Kampf gegen Blutkrebs Sonderzug wirbt in Deutschland um Stammzellenspender

Eine Stammzellenspende kann Leben retten - allerdings muss für jeden Blutkrebspatienten der richtige Partner gefunden werden. Um sich registrieren zu lassen, braucht es nur eine Speichelprobe.

Kühlraum der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS)
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Kühlraum der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS)


Auf der Suche nach potenziellen Stammzellenspendern fährt von diesem Mittwoch an ein Sonderzug durch Deutschland. Er wird von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) betreut. Anlass ist der internationale Aktionstag zum Kampf gegen Blutkrebs am 28. Mai. Für Blutkrebspatienten sind Stammzellenspenden aus dem Knochenmark oft die letzte Rettung.

Im bundesweiten Zentralen Knochenmarkspender-Register (ZKRD) in Ulm waren bis Mitte Mai insgesamt 7,942 Millionen Menschen als potenzielle Spender registriert. Davon spendeten 2017 rund 7000 tatsächlich Stammzellen, teilte das ZKRD mit.

Rund 5000 dieser Spenden wurden ins Ausland geliefert. Andererseits erhalten Patienten in Deutschland oft auch Stammzellen von Spendern aus dem Ausland. Weil für Stammzellentransplantationen viele Eigenschaften von Spender und Empfänger genau übereinstimmen müssen, läuft die Suche nach passenden Spendern seit Jahren international ab.

"Genetischer Zwilling" eines Kranken

Unter dem Motto "Jetzt bist du am Zug - Setz ein Zeichen gegen Blutkrebs" werben Helfer an mehreren deutschen Bahnhöfen um die Registrierung als Spender - darunter Stuttgart, München, Hamburg und Berlin (mehr zu Stationen und Daten erfahren Sie hier). Dazu muss zunächst nur eine Speichelprobe abgegeben werden. Nur wenige registrierte Spender erweisen sich tatsächlich als "genetische Zwillinge" eines Kranken und werden zur Knochenmarkspende gebeten.

Die DKMS hoffe auf bis zu 200 neue Registrierungen pro Tag und damit auf etwa 1200 neue potenzielle Lebensretter am Ende der Woche. "Alle 15 Minuten erkrankt ein Mensch an Blutkrebs", sagt Kay Beutling, Projektleiter der Aktion. "Für viele ist eine Spende die letzte Chance auf ein Leben."

Die nötigen Blutstammzellen sitzen im Knochenmark. Sie werden entweder mit einer Spritze daraus entnommen, oder der Spender bekommt ein Medikament, mit dem sie ins Blut gelockt und mit Maschinen herausgefiltert werden. Die Übertragung erfolgt wie eine Bluttransfusion in eine Vene oder per Katheter direkt in die Hauptvene vor dem Herz.

Inzwischen sind die Überlebenschancen bei einer unverwandten Knochenmarktransplantation so gut wie bei einer verwandten - sie reichen bis 90 Prozent. Eingesetzt wird die Methode bei akuten und chronischen Leukämien, Knochenmarkversagen, Lymphknotenkrebs, Immundefekten und ererbten Stoffwechselerkrankungen.

irb/dpa

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