Bundesgesundheitsminister Blutspendeverbot für homosexuelle Männer könnte fallen

In vielen Ländern dürfen homosexuelle Männer kein Blut spenden - auch in Deutschland besteht das Verbot. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe denkt jetzt zumindest darüber nach, das zu ändern.

Blutprobenbehälter
DPA

Blutprobenbehälter


Das Blutspendeverbot für Homosexuelle könnte fallen: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zeigte sich offen für eine Lockerung der bestehenden Regeln. Es müsse überprüft werden, ob neuere Testverfahren für Blutproben und eine bessere Einschätzung von Ansteckungsgefahren einen befristeten Spenderausschluss - wie auch in den USA angekündigt - als Schutzmaßnahme ausreichend erscheinen lassen, sagte Gröhe den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Dem Minister zufolge überarbeiten die Bundesärztekammer, Fachverbände und Wissenschaftler gerade eine entsprechende Richtlinie.

Derzeit dürfen homosexuelle Männer in Deutschland kein Blut spenden, da sie als HIV-Risikogruppe gewertet werden. Das Verbot ist jedoch umstritten.

Im April 2015 hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt: Ein Ausschluss homosexueller Männer kann rechtens sein, aber nur, wenn ein hohes Übertragungsrisiko vorliegt.

Die deutsche Regelung folge einer Risikobewertung durch Ärzte und Wissenschaftler, sagte Gröhe. "Und an erster Stelle muss immer der Schutz der Empfänger von Blutspenden stehen." Nach den Erfahrungen mit HIV-infizierten Blutprodukten vor über 20 Jahren nehme er gerade die Sorgen der Patientenorganisationen der Bluter sehr ernst.

Blutspende - Wer darf spenden, wer nicht?
Grundlegendes
In Deutschland regelt das Transfusionsgesetz alles Rechtliche zur Blutspende. Dem Gesetz folgend haben die Bundesärztekammer und das Paul-Ehrlich-Institut Richtlinien erstellt, wer Blut spenden darf und wer nicht. Im folgenden Kasten sind ein Großteil der Ein- und Ausschlusskriterien genannt, die vollständigen Richtlinien finden Sie hier.
Alter
Blut spenden dürfen nur Erwachsene zwischen 18 und 68 Jahren. Erstspender sollten unter 60 Jahre alt sein. Je nach ärztlicher Einschätzung können aber auch ältere Menschen erstmals oder weiterhin Blutspenden.
Gewicht
Wer weniger als 50 Kilogramm wiegt, ist von der Blutspende ausgeschlossen.
Blutdruck
Er sollte zwischen 100 und 180 (systolisch) und unter 100 (diastolisch) liegen.
Anamnese
Wer Fieber hat, darf zeitweise nicht spenden. Entdeckt der Arzt bei der Pflichtanamnese vor der Spende Krankheitszeichen, wird der Spendetermin verschoben.
Dauerausschluss: Krankheiten
Eine Reihe von Krankheiten führen zu einem dauerhaften Ausschluss von der Blutspende. Dazu zählen unter anderem: schwere neurologische Erkrankungen, schwere Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs (mit wenigen Ausnahmen). Allergien können ein Ausschlusskriterium sein, die Entscheidung liegt beim Arzt.
Dauerausschluss: Infektionen
Mehrere Virusinfektionen ziehen einen Dauerausschluss nach sich, darunter die mit HIV und Hepatitis C. Bei Hepatis B ist es möglich, fünf Jahre nach der Infektion zu testen, ob die Viren eventuell nicht mehr nachweisbar sind. In dem Fall ist eine Blutspende wieder möglich. Ein dauerhafter Ausschluss gilt zudem bei andauernden bakteriellen Infektionen, z. B. Brucellose oder Fleckfieber sowie sogenannte Protozoonosen, z. B. Leishmaniose oder die Chagas-Krankheit. Auch die Syphilis führt zum Dauerausschluss.
Dauerausschluss: Erhöhtes Risiko für Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) und ähnliche Erkrankungen
Ist ein Familienmitglied an CJK erkrankt oder besteht ein Verdacht auf diese Krankheit beim Spender, folgt ein dauerhafter Spenderausschluss. Dieser gilt auch für alle, die sich während der BSE-Epidemie von 1980 bis 1996 mehr als sechs Monate in Großbritannien oder Nordirland aufgehalten haben. Bestimmte Transplantate und Hormontherapien führen ebenfalls wegen des erhöhten CJK-Risikos zum Ausschluss.
Dauerausschluss: Drogenkonsum
Alkoholiker, Medikamentenabhängige und Drogenkonsumenten dürfen nicht spenden.
Dauerausschluss: Sexualverhalten
Wer durch sein Sexualverhalten ein höheres Risiko als die Allgemeinbevölkerung hat, sich mit Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis B oder C anzustecken, wird von der Spende ausgeschlossen. Dies trifft laut der Richtlinie zu auf Heterosexuelle mit sexuellem Risikoverhalten, die zum Beispiel Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern haben, auf Männer, die Sex mit Männern haben, und auf männliche und weibliche Prostituierte. Eine Arbeitsgruppe hat 2012 einen Bericht vorgelegt, laut dem dieser Dauerausschluss auch in eine zeitlich befristete Rückstellung - abhängig vom letzten Zeitpunkt des Risikoverhaltens - umgewandelt werden könnte.
Zeitlich begrenzter Ausschluss: Infektionskrankheiten
Bei vielen Infektionskrankheiten ist es möglich, nach der vollständigen Genesung wieder zu spenden. Die Dauer der Sperre hängt von der Krankheit ab. Bei einem unkomplizierten Infekt ist die Rückstellung auf eine Woche begrenzt, bei vielen Infekten, darunter auch Durchfallerkrankungen, werden vier Wochen angesetzt. Nach einer Hepatitis-A-Infektion müssen beispielsweise schon vier Monate bis zur nächsten Blutspende vergehen, nach der medizinisch dokumentierten Heilung von Malaria sogar vier Jahre, ehe man wieder spenden darf.
Zeitlich begrenzter Ausschluss: Ansteckungsgefahr
Wer beispielsweise in ein Gebiet reist, in dem Malaria verbreitet ist, darf anschließend sechs Monate nicht spenden. Wer selbst eine Blutspende erhalten hat, eine Tätowierung bekommen hat oder sich einer Biopsie unterziehen musste, ist für vier Monate gesperrt.
Zeitlich begrenzter Ausschluss: Medikamente und Impfungen
Die Einnahme bestimmter Medikamente spricht gegen eine Blutspende. Impfungen mit Lebendimpfstoffen führen zu einer Sperre von vier Wochen. Wer wegen Verdacht auf Tollwut gegen den Erreger geimpft wurde, darf ein Jahr nicht spenden.
Zeitlich begrenzter Ausschluss: Schwangerschaft
Während und bis sechs Monate nach der Schwangerschaft bzw. bis zum Abstillen darf kein Blut gespendet werden.

wbr/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
walldemort 21.06.2016
1. Wird höchste Zeit!
Na endlich - wenn's denn so kommt. Ausschlaggebendes Kriterium sollte das Sexualverhalten sein (riskant oder nicht, Wechsel der Partner, entsprechender Schutz etc.), nicht die sexuelle Identität als solche!
Tiananmen 21.06.2016
2.
Zitat von walldemortNa endlich - wenn's denn so kommt. Ausschlaggebendes Kriterium sollte das Sexualverhalten sein (riskant oder nicht, Wechsel der Partner, entsprechender Schutz etc.), nicht die sexuelle Identität als solche!
Und diese Informationen nehmen Sie woher genau? Bei der Anmeldung muss der potentielle Spender einen Fragebogen ausfüllen? Inhalt z.B.: "ich habe häufig wechselnde Sexualpartner und kümmere mich einen Dreck um Schutz"? Oder wie? Bestimmte Bevölkerungsgruppen haben häufiger wechselnde Partner als andere. Schwule gehören dazu. Das ist Statistik, nicht Vorurteil. Zu Zeiten als AIDS noch ein Thema war wusste das eigentlich jeder. Aber die Welt verblödet zusehends.
fredadrett 21.06.2016
3. Es kann nicht sein die Gesundheit der Bürger auf
dem Altar der Gleichberechtigung zu opfern. Schwule und Drogenabhängige sind Hochrisikogruppen die von der der Blutspende ausgeschlossen bleiben sollten. Da hilft es auch nicht wenn es einige Ausnahmen gibt, die sich angemessen verhalten.
deltametro2 21.06.2016
4. Offene Frage
Wie sollen die wissen ob jemand homosexuell ist? Und falls so, dass jemand seit einem Jahr 'keusch' lebt. Ins Schlafzimmer gucken können sie wohl nicht, und andere fragwürdigere Methoden gibt es, -den Göttern sei gedankt- nur in Ägypten, also gilt nur die Antwort auf eine Befragung. Letzteres ist so lächerlich dass man wohl darauf verzichten könnte.
Scum 21.06.2016
5. Schwerer Fehler
Zwischen dem Zeitpunkt der Ansteckung mit dem HI-Virus und der Möglichkeit, eine Ansteckung mit einem Test ermittteln zu können, vergeht eine bestimmte Zeit. In dieser Zeit kann also Blut, das HI-Viren enthält, versehentlich als HIV-frei getestet werden. Hier wird die Bevölkerung aus Gründen der Politischen Korrektheit in große Gefahr gebracht.
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