Carola war die Frage sichtlich unangenehm: Ob sie in unserer Tiefkühltruhe ihre Bettwäsche für drei Tage einfrieren dürfe? Carola kam gerade aus Berlin und hatte sich dort den Bug geholt. Nun wurde sie ihn nicht mehr los. In ihrer Waschmaschine hatte sie schon alles bei neunzig Grad gewaschen. Aber sie wollte sichergehen, auch wirklich das letzte Ei zu erwischen.
Die Bedbugs, zu deutsch Bettwanzen, sind kleine blutsaugende Parasiten, die dunkle Seite der Globalisierung, die Vampire unserer Zeit - nur nicht ganz so sexy wie Kristen Stewart und Robert Pattinson. Cimex lectularius, so der lateinische Name, sieht aus wie eine Kreuzung zwischen Zecke und Kakerlake. Wenn ihre jungen Opfer schlafen - müde vom studenlangen Barfußtanzen auf der Moonlight-Party auf Koh Phangan, dem fleischeslustigen Feiern am Zuckerhut, den biernassen Springbreak-Orgien in Cancun - dann kommen sie und holen sich ihre Blutmahlzeit.
Die Wanzeriche tyrannisieren aber nicht nur uns, sondern auch ihre eigenen Weibchen. Der bad bug pflegt ein shades-of-greyeskes Paarungsritual: Das Männchen überfällt das zu Recht paarungsunwillige Weibchen, penetriert es im Wortsinne durch die Haut und injiziert seinen Samen einfach in sie hinein. Der Wissenschaftler spricht bezeichnenderweise von "traumatischer Insemination". Danach ist es für die arme Wanzendame aber noch nicht vorbei. Denn dann geht es ans Eierlegen - bis zu einem Dutzend Eier täglich. Eine Leistung, die jede Turbohenne in den Schatten stellt.
Wanzeneier unter Pizza Vegetariana und Pommes
Von diesem Scheusal war Carola nun befallen. "Natürlich kannst Du Deine Bettwäsche bei uns einfrieren", antworteten wir ihr und räumten ihr eines unserer drei Tiefkühlfächer leer. Und zwischen Pizza Vegetariana, Backofen-Pommes extra knusprig und Ente Thai starb hoffentlich das letzte Bedbug-Ei.
Der Bug ist zäh. Ein halbes Jahr Nulldiät ist kein Problem für ihn. Lange hatte Homo sapiens Cimex lectularius wenig mehr entgegenzusetzen als rohe Gewalt. Dann wurde die Seife erfunden und wir hätten es fast geschafft, den kleinen Widerling endgültig von diesem Planeten zu tilgen. Aber nur fast. Im Zeitalter der Billigflüge und gierigen Hotelbetreiber gewinnt er wieder an Boden. Doch er hat eine Schwäche: Trotz Millionen Jahre Evolution hat es der Überlebenskünstler nie bis in die Arktis geschafft. Also muss man ihm nur vorgaukeln, dass eine neue Eiszeit angebrochen ist. Minus 18 Grad Celsius Tiefkühltruhe halten die Bedbug-Weicheier nicht aus.
Welch luxuriöse Verschwendung gönnen wir uns doch mit dieser elektrischen Mini-Arktis! All das nur, um uns jederzeit eine Pizza zubereiten zu können. Dabei könnte man damit so viele Parasiten erledigen. Es gilt lediglich, im Kopf die Assoziation Kühlschrank und Essen neu zu definieren. So schicken wir nun regelmäßig Kissen, Decken und Teddybären auf Arktisexpedition in Tiefkühlfach Nummer drei - und mit ihnen Millionen Hausstaubmilben.
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