Bundesgerichtshof Patientin muss missratene Zahnbehandlung nicht bezahlen

Acht Zahnimplantate wurden einer Frau fehlerhaft eingesetzt, dennoch forderte ihr Zahnarzt 34.000 Euro. Nun urteilte der Bundesgerichtshof - und stärkt die Rechte von Patienten.

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Der Bundesgerichtshof (BGH) stärkt die Rechte von Patienten nach fehlerhafter Behandlung durch den Zahnarzt. Sie müssen keine Leistungen bezahlen, die so schlecht erbracht wurden, dass auch der Nachbehandler nichts mehr retten kann. Das haben die obersten Zivilrichter in Karlsruhe am Donnerstag im Fall einer Patientin aus Bremen entschieden. Ein Zahnarzt hatte der Frau acht Implantate gesetzt, ehe sie die Behandlung wegen Komplikationen abbrach. Für die Behandlung sollte sie ein Honorar von mehr als 34.000 Euro bezahlen.

Zuletzt hatte das Oberlandesgericht Celle entschieden, dass dem Arzt trotz der missglückten Behandlung knapp 17.000 Euro zustünden - die Weiterverwendung der Leistungen sei für die Frau "jedenfalls eine Option". Das sieht der BGH anders. Ein Zahnarzt könne zwar kein Gelingen versprechen. Im konkreten Fall seien aber gravierende Behandlungsfehler passiert, die erbrachten Leistungen seien für die Frau nutzlos.

Alle Implantate unbrauchbar

Ein Sachverständiger im Prozess hatte sämtliche der in Hannover gefertigten Implantate als unbrauchbar bezeichnet, weil sie nicht tief genug im Kieferknochen säßen und falsch positioniert seien. Für die Weiterbehandlung gebe es deshalb nur die Wahl zwischen "Pest und Cholera": Bleiben die Implantate im Kiefer, muss die Frau auf Jahre mit einem erhöhten Entzündungsrisiko leben. Lässt sie sie entfernen, kann der Knochen so geschädigt werden, dass neue Implantate nicht mehr halten.

Nach Auffassung des BGH sind die Leistungen damit "objektiv und subjektiv völlig wertlos". Der Klägerin bleibe keine zumutbare Behandlungsvariante. Deshalb muss sie dafür auch nichts bezahlen.

Welche Posten auf der Honorarrechnung möglicherweise berechtigt sind, muss jetzt eine andere Kammer des OLG Celle ermitteln. Dort wird der Fall neu verhandelt und entschieden.

hei/dpa

insgesamt 18 Beiträge
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Draw2001 13.09.2018
1. Erst einmal ein Implantat setzen lassen....
und dann prüfen, wie es funktioniert. Es besteht keine Pflicht alles in einem "Aufwasch" erledigen zu lassen. In diesem Step by Step Verfahren hat man einen laufenden Überblick, ob es denn noch passt. Viele Patienten - nicht nur im Zahnbereich - lassen oftmals eine "Rundum-Behandlung" durchführen. Dies birgt natürlich das Risiko, dass wenn mehr getan wird, auch mehr mißraten kann. Der Abbruch ist dann mit mehr Problemen verbunden, als bei einem, in sich isolierten Fall.
Bitjaeger 13.09.2018
2. Schadensersatz?
Erstaunlich das hier überhaupt etwas bezahlt werden muss. Die Patientin müsste Schadensersatz und Schmerzensgeld in Millionenhöhe bekommen.
magic88wand 13.09.2018
3. Klingt in Ordnung
Jedem Handwerker oder sonstigem Dienstleister, der Mist baut, kann man ja auch die Zahlung verweigern. Der Zahnarzt sollte dankbar sein, wenn die Patientin kein Schadensersatz oder Schmerzensgeld verlangt.
Newspeak 13.09.2018
4. ...
Wie kann so etwas ueberhaupt passieren? Die Patientin hat doch sicher einen entsprechenden Behandlungsplan unterschrieben. Ich kann nicht verstehen, wie man das tun kann, fuer eine Gesamtbehandlung mit mehreren 10.000 Euro Kosten und im voelligen Vertrauen auf den Zahnarzt und, wahrscheinlich, ohne sich eine zweite Meinung einzuholen. Ich bin der Meinung, das sollte bei solchen schwerwiegenden Eingriffen generell verpflichtend sein.
bluebill 13.09.2018
5. Zahlen trotz Schaden...
Musste ich auch schon. Bei einer Umzugsspedition, die das Inventar zu großen Teilen zertrümmert und unbrauchbar hinterließ. Der lokale Amtsrichter drängte entschieden zum Vergleich, ebenso beide Anwälte. - Somit ist das Urteil schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn etwas geleistet wird, egal ob vom Spediteur oder vom Zahnarzt, muss es zumindest weitgehend den erwarteten und/oder vereinbarten Leistungen entsprechen. Im Endergebnis, nicht im nutzlosen Detail.
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