Blutkrebs In Deutschland haben Kinder die besten Überlebenschancen

Blutkrebs ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Doch Betroffene haben in Deutschland gute Chancen auf Besserung. Nirgendwo anders auf der Welt sind die Überlebensraten so hoch.

Krebskrankes Kind
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Krebskrankes Kind

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Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 1800 Kinder an Krebs, ungefähr ein Drittel ist von einer Leukämie betroffen. Damit ist Blutkrebs die häufigste Krebsart bei Kindern unter 15 Jahren. Wer hierzulande erkrankt, kann allerdings mit gutem Recht darauf hoffen, den Krebs zu besiegen. Denn in Deutschland haben Kinder mit Blutkrebs im weltweiten Vergleich die besten Überlebenschancen, berichten Forscher im Fachmagazin "The Lancet Haematology".

Audrey Bonaventure von der London School of Hygiene & Tropical Medicine und Kollegen werteten Daten von knapp 90.000 Kindern aus 53 Staaten aus. Die Betroffenen waren zwischen 2005 und 2009 im Alter von 0 bis 14 Jahren an Blutkrebs erkrankt. Bonaventure und Kollegen wollten wissen, wie viele von ihnen in welchem Land mindestens die ersten fünf Jahre nach der Diagnose überlebt hatten.

Deutschland schnitt im internationalen Vergleich am besten ab: Hier überleben durchschnittlich knapp 92 von 100 Kindern mit lymphatischer Leukämie. In Österreich, das zwischen 1995 und 1999 noch den besten Wert hatte, liegt die Überlebensrate bei 91 Prozent. Auch im restlichen Nord- und Westeuropa stehen die Chancen erkrankter Kinder gut (siehe Karte). In den USA liegt die Quote bei knapp 88 Prozent.

Am schwersten haben es Betroffene in der Mongolei. Hier überleben nicht mal 20 Prozent der Erkrankten die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Auch in Thailand und Kolumbien stehen die Chancen der Kinder mit etwa 50 Prozent vergleichsweise schlecht, wenn man bedenkt, dass eine Erfolgsquote von über 90 Prozent möglich ist.



Auch bei akuter myeloischer Leukämie ist Deutschland Vorreiter

Lymphatische Leukämien sind die häufigsten Blutkrebsformen bei Kindern, fast immer sind die unter 15-Jähringen von einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) betroffen. Im Unterschied dazu ist die chronische lymphatische Leukämie (CLL) bei ihnen so selten, dass man die Zahlen aus der Karte weitestgehend mit den Überlebensraten bei der ALL gleichsetzen kann.

Verursacht wird die ALL durch eine Überproduktion unreifer weißer Blutkörperchen im Knochenmark, was die Blutbildung stört und zu einem Mangel roter Blutkörperchen und Blutplättchen führt.

Am zweithäufigsten bei Kindern ist die akute myeloische Leukämie (AML) (siehe Grafik). Dabei entarten Blutstammzellen. Auch hier ist Deutschland Vorreiter, was die Behandlung betrifft: Im Schnitt 78 von 100 Kindern überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.

In Belgien und den Niederlanden liegt die Erfolgsquote dagegen gerade mal bei ungefähr 55 Prozent. In den USA und Großbritannien überleben ungefähr 63 beziehungsweise 68 Prozent die ersten fünf Jahre. Besonders schlecht schneidet mit einer Überlebensrate von einem Drittel Bulgarien ab (siehe Karte oben).

Funktionierendes Gesundheitssystem entscheidend

Die Forscher führen die Unterschiede auf unterschiedliche Standards in der Gesundheitsversorgung zurück. Leukämiepatienten bekommen in der Regel eine Chemotherapie. Manchmal ist eine Stammzellspende nötig (wie Sie sich als Spender registrieren können, erfahren Sie bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei). Aufgrund der unterschiedlichen Ausprägungen der Krankheit unterscheidet sich die Therapie im Detail von Patient zu Patient. Dazu braucht es Fachwissen.

Hinzu kommt, dass die Behandlung viel Geld kostet. Dass die Situation in Deutschland - auch im Vergleich zu anderen wohlhabenden Staaten - so gut ist, liegt neben hohen medizinischen Standards deshalb wohl auch daran, dass hierzulande die Krankenkassen die Kosten übernehmen.

In vielen ärmeren Ländern fehle es dagegen bereits an grundlegender medizinischer Versorgung, beispielsweise mit Schmerzmitteln, schreiben die Forscher. Ändern ließe sich das etwa, indem man Studien in unterversorgten Regionen durchführt. Für Afrika gibt es gar keine aktuellen Zahlen zu Überlebensraten, weil Krebsregister schlecht gepflegt und Patienten nicht lang genug nachbehandelt werden. In den Staaten südlich der Sahara ist davon auszugehen, dass betroffene Kinder nach kurzer Zeit an Blutkrebs sterben.



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Kasob 19.04.2017
1. Dkms
Ich habe mich vor 10 Jahren registrieren lassen. Ich kann jeden nur raten das selbe zu tun. Ein kleiner Test und man kann Leben retten. Www.dkms.de
sammilch 19.04.2017
2. Kommentar
"In den Staaten südlich der Sahara ist davon auszugehen, dass betroffene Kinder nach kurzer Zeit an Blutkrebs sterben." Wahrscheinlich genauso wie in den Staaten unterhalb von Russland, deren Zahlen nicht vorliegen.
permissiveactionlink 19.04.2017
3. Macht mit !
Schon ganz am Anfang, zu Beginn der 90er Jahre habe ich mich damals typisieren lassen. Seinerzeit kostete das ganze noch 100DM, und man musste Blut mit der Post verschicken, was der Post zunächst gar nicht recht war, wegen HIV und so. Langsam und sicher erreiche ich als Spender das Verfallsdatum, da zu alte Spender nicht in der engeren Wahl sind. Hin und wieder habe ich mir Sorgen gemacht, dass eine solche Datei, die über die Informationen des immunologisch bedeutsamen Gewebetyps (HLA, bzw. MHC) verfügt, diese Daten auch sicher und geschützt genug aufbewahrt, damit sie nicht kriminellen Organhändlern in die Hände fallen können. Aber wenn ich dann in regelmäßigen Infoschreiben darüber lese, wie Spender und überlebender Empfänger von Knochenmark sich nach einiger Zeit kennen lernen (sofern das von beiden erwünscht ist), dann ist das schon sehr bewegend. Die 100DM waren gut angelegtes Geld !
geritp 19.04.2017
4. All
Mein Sohn hat im Alter von 4 eine ALL überlebt und trotz der großen Belastung, der die ganze Familie ausgesetzt war, bin ich sehr positiv angetan von der ganzen statistischen Erfassung der Erkrankung, denn nur so kann das genau passende "Protokoll" der Chemotherapie gefunden werden. Wir haben uns jederzeit gut aufgehoben gefühlt (Berlin).
kumi-ori 19.04.2017
5.
In dem Artikel wird empfohlen, zur Berbesserung der Versorgung von Patienten Studien in unterentwickelten Ländern durchzuführen. So ein Vorgehen wird als zutiefst unethisch empfunden. Die Studienteilnahme muss freiwillig sein und darf nicht durch ene Notsituation erzwungen werden. Würde eine Firma so vorgehen, dann wäre der Teufel los, man würde die Armut der Menschen ausnutzen, um sie zu Versuchskaninchen zu machen. Hier ein Beispiel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/medikamententests-afrikanisches-roulette-a-577109.html
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