"Biggest Loser"-Diätstudie Jojo-Effekt XXL

Erst abnehmen, dann wieder zunehmen - dieser Effekt hat auch die meisten Teilnehmer der US-Reality-Show "The Biggest Loser" getroffen. Forscher haben sie sechs Jahre lang begleitet und liefern eine Erklärung.

Casting-Szene aus "The Biggest Loser", 2010
AFP

Casting-Szene aus "The Biggest Loser", 2010

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Abnehmen, richtig viel abnehmen: Das war das Ziel aller Teilnehmer der Show "The Biggest Loser". Forscher haben 14 der Showteilnehmer aus den USA (das TV-Format gibt es auch in Deutschland) begleitet. Vor Beginn der Diät, zum Ende des 30 Wochen dauernden Programms sowie sechs Jahre später haben sie unter anderem ihr Gewicht und den Anteil des Fetts daran gemessen, Blutwerte analysiert und ihren Grundumsatz ermittelt.

Die im Fachblatt "Obesity" veröffentlichten Ergebnisse zeigen einen der Gründe, warum es den meisten Menschen missglückt, nach einer Diät ihr Gewicht zu halten. Bei allen Teilnehmern sank der Grundumsatz - die Energie, die ihr Körper Tag für Tag unabhängig von Anstrengung verbraucht -, deutlich. Vor Beginn des straffen Diät- und Sportprogramms lag er im Schnitt bei rund 2600 Kilokalorien (kcal) pro Tag und wich damit nicht wesentlich von dem ab, was für die jeweilige Person zu erwarten wäre. Die Werte schwankten je nach Teilnehmer zwischen 2000 und 3200 kcal.

30 Wochen später war der Grundumsatz bei allen deutlich gesunken und lag im Schnitt bei 2000 kcal pro Tag - die Spannbreite reichte von 1600 bis 2400 kcal pro Tag. Sechs Jahre später hatte sich das kaum verändert, der Grundumsatz war im Schnitt sogar noch etwas weiter gesunken.

Stoffwechsel auf Sparflamme

Rechne man ihr gestiegenes Alter und ihr verändertes Gewicht mit ein, sei ihr Grundumsatz im Schnitt 500 kcal unter dem, was man erwarten würde, schreibt das Forscherteam um Kevin Hall von der US-amerikanischen National Institutes of Health.

Was bedeutet: Die Teilnehmer müssen am Tag auf durchschnittlich 500 kcal verzichten, die eine vergleichbare Person verputzen kann, ohne zuzunehmen. 500 kcal entsprechen zum Beispiel rund 250 Gramm Sahneeis oder rund anderthalb Kilo Erdbeeren.

Tatsächlich hat es nur eine Teilnehmerin geschafft, weiter abzunehmen. Alle anderen haben wieder zugenommen. Im Schnitt verloren sie während der Show 58 Kilogramm und nahmen in den folgenden sechs Jahren wieder 41 Kilo zu. Mit Blick auf den gesunkenen Grundumsatz, ist das wenig verwunderlich.

Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München erklärt, dass schon länger bekannt sei, dass der Grundumsatz infolge einer erfolgreichen Diät sinkt. Auf den Gewichtsverlust reagiere der Körper sofort mit Gegenmaßnahmen: Er bilde weniger aktives Schilddrüsenhormon, das den Stoffwechsel ankurble. Der Blutdruck falle und der Spiegel des Hormons Leptin sinke. Es dämpft das Hungergefühl, ein niedriger Leptinspiegel erschwert also, sich beim Essen zurückzuhalten. "Außerdem sinkt der Grundumsatz, weil bei einer Diät nicht nur Fett abgebaut wird, sondern auch Muskelmasse verloren geht, die sonst viel Energie verbraucht."

Warum der Stoffwechsel der "Biggest Loser"-Teilnehmer auch sechs Jahre nach dem Diät-Ende noch auf Sparflamme lief, kann Hauner nicht erklären. "Auch diese Phänomen war schon bekannt, aber wir wissen noch nicht, wie es sich erklären lässt." Eine Annahme sei: Menschen mit einem ohnehin geringen Grundumsatz werden häufiger übergewichtig. Demzufolge sei es logisch, dass ihr Energieverbrauch nach einer Diät nicht dem eines ähnlich gebauten Gleichaltrigen entspreche, der nie dick war.

Sport von morgens bis abends

In der "New York Times" schildern einige Teilnehmer ihre Erfahrungen. Danny Cahill etwa, heute 46 Jahre alt, wog vor der Show rund 195 Kilo. Er speckte auf 86 Kilo ab, inzwischen wiegt er rund 134. Als er abnahm, trieb er im Prinzip den gesamten Tag Sport - mit kurzen Pausen und karger Kost. Er hatte sich selbst als Ziel gesetzt, jeden Tag 3500 mehr Kilokalorien zu verbrennen, als er zu sich nahm. An manchen Tagen joggte er dafür noch bis in die Dunkelheit hinein - nach Stunden im Fitnessstudio und auf Radtouren, heißt es in der "New York Times".

Vier Jahre lang konnte er sein Gewicht unter 115 Kilo halten, indem er jeden Tag zwei, drei Stunden Sport trieb. In dieser Zeit lebte er davon, als erfolgreichster "Biggest Loser"-Teilnehmer Reden zu halten. Danach nahm er seinen alten Job wieder auf - und nahm in den folgenden zwei Jahren noch einmal 19 Kilo zu.

Er berichtet auch von seinem starken Verlangen nach Essen. Er öffne eine Tüte Chips mit dem Vorsatz, nur ein paar zu essen. "Ich esse fünf Stück. Dann habe ich einen Blackout, esse die ganze Tüte und frage mich, was ich da getan habe."

Auch wenn noch nicht im Detail klar ist, warum sich der Stoffwechsel verschiedener Menschen so stark unterscheidet, die Studie unterstreicht: Manche Menschen fällt es schwerer, nicht dick zu werden als anderen.



insgesamt 245 Beiträge
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hajoschneider 05.05.2016
1. Liebe Frau Weber,
irgendwie habe ich erst nach längerem Nachdenken verstanden, was Sie da beschreiben, obwohl ich weiß, was Grundumsatz bedeutet. Mir scheint, man hätte das ein wenig besser erklären können, um es leichter verständlich zu machen, anstatt die Erklärung für Grundumsatz mal eben in einem Nebensatz abzuhandeln.
fblars 05.05.2016
2. Die Studie ist Unsinn
Die Studie wird hier schon mal richtig schön auseinandergenommen: https://youtu.be/obBTaSxk9U0
AllesKlar2014 05.05.2016
3. Abnehmen ohne Wasser nicht moeglich
In fast allen Studien wird der Wassereffekt vollkommen vernachlaessigt. Wer abnehmen will und dad dauerhaft muss einfach seine Trinkgewohnheiten mit veraendern. Dazu gehoert zu verstehen, dass dehydrierte Menschen 60% des Wasserbedarf aus fester Nahrung, ueber denn Duenndar holen. Der Koerper signalisiert Hunger. Hat aber einfach nur Durst. 100 oder gar 150 kg haben einen immensen Fluessigkeitsbedarf. Wenn industriell gegessen wird, ist dieser Koerper total uebersaeuert. Ein Abnehmen ist damit unmoeglich. Co2 haltiges Mineralwasser traegt zu weitere Uebersaeurung bei. Nur bsische Waesser vasische Waesser
Lügenimperium 05.05.2016
4. Naja
Kommt ja darauf an was man isst. Chips ist die perfekte Kombination um Fett anzusetzen. Als Steinzeitmensch hat man diese Zusammensetzung an Nahrung kaum bekommen und wenn sie da war, direkt gefuttert um für schlechtere Zeiten gewappnet zu sein. Auch wird sich bei diesen Menschen viel im Darm abspielen wie man ja mittlerweile aus der Forschung weiß nachdem bei Stuhltransplantationen Leute auf einmal fett bzw. schlank wurden ohne was anderes zu verändern. Der Darm spielt sowieso eine wichtigere Rolle als angenommen. Die ganzen Psychos mit ihren Antidepressiva und so wollen im Hirn den Stoffwechsel verändern obwohl der Darm das zweite Gehirn ist und gut 80% vom Serotonin und anderen Stoffen beheimatet... Des Weiteren ändern sich ja auch am ca. 30 die Hormonwerte, d.h. weniger Testosteron beim Mann und je älter man wird, desto mehr gleichen sich die Geschlechter an. Auch hier muss man sich schlichtweg mehr bewegen als früher weil die Hormone sich langsam verändern...
Euronymus 05.05.2016
5. Chips?
"Er berichtet auch von seinem starken Verlangen nach Essen. Er öffne eine Tüte Chips mit dem Vorsatz, nur ein paar zu essen." Die Frage die ich mir da stelle: Wieso hat der Mann überhaupt eine Tüte Chips zuhause? Ist sie da, wird sie auch gegessen. Spielt keine Rolle in welchem Zeitraum. Die Entscheidung wurde im Supermarkt getroffen. Keine Chips und keine Süßwaren kaufen, dann ißt man schonmal diesen hochkalorischen Trash nicht. Sondern das was da ist...und die Entscheidung, was da ist, fällt im Supermarkt.
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