Brillengläser aus dem Internet "Wir können gute Qualität garantieren"

Eine Brille aus dem Internet ist oft sehr viel billiger als in einer Optiker-Filiale. Wie kommt der hohe Preisunterschied zustande? Ist der Qualitätsunterschied wirklich so groß? Fragen an einen Online-Optiker.

Ein Interview von

Brillenauswahl: Man muss nicht zwingend zum Optiker, um eine Brille zu kaufen
DPA

Brillenauswahl: Man muss nicht zwingend zum Optiker, um eine Brille zu kaufen


ZUR PERSON
  • Martin Jepp
    Mirko Caspar ist Geschäftsführer der Mister Spex GmbH. Seit September 2011 leitet der 42-Jährige neben Firmengründer Dirk Graber den größten deutschen Online-Optiker.
SPIEGEL ONLINE: Worin unterscheidet sich eine Brille vom Optiker von einer aus dem Netz?

Caspar: Wir benutzen die gleichen Markengestelle und -Gläser großer internationaler Hersteller wie Filialoptiker. Eine Brille von uns unterscheidet sich also weder optisch noch qualitativ.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt diese enorme Preisdifferenz zustande?

Caspar: Die Margen in der Optikindustrie sind sehr hoch. Fielmann beispielsweise hat eine Bruttomarge von über 75 Prozent. Optiker müssen über den Verkauf von recht wenigen Brillen ihre gesamten Fixkosten - Miete, Personal, Maschinen - finanzieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie können Sie die Gläser und Gestelle so billig machen?

Caspar: Wir haben in Berlin eine große Optiker-Werkstatt, in der alle Gläser in die bestellten Brillen eingearbeitet werden. Bei unseren großen Mengen ist das natürlich bedeutend effizienter und günstiger als für einen stationären Optiker, der nur wenige Brillen pro Tag verkauft. Aber das machen nicht alle Internet-Brillenanbieter so wie wir. Manche lassen die Brille direkt in Asien anfertigen.

BRILLEN, BRILLENTRÄGER UND OPTIKER
Laut der Brillenstudie des Allensbach-Instituts für Demoskopie von 2011 tragen 63,4 Prozent aller Deutschen über 16 Jahren entweder gelegentlich oder regelmäßig eine Brille. Das sind etwa 44 Millionen Menschen. Bei den über 60-Jährigen beträgt der Anteil 93 Prozent.

Brillenträger sind bereit, durchschnittlich 342 Euro für die Anschaffung einer neuen Brille auszugeben.

2013 wurden laut Angabe des Zentralverbands der deutschen Augenoptiker (ZVA) etwa 36 Millionen Brillengläser und 11 Millionen komplette Brillen verkauft. Im Schnitt ersetzt jeder Brillenträger also alle vier Jahre seine Brille.

Die Augenoptik-Branche ist ein Milliardengeschäft: Den Hauptteil (knapp 97 Prozent) der 5,44 Milliarden Euro Gesamtumsatz machen die Filialoptiker.

In Deutschland gibt es etwa 12.000 Optiker-Fachgeschäfte. Ein Optiker verkauft also im Schnitt pro Tag etwa vier bis fünf Brillen.

SPIEGEL ONLINE: Woher kommen Ihre Gläser?

Caspar: Wir beziehen unsere von vier großen Markenherstellern: Essilor, Hoya, Carl Zeiss Vision und Seiko Optical. Die haben alle riesige Produktionsstandorte in Asien, die hochmodern ausgestattet sind und alle Qualitätsstandards erfüllen.

SPIEGEL ONLINE: Filialoptiker betonen immer wieder , dass die Qualität ihrer Gläser besser sei als die von Online-Anbietern. Ist das wirklich so?

Caspar: Da wir von Markenherstellern beziehen, können wir gute Qualität garantieren. Aber es ist richtig, dass nicht jeder Internet-Anbieter zwangsläufig Markenqualität liefert. Unsere Gläser sind qualitativ vergleichbar mit denen von Fielmann, die übrigens von den gleichen Herstellern wie wir beziehen.

SPIEGEL ONLINE: Kunden müssen online allerlei komplizierte Seh-Daten eingeben. Die können sie nur von einem Optiker vor Ort ermitteln lassen. Ohne die geht es also doch nicht ganz?

Caspar: Ja. Deswegen arbeiten wir mit 450 Partner-Optikern zusammen, bei denen Kunden den Sehtest machen und ihre Brille prüfen und anpassen lassen können. Wir sind vielleicht aus diesem Grund nicht der allerbilligste Internet-Anbieter, aber dieser Service ist uns sehr wichtig, weil wir möchten, dass unsere Kunden zufrieden sind.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie Kunden raten, ihre Brille ausschließlich im Netz zu bestellen? Oder gibt es Fälle, wo man besser den Optiker vor Ort aufsucht?

Caspar: Da wir mit Optikern zusammenarbeiten, können wir Kunden bei komplizierteren Anforderungen jederzeit zu ihnen schicken. Im Übrigen bieten wir ein volles Rückgaberecht jeder Brille ohne Zusatzkosten an. Falls also doch mal etwas nicht so sein sollte wie gewünscht, braucht man sich keine Sorgen zu machen.

ONILINE- ODER FILIALOPTIKER?



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kommentator77 06.10.2014
1. Schleichwerbung hießen solche Artikel früher
Also schreiben Sie wenigstens "Anzeige" darüber.
Maccharoni 06.10.2014
2. Ein kleiner Skandal
Wie unkritisch SpOn das veröffentlicht. Da können sie ja auch gleich einen Waffenhändler fragen, ob Waffenhandel moralisch ist oder ein Reiseunternehmen nach dem ökologischen Fußabdruck vom Fliegen. Die Gläser sind nicht so viel billiger als im Fachgeschäft. Wenn sie viel billiger sind, dann deshalb, weil sie in China oder einem anderen Billiglohnland hergestellt wurden. Wer an deutsche Qualität braucht (die bei einer Briller mMn Sinn macht, aber das muss jeder selbst wissen) muss eben 100 € draufzahlen. Wie der erste Kommentator schon schrieb: Bitte wenigstens auf die Werbung aufmerksam machen. Genauso wie bei Fahrer"tests", Computer"tests" usw. DANKE!
MoorGraf 06.10.2014
3. Rückzugsgefechte sterbender Branchen
altersbedingt brauche ich eine Lesebrille, je nach Abstand 1,5-2,5 Dioptrin; beim Computer habe ich einen großen Monitor und da finde ich sogar 1,0 schon ok Meine erste Brille kam vor 5 Jahren vom Optiker (Apollo): ich hab mir eine Brillenversicherung aufschwatzen lassen, aber ansonsten war ich mit beiden Brillen (eine "halbe" und eine "normale") sehr zufrieden, leichtes Gestell, entspiegelt, leicht getönt beide zusammen 300€ Danach hab ich dann rund 10 Brillen bei Rossmann für 5-10€ das Stück geholt, eine liegt auf dem Klo zum Lesen, eine im Auto für´s Einkaufen, eine steckt in der Trompetentasche etc, und für all diese Gelegenheiten sind mir 150€ schlicht zu viel; gerne hätte ich aber bessere Qualität, Metall statt Plastikrahmen etc., aber bei Apollo und auch Fielmann gibt´s nix unter 100€ und zwei Wochen Wartezeit kommen noch drauf: ich probier jetzt auch mal das Internet dafür und dass ein Optiker von 5 verkauften Brillen am Tag leben muss, finde ich persönlich zwar bedauerlich, aber dass ich dafür pro Brille 100€ Zusatzkosten habe, halte ich auch nicht für richtig... (ich geh übrigens regelmäßig zum Augenarzt, von daher brauche ich beim Optiker das Zurechtbiegen der Brille auf meinen Kopf, aber nicht das Ausmessen der Augen)
hojas 06.10.2014
4. Kosten und Nutzen
Eine Brille trage ich jeden Tag vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, also 16 Stunden und mehr am Tag, länger als jedes Kleidungsstück oder jeden Schuh. Wer hier spart, dem ist nicht zu helfen, zumal falsch ausgerichtete Gläser üble Nebenwirkungen haben können.
radler_muc 06.10.2014
5. Wieso Schleichwerbung?
Es ist ein Interview mit einem "Internetoptiker". Es kann jeder selber entscheiden, ob er die Aussagen für glaubhaft hält. Wenig überzeugend fand ich die Aussagen des "stationären Optikers" im vorausgehenden Beitrag. Wer Qualitätsunterschiede in den Gläsern thematisiert, sollte diese auch benennen können. In diesem Punkt erscheint mir die Aussage von Mr. SPEX glaubhafter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.