Brasilien Zika-Kinder schwerer krank als befürchtet

In Brasilien sind vergangenes Jahr etwa 2000 Babys mit zu kleinem Kopf zur Welt gekommen, wahrscheinlich weil ihre Mütter mit dem Zika-Virus infiziert waren. Die Kleinen kämpfen mit gravierenderen Problemen als bisher angenommen.

Solange Ferreira mit ihrem Sohn
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Solange Ferreira mit ihrem Sohn


Zwei Wochen vor seinem ersten Geburtstag musste Jose über eine durch die Nase eingeführte Magensonde ernährt werden. Der Junge hatte solche Probleme beim Schlucken, dass er kaum noch etwas essen konnte und deshalb gefährlich abgemagert war.

"Es schmerzt mich, ihn so zu sehen", sagt seine Mutter Solange Ferreira. Ihr Sohn hat von Geburt an schwere gesundheitliche Probleme.

Wie rund 2000 andere Babys kam er vergangenes Jahr in Brasilien mit einem viel zu kleinen Kopf auf die Welt, Mikrozephalie wird dies genannt. Inzwischen haben Forscher bestätigt, dass Infektionen mit dem Zika-Virus zu diesem Geburtsfehler führen können. Der Erreger hatte sich nicht nur in Brasilien in kurzer Zeit ausgebreitet. Während die Infektion bei den meisten Menschen harmlos verläuft, ist sie für Ungeborene, deren Mütter sich anstecken, sehr gefährlich.

Bislang konnten 343 der Mikrozephalie-Fälle per Test konkret auf die Zika-Infektion zurückgeführt werden. Brasiliens Gesundheitsministerium geht davon aus, dass auch die anderen höchstwahrscheinlich auf den Erreger zurückzuführen sind.

Sein Schreien klingt wie ein Gurgeln

Viele der Babys haben Schluckschwierigkeiten, epileptische Anfälle und können nur eingeschränkt sehen und hören. Auch Jose folgt Bewegungen nur sehr langsam mit seinen Augen. Er kann seinen Kopf nur schwer allein anheben. Zurzeit wiegt der Junge rund sechs Kilo, normal wären zehn. Wenn er versucht zu schreien, klingt es wegen seiner Atemprobleme eher wie ein Gurgeln.

Die Ärzte in Brasilien sprechen inzwischen vom angeborenen Zika-Syndrom, weil die Probleme weitreichender sind als jene, die eine durch Röteln oder Herpes ausgelöste Mikrozephalie kennzeichnen. Unter anderem haben einige der Kinder auch Fehlbildungen an Armen und Beinen.

"Wir sehen viele Kinder mit epileptischen Anfällen. Und jetzt haben viele von ihnen Probleme beim Essen, sodass wir Magensonden einsetzen müssen", sagt Vanessa Van der Linden, eine Kinder-Neurologin aus Recife.

Auch Arthur wurde mit Mikrozephalie geboren
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Auch Arthur wurde mit Mikrozephalie geboren

Der einjährige Arthur etwa hat täglich Krampfanfälle, obwohl er Epilepsie-Medikamente bekommt. Er muss wie Jose über eine Magensonde ernährt werden, weil er beim Essen zu ersticken drohte. Jeder Tag scheine neue Probleme zu bringen, sagt seine Mutter.

Bernardo wurde dagegen mit einem normalen Kopfumfang geboren. Seine Mutter Barbara Ferreira freute sich, weil ihr Kind von den Folgen der Zika-Infektion verschont schien. In ihrem Heimatort Caracu waren viele Neugeborene betroffen. Doch Bernardo weinte durchgehend. Ein Kinderarzt sagte, das seien wohl Koliken und im dritten Monat würde sich das bessern - doch stattdessen hörte der Kopf des Kindes am Ende seines zweiten Lebensmonates auf zu wachsen, und der Kleine heulte noch stärker. Er war doch von Zika betroffen. "Ich war verzweifelt", sagt die Mutter.

Kinderärztin Van der Linden nennt ein weiteres Problem: Einige Kinder, die im Mutterleib dem Zika-Virus ausgesetzt waren, haben zwar keine Mikrozephalie entwickelt, aber andere Probleme. So habe sie einen kleinen Patienten, der seine linke Hand nicht richtig bewegen könne. "Wir wissen überhaupt nicht, wie viele es da draußen gibt, die relativ leichte Probleme haben", sagt die Ärztin.

Adriana Gomez, AP/wbr



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