Blasenkrebs: Kettenraucher entwickeln aggressivere Tumore
Rauchen verursacht nicht nur Blasenkrebs, die Krankheit entwickelt sich durch die Zigaretten auch aggressiver. Forscher haben bei Krebspatienten jetzt mehrere Biomarker identifiziert, die den Verlauf der Erkrankung möglicherweise voraussagen könnten.
Atlanta - Es fängt meist vermeintlich harmlos an: Der Urin ist vielleicht ein wenig braun oder rot verfärbt, manchmal tut das Wasserlassen auch weh. Viele Betroffene machen sich kaum Gedanken darüber oder denken allenfalls an eine Blasenentzündung. Doch in einigen Fällen steckt ein bösartiger Tumor hinter den Beschwerden, Krebs in der Harnblase.
Schon lange wissen Mediziner, dass Rauchen und bestimmte chemische Stoffe die Hauptursachen sind für Blasenkrebs. 30 bis 70 Prozent dieser Tumorerkrankungen sind auf das Rauchen zurückzuführen, meinen Experten. Nun haben US-Forscher Hinweise darauf gefunden, dass die Tumore auch aggressiver wachsen und häufiger zum Tod führen, je mehr ein Patient raucht.
Wie die Mediziner um Richard J. Cote von der University of Miami im Fachjournal "Cancer" berichten, fanden sie biologische Merkmale, die den Verlauf der Erkrankung möglicherweise voraussagen könnten. Die Suche nach solchen Biomarkern läuft auf internationaler Ebene bereits seit Jahren, die aktuellen Ergebnisse liefern vermutlich einen weiteren Baustein bei den Analysen.
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler das Rauchverhalten und den Verlauf der Blasenkrebserkrankung von 212 Patienten unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Die Daten stammen aus einer Erhebung aus den Jahren 1987 bis 1996. Die Forscher stellten fest, dass Personen, die intensiv rauchten, wahrscheinlicher eine tödliche Form von Blasenkrebs entwickelten als solche, die nicht oder wenig rauchten. Die Studiendaten weisen darauf hin, dass die schädlichen Effekte des Rauchens sich mit zunehmendem Zigarettenkonsum schrittweise verstärken. Weitere Faktoren, die das Überleben der Patienten beeinflussten, waren Alter, Stadium der Erkrankung, chirurgische Kriterien und die Begleittherapie.
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Die Forscher entdeckten zudem, dass besonders aggressive Tumoren Veränderungen in neun bestimmten Proteinen aufwiesen. "Wir haben neun molekulare Marker entdeckt, die belastbar und reproduzierbar eine Prognose des Blasenkrebses ermöglichen", sagt Anirban Mitra von der University of Southern California in Los Angeles. Die Methode funktioniere unabhängig von üblichen klinischen Kriterien und der Rauchervergangenheit.
Patienten, die in mindestens sechs der neun Proteine Veränderungen zeigten, hatten eine schlechte Prognose. Vermutlich, so die Forscher, würden solche Patienten von einer besonders aggressiven Therapie profitieren. Weiterhin ergab die Studie, dass die Prognose der Tumorpatienten sich proportional zur Anzahl der veränderten Proteine verschlechterte. Für sich genommen hatten einzelne Veränderungen jedoch nur begrenzte Aussagekraft. Aus Sicht der Mediziner stützt das die Hypothese, dass nicht bestimmte einzelne Veränderungen, sondern die Anhäufung von Veränderungen die Eigenschaften eines Tumors bestimmen.
Die Befunde der Studie sind auch ökonomisch relevant, weil "die Behandlung von Blasenkrebs eine der teuersten Tumortherapien ist", erläuterte Cote. Ein personalisiertes Patientenmanagement sei für diese Erkrankung dringend erforderlich. Mit der gegenwärtigen klinischen Einteilung könne der Krankheitsverlauf individueller Patienten nicht vorhergesagt werden.
Auch bei Lungenkrebs wissen Forscher, dass sich die Tumorarten von Rauchern und Nichtrauchern unterscheiden: Die Entdeckung wollen Wissenschaftler dazu nutzen, die verschiedenen Tumorarten in Zukunft früher erkennen zu können und möglicherweise auch spezielle Therapien zu entwickeln. 60 Prozent aller Lungentumore bei Frauen lassen sich laut RKI auf aktives Zigarettenrauchen zurückführen, bei Männern sind es sogar 90 Prozent. Wer das Rauchen allerdings aufgibt, reduziert sein Risiko deutlich.
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hei/dapd
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