Gefährliche Bakterien Mann stirbt in Bremen bei Legionellen-Ausbruch

Wahrscheinlich wurden die Bakterien über eine Klimaanlage verbreitet: In Bremen sind 17 Menschen schwer an Legionellen erkrankt. Ein 84-Jähriger ist gestorben, andere schweben in Lebensgefahr.

Legionellen in der Petrischale
DPA

Legionellen in der Petrischale


Die Behörden in Bremen haben seit Mitte Februar 17 schwere Fälle von Legionellen-Erkrankungen registriert. Ein 84-jähriger Mann sei an einer durch die Bakterien verursachten Lungenentzündung gestorben, teilten die Gesundheitsbehörden der Hansestadt mit.

Bei einigen Patienten bestehe Lebensgefahr, sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Monika Lelgemann. Die Betroffenen seien im Krankenhaus, teils auf der Intensivstation.

Alle Fälle traten im Westen Bremens auf. Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) erklärte, es werde mit Hochdruck nach der Quelle der Legionellen gesucht. Im Fokus stünden gewerblich genutzte industrielle Großklimaanlagen. "Wichtig ist, dass diese Anlagen jetzt vorsorglich desinfiziert werden", forderte die Senatorin die Betreiber auf.

Die sogenannten Nass-Rückkühlanlagen sind meist auf Hausdächern platziert und arbeiten mit Verdunstungskälte, wobei sie Wasserdampf an die Luft abgeben. Wenn sich Legionellen in einer nicht regelmäßig kontrollierten Anlage ansiedeln und vermehren, werden sie in einem weiten Umkreis verteilt.

Lelgemann betonte, man könne sich nur über die Atemwege infizieren, wenn mit Legionellen belasteter Wasserdampf (Aerosole) eingeatmet werde. Legionellen im Magen-Darm-Trakt sind dagegen in der Regel harmlos. "Man kann sich nicht über das Trinken von Wasser infizieren."

Zweiter Ausbruch in Bremen in kurzer Zeit

Andere Übertragungswege als die Klimaanlagen schlossen die Experten des Gesundheitsamts aus. Bei allen Patienten seien häusliche Wasserleitungen ergebnislos auf Legionellen überprüft worden. Auch habe es keine Übereinstimmungen etwa beim Besuch bestimmter Schwimmbäder oder Saunen gegeben.

Legionellen sind weltweit verbreitet und gedeihen vor allem in warmem Süßwasser. Sie können durch zerstäubtes Wasser eingeatmet werden, Infektionsquellen sind oft Duschen, Klimaanlagen oder Whirlpools. Von Mensch zu Mensch werden die Bakterien nicht übertragen, normales Essen und Trinken spiele bei der Verbreitung von Legionellen ebenfalls keine Rolle, berichtet das Bayerische Landesamt für Gesundheit.

Eine Infektion mit den Bakterien kann symptomlos bleiben, aber auch grippeartige Symptome oder die Legionärskrankheit auslösen. Bereits im November waren in Bremen 19 Menschen an Legionellen erkrankt. Damals war ebenfalls ein 84-jähriger Mann verstorben. Der Erregerstamm dieses Ausbruchs ist nach den Angaben der Gesundheitsbehörde derselbe wie der der aktuellen Krankheitsfälle.

Die Quelle konnte damals trotz intensiver Ermittlungen nicht ausfindig gemacht werden. Bislang müssen Gebäude-Kühlanlagen nicht angemeldet werden. Als Reaktion auf mehrere Legionellen-Ausbrüche ist eine Meldepflicht jedoch geplant.

irb/AFP/dpa



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