Internationale Statistik Mehr als 1,1 Milliarden Menschen haben Bluthochdruck

Ist der Blutdruck zu hoch, steigt das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Eine internationale Studie zeigt, in welchen Ländern die Zahl der Blutdruck-Patienten besonders stark zugenommen hat.

Wie hoch ist der Blutdruck?
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Wie hoch ist der Blutdruck?


Im Jahr 2015 hatten mehr als 1,1 Milliarden Menschen zu hohen Blutdruck, berichten Forscher im Fachmagazin "The Lancet". Sie haben internationale Daten aus dem Zeitraum von 1975 bis 2015 analysiert. In dieser Zeit habe sich die Zahl der Bluthochdruck-Patienten fast verdoppelt. Dies ist vor allem durch das Bevölkerungswachstum sowie die gestiegene Lebenserwartung zu erklären.

Auffällig sind laut dem Bericht regionale Verschiebungen:

  • Die durchschnittlichen Blutdruckwerte seien in den Industrienationen der westlichen Welt und dem Asien-Pazifik-Raum in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gesunken - etwa in Deutschland, Australien, Schweden und Japan.
  • In ärmeren Ländern seien sie hingegen erheblich gestiegen, etwa in vielen Ländern Südasiens und Afrikas südlich der Sahara.
  • In den reichen Ländern sank auch der Anteil von Bluthochdruck-Patienten am stärksten.

Blutdruckwerte

Der Blutdruck gilt als erhöht, wenn der sogenannte systolische Wert über 140 oder der diastolische Wert über 90 liegt. Der höhere Wert tritt auf, während das Herz Blut in die Schlagadern drückt, der niedrigere herrscht, wenn die Herzkammern sich entspannen und füllen.


Die Wissenschaftler um Majid Ezzati vom Imperial College London, Großbritannien, hatten 1479 Studien ausgewertet, in denen Angaben zum Bluthochdruck zu finden waren. Die Studie zeigte auch, dass Männer in den meisten Ländern der Welt im Jahr 2015 höheren Blutdruck hatten als Frauen.

"Nicht länger eine Wohlstandskrankheit"

"Bluthochdruck ist nicht länger eine Wohlstandskrankheit - wie noch 1975 -, sondern ist heute ein ernsthaftes Problem im Zusammenhang mit Armut", sagt Ezzati. Warum der Blutdruck vor allem in ärmeren Ländern gestiegen ist, wissen die Forscher nicht sicher.

Eine mangelhafte Ernährung in der Kindheit könne eine wichtige Rolle spielen: "Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass eine schlechte Ernährung in den ersten Lebensjahren das Risiko für Bluthochdruck im späteren Leben erhöht, und das kann eine Erklärung für das wachsende Problem in den ärmeren Ländern sein", sagt Ezzati.

Den rückläufigen Trend in wohlhabenden Staaten könnten eine insgesamt bessere Gesundheit sowie eine bessere Ernährung miterklären. Außerdem wird hoher Blutdruck dort häufiger erkannt und mit Medikamenten gesenkt.

Bluthochdruck gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch andere lebenswichtige Organe wie Nieren und Augen können bei dauerhaft erhöhtem Blutdruck geschädigt werden.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat hoher Blutdruck im Jahr 2010 weltweit rund 9,4 Millionen Todesfälle zur Folge gehabt.

In Deutschland ist der Blutdruck nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, vor allem bei Frauen. Das zeigt unter anderem eine Auswertung von Daten aus den Jahren 2008 bis 2011.

wbr/dpa



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