos wurden bestimmte Getränkemarken gezeigt.
  • In 89 der Videos waren Männer zu sehen, in 49 Prozent Frauen.
  • In 19 Prozent der Videos verletzten sich Menschen.
  • Sehr bedenklich: in 24 Prozent wurde Auto gefahren.
  • Am häufigsten wurde Schnaps getrunken.

"Wir wissen, dass einige Zuschauer erfahren genug sind, um Musik- oder Werbevideos gegenüber skeptisch zu sein", sagt Studienautor Brian Primack. Aber die gleichen Zuschauer seien möglicherweise weniger misstrauisch, wenn sie von Nutzern gefilmte, lustige Erlebnisse Betrunkener sehen, befürchtet der Wissenschaftler. Und selbst wenn die Getränkemarken ganz ohne Bezahlung von der Industrie ihren Weg in die erfolgreichen Videos gefunden haben: Werbung ist es dennoch.

Primack und Kollegen klagen aber nicht nur, sie sehen auch eine Chance: Es sei schließlich möglich, mithilfe von YouTube-Videos Heranwachsende besser über die Risiken des Alkoholkonsums aufzuklären. Bisher würde man diesen Kanal noch nicht genug nutzen, meinen sie.

wbr

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
moneysac123 21.02.2015
1.
Spaß haben wird ja so gut wie überall mit alkohol verknüpft, frei dem motto: ohne alkohol kein spaß. ein sehr geschickter werbeschachzug
TimB 21.02.2015
2.
Unterhaltame Videos bekommen mehr Klicks als nicht unterhaltsame Videos? Bitte einen Nobelpreis für diese Studie und einen Pulitzer-Preis für SPON darüber zu berichten.
Xenocow 21.02.2015
3. Schnapsleichen kommen direkt nach Katzenvideos :-)
Viel Spass = https://www.youtube.com/watch?v=XTEFvo-fXrQ
GetOver 21.02.2015
4.
"Wir wissen, dass einige Zuschauer erfahren genug sind, um Musik- oder Werbevideos gegenüber skeptisch zu sein" Noch herablassender gings nicht mehr oder? Nicht alle von uns sind erst gestern vom Rübenlaster gefallen...
münchen1975 21.02.2015
5. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Wie wär's mal mit einer Studie dazu, wieviel Humor Leute haben, die immerzu verbissen den Teufel Alkohol an die Wand malen müssen? Das könnte u. U. auch ganz aufschlußreich werden. Der englische Schriftsteller D. H. Lawrence ("Lady Chatterley") hatte sich mal in einem Essay bitter beschwert über seine Mutter: Jedesmal, wenn der Vater bierselig vom Pub nach Hause kam, ging es los mit stundenlangen hysterischen Tiraden über die Gefahren des Alkohols. Inklusive unzähligen Besuchen bei der Heilsarmee, die den kleinen D.H. von Kindesbeinen an die "Hölle des Alkoholismus" bewußt machen sollten, damit er als Erwachsener die Finger davon läßt. (Mit dem Erfolg, daß D.H. Lawrence später selber einem guten Bier nicht abgeneigt war, dafür aber eine tiefe Abneigung gegen Moralapostel und Spaßbremsen hatte.) Dabei war der Vater niemals gewalttätig, wenn er betrunken war, sondern nur beschwipst und heiter. Daß in Wahrheit die moralinsaure Mutter mit ihrem missionarischen Eifer der ganzen Familie das Leben zur Hölle machte, und sie selbst sich eine Menge Spaß mit ihrem gutmütigen Ehemann verbaut hat, ist ihr erst aufgegangen, als die potentiell besten Jahre ihres Lebens längst vorbei waren. Natürlich ist Alkohol nicht ungefährlich (wie vieles andere im Leben auch)! Aber bloß, weil man sich zum Spaß zwischendurch mal die Lampen ausschießt, ist man noch lange kein heruntergekommenes alkoholkrankes Wrack.
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