Biofeedback Bewusst den Schmerz bekämpfen

Oft reagiert der Körper gestresst, bevor es zu Migräne oder Spannungskopfschmerz kommt: Der Puls steigt, das Herz wummert. Biofeedback hilft, gezielt zu entspannen. Und es wirkt so gut wie Medikamente.

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Blutdruck, Puls, Muskelspannung: Sensoren messen, wie der Körper auf Stress reagiert
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Blutdruck, Puls, Muskelspannung: Sensoren messen, wie der Körper auf Stress reagiert


Wer an Migräne leidet, kennt Situationen wie diese nur zu gut: Es ist der Tag vor einer wichtigen Prüfung, allein beim Gedanken daran scheint sich der Magen zusammenzuziehen. Reicht das Gelernte? Und was, wenn man versagen sollte? Die Hände werden feucht, der Herzschlag beschleunigt sich - und die Panik wächst, ausgerechnet am nächsten Tag eine Migräneattacke zu bekommen.

Die Angst ist berechtigt. "Eine Migräneattacke kündigt sich oft durch eine übermäßige Aktivierung des vegetativen Nervensystems an", sagt der Neurologe und Schmerztherapeut Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. Dieser Angriff-und-Flucht-Teil des Nervensystems sorgt dafür, dass wir in Notsituationen alle unsere Kräfte mobilisieren können. Die Verdauung stockt, die Muskeln spannen sich an.

Steigern sich Migräne-Patienten - aber auch Menschen mit Spannungskopfschmerzen - in derartigen Situationen weiter hinein, kommt es zwangsläufig zum Kopfschmerz. "Angst ist ganz wesentlich am Entstehen von Kopfschmerzen beteiligt", sagt der Neurologe Andreas Straube vom Klinikum Großhadern. Mentales Training wie Biofeedback kann helfen, diesem Stress bewusst entgegenzusteuern.

Muskeln, Atmung, Blutdruck kontrollieren

Die spezielle Form einer psycho-physiologischen Verhaltenstherapie beruht auf der Erkenntnis, dass der Mensch jede biologische Funktion, die er wahrnimmt, auch beeinflussen kann. Damit das möglich ist, lernen die Betroffenen anfangs bei einem Training bewusst zu erkennen, wie sich bei Stresssituationen ihre Herzfrequenz, die Aktivität ihrer Schweißdrüsen oder die vor allem für Spannungskopfschmerzen wichtige Muskelanspannung verändert.

Möglich machen das Sensoren, die - je nach Trainingsziel - etwa Blutdruck, Blutvolumen oder Muskelspannung messen und an einen Computer weiterleiten. Dieser verwandelt die Messwerte in optische oder akustische Signale, also Bilder oder Töne, sodass die Informationen leicht wahrzunehmen sind. Über verschiedene Techniken lernt der Betroffene anschließend, die Werte willentlich zu beeinflussen.

Ziel ist, etwa über Gedanken, Erinnerungen, Vorstellungen und bestimmte Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelrelaxation (PMR) der Stressreaktion entgegenzuwirken und die Erkenntnisse auf den Alltag zu übertragen. "Das führt heraus aus der negativen Gedankenspirale und reduziert die Wahrscheinlichkeit für die sich ankündigende Migräneattacke", sagt Göbel.

Bezahlt die Krankenkasse die Kosten?

Die Kosten für Biofeedback werden laut Göbel von den Krankenkassen im Rahmen einer ambulanten Verhaltenstherapie erstattet. Ist das Biofeedback-Training Teil einer speziellen stationären multimodalen Schmerztherapie, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Biofeedbacksitzungen ebenfalls. Auf jeden Fall sollten Interessierte vorab mit ihrer Krankenkasse darüber sprechen.
Muskelspannung mit Biofeedback reduzieren

Auf welche Bioparameter die Therapie einwirkt, hängt stark von den individuellen Beschwerden ab. "Es ist bei Spannungskopfschmerzen und Migräne ratsam, vorab genau zu untersuchen, welche Muskeln in stressenden Situationen angespannt sind", sagt Psychologin Julia Graef von der Philipps-Universität Marburg. Bei Migräne etwa trainieren die Patienten, ihre Schläfenarterie willentlich zu verengen (Blutvolumenpuls-Biofeedback).

Gekoppelt mit einem Entspannungsverfahren beugt Biofeedback Migräne und Spannungskopfschmerzen genauso gut vor wie bestimmte Medikamente, zeigen Studien. Die Betroffenen haben nach Erlernen des Biofeedbacks die Möglichkeit, die Technik im Alltag einzusetzen, wenn Spannungskopfschmerz oder eine Migräneattacke drohen.

Laut der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie kann die Migränehäufigkeit sowohl durch verschiedene Biofeedback-Verfahren als auch durch Entspannungsverfahren wie PMR um 35 bis 45 Prozent verringert werden. Die Wirksamkeit dieser Verfahren liegt damit in dem Bereich, der für den Beta-Blocker Propranolol angegeben wird.

Dabei beschränkt sich die Wirkung nicht nur auf die Zeit der Therapie. "Die Verbesserung der Symptome ist über 15 Monate nach Ende des klinischen Biofeedback-Trainings noch stabil", sagt Straube. Bei Spannungskopfschmerz wirkt das mentale Training teilweise sogar noch besser, wie die Hamburger Klinische Psychologin Yvonne Nestoriuc bereits 2008 in einer Übersichtsstudie gezeigt hat.

Teil einer mehrschichtigen Therapie

Um die Biofeedback-Techniken zu erlernen, sind laut Göbel etwa fünf bis zehn Sitzungen nötig, jeweils mit einer Dauer von 45 bis 60 Minuten. Je früher Betroffene die Technik verinnerlichen, desto besser. "Auch Kinder und Jugendliche kommen sehr gut damit zurecht. Bei ihnen ist Biofeedback noch wirksamer als bei Erwachsenen", sagt der Schmerztherapeut.

Damit die Technik optimal wirken kann, empfiehlt Göbel außerdem, sie in ein aus mehreren Modulen bestehendes Behandlungsprogramm einzubauen. Zu den weiteren Modulen sollten das Erlernen von Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken, Autogenes Training, Meditation und weitere verhaltenstherapeutische Techniken zählen.

Neben Kopfschmerzen kann Biofeedback auch bei Bluthochdruck, Rücken- und Nackenschmerzen sowie bei Angststörungen eingesetzt werden. Eine Grundvoraussetzung gibt es jedoch: Der Patient muss sich auf das Biofeedback einlassen. "Manche können das nicht", so Straube.

Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
kant-inchen 13.08.2015
1. Inhalt präsentiert von ... - NEIN DANKE!
Der 3. "Artikel" über Kopfschmerzen/Migräne bei spon innert 4 Tagen - und schon wieder wird der Inhalt von Thomapyrin (Boehringer Ingelheim Pharma) präsentiert. NEIN DANKE! Ich möchte rein journalistische Artikel lesen, die diese Bezeichnung auch verdienen. Weder von Boehringer Ingelheim Pharma, noch Bayer, noch von sonst wem im Rahmen einer Marketingcampagne "präsentiert". Auch Artikel in anderem Themenbereichen sind oft nur Ausschnitte aus Büchern, somit also auch nur Marketing bzw Productplacement. Bitte echten Journalismus und nicht so ein Fake, wenn dies zur Folge hätte, das spon kostenpflichtig würde, wäre das für mich völlig in Ordnung.
freiheitimherzen 13.08.2015
2. schön
Ist das jetzt wissenschaftlich belegt? Wir setzen das bei Bedarf schon seit Jahren und ohne die ganze Maschinerie erfolgreich ein. Wäre ja toll, wenn die wissenschaftsgläubige Gemeinde sich auch einmal für so "esoterischen Unsinn" erwärmen könnte. :-) Viele Grüße
7eggert 13.08.2015
3.
Ich kenne das, auch wenn's bei mir nicht Migräne ist: Solche Schmerzen muß man früh wahrnehmen und darauf reagieren. Ja, liebe Mitmenschen, bei Verspannungsschmerzen ist "Spann Dich ein bißchen an, damit Du ein paar Minuten vor meinen Augen mir keinen Schmerz zeigst" genau kontraproduktiv, und es ist kein Angriff auf euch, wenn man sich ein bißchen zur Entspannung hinlegt.
static_noise 13.08.2015
4. Ein wenig deutlicherer kritische Abgrenzung....
... zu dem esoterischen Humbug der im Umfeld des Biofeedback existiert täte dem Artikel gut. Dass es Reiz/Reaktionsmechanismen im Menschen gibt die unterhalb der Schwelle 'sichtbares Symptom' existieren und die in einer Diagnose oder Behandlung genutzt werden können, steht außer Frage. Wenn aber da ungeprüfte Geschwurbel von 'gestörten Energiebahnen', Aura und Chakren beginnt, verlassen einige Anhänger des Biofeedback den Boden der Vernunft.
run.t.schneider 13.08.2015
5. Produktwerbung
Pseudowissenschaftliche Artikel gekoppelt mit Pharmaplacement... kein Wunder wenn man davon Spannungskopfschmerz bekommt!
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