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Brillen im Preisvergleich: Wieso sind Optiker so teuer?

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Brille aus dem Optikergeschäft: "Einfach entspiegelte Gläser kann man nicht nehmen, das ist fast schon gefährlich" Zur Großansicht
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Brille aus dem Optikergeschäft: "Einfach entspiegelte Gläser kann man nicht nehmen, das ist fast schon gefährlich"

Ich brauche neue Brillengläser. Doch der Besuch beim Optiker wird zum Ärgernis: Die gleichen Gläser wären im Netz billiger gewesen - und sogar besser.

Eine Brille ist ein Produkt, das Träger im Schnitt nur etwa alle vier Jahre neu benötigen. Eigentlich. Meine letzten Brillengläser sind gerade mal zwei Jahre alt - und schon reif für die Tonne. Warum? Weil sie kreisförmige Schleifspuren haben. Nicht etwa von Schmirgelpapier, sondern von Taschentüchern, T-Shirt-Zipfeln, Brillenputztüchern - eben von jenen Dingen, mit denen man im Alltag die Regentropfen, die Fettspritzer oder die Staubflusen so wegputzt.

In Wahrheit gilt für Brillengläser ja offenbar: je teurer, desto empfindlicher. Für 300 Euro - so viel haben meine gekostet - habe ich zwar Gläser mit jede Menge Firlefanz. Kunststoff, superdünn, mehrfach entspiegelt, Kratzschutz, Lotuseffekt und Pipapo. Aber dafür sind sie nicht T-Shirt- und nicht taschentuchfest. Stattdessen darf man sie nur mit Samthandschuhen, sprich Mikrofasertüchern, anfassen. Blöd nur, dass T-Shirts und Taschentücher in der Regel nicht aus Mikrofaser sind.

Es muss nicht alles neu sein

In der Hoffnung, dass bei meinen neuen Brillengläsern alles besser wird, mache ich mich zu einer anderen Optiker-Filiale auf. Dort aber fühle ich mich erst einmal vor den Kopf gestoßen: Warum ich denn um Himmels willen "nur" neue Gläser - und kein neues Gestell haben wolle?

"Aber ich mag dieses Gestell", rechtfertige ich mich vor der Optikerin. "Es ist doch erst fünf Jahre alt."

Die Optikerin sieht mich an, als sei ich nicht ganz dicht. Ob ich denn nicht diesen hässlichen Hubbel am Gestell über der Nase sehen würde, fragt sie. Jahrelang war er mir nicht aufgefallen. Jetzt sehe ich ihn tatsächlich.

BRILLEN, BRILLENTRÄGER UND OPTIKER
Laut der Brillenstudie des Allensbach-Instituts für Demoskopie von 2011 tragen 63,4 Prozent aller Deutschen über 16 Jahren entweder gelegentlich oder regelmäßig eine Brille. Das sind etwa 44 Millionen Menschen. Bei den über 60-Jährigen beträgt der Anteil 93 Prozent.

Brillenträger sind bereit, durchschnittlich 342 Euro für die Anschaffung einer neuen Brille auszugeben.

2013 wurden laut Angabe des Zentralverbands der deutschen Augenoptiker (ZVA) etwa 36 Millionen Brillengläser und 11 Millionen komplette Brillen verkauft. Im Schnitt ersetzt jeder Brillenträger also alle vier Jahre seine Brille.

Die Augenoptik-Branche ist ein Milliardengeschäft: Den Hauptteil (knapp 97 Prozent) der 5,44 Milliarden Euro Gesamtumsatz machen die Filialoptiker.

In Deutschland gibt es etwa 12.000 Optiker-Fachgeschäfte. Ein Optiker verkauft also im Schnitt pro Tag etwa vier bis fünf Brillen.

Tja, sagt sie spöttisch, da habe der vorherige Optiker wohl beim Einsetzen der neuen Gläser das Gestell zu sehr gedehnt. Jetzt könne es jeden Moment auseinanderfallen. "Wenn Sie mich tatsächlich dazu zwingen, da neue Gläser hineinzusetzen, kann ich für nichts garantieren."

Ich fühle mich betrogen. Der eine Optiker hat mir also nicht nur 300 Euro für nicht alltagstaugliche Gläser abgeknöpft, sondern auch noch die Statik meines 200-Euro-Gestells zerstört. Der andere Optiker droht mir jetzt damit, mein Gestell (und die neuen Gläser) endgültig kaputt zu machen.

Servicewüste Deutschland war gestern. Hier gibt es Verwüstung sogar als Service.

Kunststoff oder Glas?

Die Empörung der Optikerin aber ist noch nicht vorbei, denn ich erdreiste mich doch tatsächlich, Gläser aus echtem Glas zu wollen. Wieder sieht sie mich an, als hätte ich nicht alle Latten am Zaun. Ob ich mir wirklich im Klaren darüber sei, was das bedeutet? "Wissen Sie, wie viel Glasgläser wiegen?" (Ja, bei 2,5 Dioptrien sind das einige Milligramm Unterschied.) "Wissen Sie, wie empfindlich Glas ist? Wie bruchgefährdet?"

Bestimmt erkläre ich ihr, dass Empfindlichkeit genau das Thema sei. Und dass ich von Kunststoff deshalb nichts mehr wissen wolle. Dass ich Gläser benötigte, die der harten T-Shirt-Realität gewachsen sind.

Die Optikerin aber gibt nicht auf und liest mir Features von einer Liste vor, mit denen man seine Gläser aufmotzen kann. Als sie zum Punkt "einfach entspiegelt" kommt, verbietet sie mir aber sogleich, diese Option zu wählen. "Einfach entspiegelte Gläser kann man nicht nehmen, das ist fast schon gefährlich." Wenn sie wirklich gefährlich sind, wieso werden sie dann überhaupt angeboten, frage ich mich - leise, ich möchte diese Brillenschlange nicht noch mehr in Wallung bringen.

Am Ende kostet mich der Besuch bei der Optikerin 200 Euro. Dafür bekomme ich doppelt entspiegelte Gläser und ein mieses Gefühl.

Erst später fällt mir auf, dass man Brillen mittlerweile auch online bestellen kann. Bei Portalen wie Mister Spex, netzoptiker.de oder Brille24 hätte ich für 39 Euro eine komplett neue Brille haben können. Gläser, Superentspiegelung und Versand inklusive - Vorwürfe und Drohungen exklusive.

Ich glaube, ich werde mir gleich eine Ersatzbrille im Netz bestellen. Schließlich weiß ich ja jetzt, dass mein Gestell eine tickende Zeitbombe ist.

ONILINE- ODER FILIALOPTIKER?

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insgesamt 209 Beiträge
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1. Dem kann ich noch hinzufügen:
curiosus_ 04.10.2014
Mangelnde UV-Stabilität. Meine Kunststoffgläser (mittlere Preisklasse Gleitsicht) haben bereits nach weniger als 3 Jahren angefangen sich gelb zu verfärben. Das ist mir Jahrzehntelang mit meinen Kunststoffgläsern noch nie passiert, nicht mal mit den billigsten. Und gegen die Kratzer hilft nur: Brille unter fliesend Wasser mit Seife, Shampoo etc. waschen und dann mit sauberem Tuch abtrocknen. Z.B. beim Duschen die Brille mitduschen und mit dem Duschtuch trockenreiben.
2. Lobby für die Online-Brillen-Händler
siegfriedh 04.10.2014
Was für ein Unfug! Weder sind Plastik-Gläser nach zwei Jahren verkratzt, noch müssen sie 300 Euro kosten. Ich trage seit Jahren dünne Plastikgläser, meist 3-4 Jahre und bezahle 75 Euro pro Glas beim Optiker vor Ort. Schön, dass Sie die Idee haben nun online zu kaufen, dass hätten Sie mal machen sollen bevor Sie den Artikel schreiben, denn wo ist die Bewertung Ihrer Online-Bestellung?
3.
rumpelstilzchen1980 04.10.2014
Der Autor hat kaum Ahnung von der Materie. Das klingt wie eine schlechte zornige Produktbewertung auf Basis von Unkenntnis. Der Unterschied von Glas zu hochwertigen Kunstoffen sind bei mehr 2 Diopritien sehr schnell einige Gramm. Will er wirklich beraten werden? Ich bezweifel es. Ich bin selbst Brillenträger und habe mal eine Ausbildung in dem Bereich versucht, heute mache ich etwas völlig anderes. Von daher verstehe ich die Technik und die Materialen dahinter. Wie immer muss aufpassen nicht mehr zu keufen als ich wirklich will, das ist bei jedem Produkt so. Und das ein Geschäft mir etwas besseres verkaufen will, ist ein normaler Vorgang, der lebt ja auch davon. Es gibt in jeder Branche schwarze Schafe, auch bei den Optikern. Aber Geschäfte leben ja auch von Vertrauen. Und ob man Brillentrends modisch mitmachen will, das darf jeder gerne selbst entscheiden. Aber der Artikel ist unter aller Sau. Eine Brille bleibt ein handwerklich - medzinisches Produkt, da es auf die körperlichen Vorrausetzungen angepasst werden muss. Sonst drohen Kopfschmerzen, Übelkeit und Augenschmerzen. Fehler gibt es immer, aber ein guter Grund den Kram nicht im Netz zu kaufen...
4. Stimmt, aber...
philipkdi 04.10.2014
Ich habe kürzlich bei einem örtlichen Optiker gekauft, obwohl die Brille bei mr spex deutlich günstiger gewesen wäre. Warum? Ich möchte auch zukünftig eine lebendige Innenstadt-Fußgängerzone haben, in der man flanieren und schauen kann. Meiner Ansicht nach haben beide Systeme (Online und Fachgeschäft) ihre Berechtigungen. Über die sauteuren und empfindlichen Gläser habe ich mich übrigens bei beiden schon geärgert.
5.
isolde.duschen 04.10.2014
"Wenn Sie mich tatsächlich dazu zwingen, da neue Gläser hineinzusetzen, kann ich für nichts garantieren." Das ist genau der Moment, an dem man aufsteht und den Laden verlässt. Allenfalls ist noch der Hinweis an die geldgierige Augenmechanikerin, dass sie ihren Berufsnachweis einfach verbrennen soll.
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