Filialoptiker "Sie brauchen den Fachmann vor Ort"

Eine Brille aus dem Internet ist oft sehr viel billiger als in einer Optikerfiliale. Wie kommt der hohe Preisunterschied zustande? Ist der Qualitätsunterschied wirklich so groß? Fragen an einen Augenoptiker.

Ein Interview von

Sehtest: Manche Untersuchungen kann man nur beim Optiker vor Ort machen
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Sehtest: Manche Untersuchungen kann man nur beim Optiker vor Ort machen


ZUR PERSON
  • privat
    Thomas Truckenbrod ist Präsident des Zentralverbandes der Augenoptiker in Deutschland. Truckenbrod ist Augenoptiker und Optometrist in Leipzig.
SPIEGEL ONLINE: Wie unterscheidet sich eine Brille vom Optiker von einer aus dem Netz?

Truckenbrod: Durch ihre Individualität und Qualität. Der Optiker misst verschiedene Parameter, das kann ein Online-Anbieter nicht. Und er passt Ihnen die Brille nicht an. Dafür ist die Brille aus dem Netz preiswerter.

SPIEGEL ONLINE: Online-Anbieter ermöglichen es, Sehtest und Anpassen bei einem niedergelassenen Optiker zu erledigen.

Truckenbrod: Also brauchen Sie den Optiker vor Ort. Wo ist dann noch der Unterschied?

SPIEGEL ONLINE: Eine einfache Brille kostet im Netz nur ein Sechstel des Filialpreises. Wie kommt diese Preisdifferenz zustande?

Truckenbrod: Ein Optiker hat Filial- und Lohnkosten. Die Qualität des Glases bestimmt den Preis: Von welchem Hersteller kommt es, was sind seine optischen Eigenschaften? Wenn Ihnen das alles egal ist und Sie sich mit einer Standardlösung zufriedengeben, können Sie auch beim Optiker Online-Preise bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Gewinnspanne hat ein Optiker?

Truckenbrod: Die Materialkosten sind relativ fix. Aber das Ausmaß der Dienstleistung berechnet jeder Optiker individuell.

SPIEGEL ONLINE: Unterscheiden sich die Gläser in ihrer Herkunft und Qualität zwischen Online-Anbieter und Filialoptiker?

Truckenbrod: Das ist möglich. Hier ist Transparenz und Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber wichtig. Will er ein preiswertes Glas aus Asien? Oder will er ein teureres aus Deutschland? Dann muss man ihm natürlich auch das Glas geben, das er sich ausgesucht hat.

BRILLEN, BRILLENTRÄGER UND OPTIKER
Laut der Brillenstudie des Allensbach-Instituts für Demoskopie von 2011 tragen 63,4 Prozent aller Deutschen über 16 Jahren entweder gelegentlich oder regelmäßig eine Brille. Das sind etwa 44 Millionen Menschen. Bei den über 60-Jährigen beträgt der Anteil 93 Prozent.

Brillenträger sind bereit, durchschnittlich 342 Euro für die Anschaffung einer neuen Brille auszugeben.

2013 wurden laut Angabe des Zentralverbands der deutschen Augenoptiker (ZVA) etwa 36 Millionen Brillengläser und 11 Millionen komplette Brillen verkauft. Im Schnitt ersetzt jeder Brillenträger also alle vier Jahre seine Brille.

Die Augenoptik-Branche ist ein Milliardengeschäft: Den Hauptteil (knapp 97 Prozent) der 5,44 Milliarden Euro Gesamtumsatz machen die Filialoptiker.

In Deutschland gibt es etwa 12.000 Optiker-Fachgeschäfte. Ein Optiker verkauft also im Schnitt pro Tag etwa vier bis fünf Brillen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Gläser aus Asien schlechter?

Truckenbrod: Sie sind anders. Es gibt Hersteller, die sehr gut arbeiten, andere gehen auf Masse. Die Preise sind günstiger, weil Lohnkosten und Umweltstandards niedriger sind. Die Glasstärke wird in der Regel in Asien gefertigt, die Glasrandbearbeitung und das Einarbeiten in die Brillenfassung erfolgt üblicherweise in Deutschland - meistens durch den Optiker, manchmal von einem externen Dienstleister.

SPIEGEL ONLINE: Was kann bei der Online-Bestellung schiefgehen?

Truckenbrod: Zunächst brauchen Sie Ihre aktuellen Brillenglaswerte, die Sie selbst eingeben müssen, dabei passieren leicht Fehler. Dann können die Augenabstände oder der Brillensitz nicht korrekt sein. Das ist bei geringen Brillenglaswerten vielleicht nicht so dramatisch, aber es kann Kopfschmerzen hervorrufen und zum Beispiel Ihre Fahrsicherheit beeinträchtigen.

SPIEGEL ONLINE: Kann man sich seine Augen mit einer schlechten Brille ruinieren?

Truckenbrod: Kindern und Jugendlichen kann das passieren.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie Kunden vom Kauf einer Brille im Netz abraten?

Truckenbrod: Nein. Der Kunde ist mündig und frei und wird seine Erfahrung selbst machen. Die Welt entwickelt sich weiter, Filial- und Onlinegeschäft werden zusammenwachsen. Ich sehe keinen Grund, warum Filialoptiker nicht auch einen Onlineshop haben sollten. Wichtig ist nur, dass die Qualitätsstandards von allen Anbietern gleichermaßen eingehalten werden. Das ist im Internet derzeit nicht möglich.

ONILINE- ODER FILIALOPTIKER?



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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
jakam 04.10.2014
1.
Öhm nein, wir brauchen sie nicht. Besuch beim Augenarzt, Rezept - Online suchen und bestellen - fertig. Deutlich günstiger, sry. Und genauso gut, wenn nicht gar besser, ein Augenarzt hat zudem mehr Expertise.
draufen 04.10.2014
2. interessant...
...dass die ominösen "verschiedenen Parameter", die der Optiker angeblich misst, gar nicht genannt werden. Was bitte soll das sein ausser Pupillenabstand, Breite und Bügellänge? Nichts, was man zu Hause vor dem Spiegel und an einer vorhandenen Brille nicht problemlos ausmessen könnte.
madmax02021954 05.10.2014
3. Online-Brillen sind in der Regel gut
Das kann ich bestätigen. Natürlich gibt es für hohe Dioptrien im Handel schon flachere und möglicherweise leichtere Gläser aber die Preise für das Gestell sind im Handel schon sehr hoch. Das Anschaffen einer Online-Brille als Ersatz für Zuhause, das Auto oder die Reise (komplett ca. 45 €) lohnt sich immer.
politik-nein-danke 06.10.2014
4.
Zitat von jakamÖhm nein, wir brauchen sie nicht. Besuch beim Augenarzt, Rezept - Online suchen und bestellen - fertig. Deutlich günstiger, sry. Und genauso gut, wenn nicht gar besser, ein Augenarzt hat zudem mehr Expertise.
Sorry aber das ist Schwachsinn. Die meisten Augenärzte haben von Optik so absolut gar kein Verständnis. Die Werte die die Augenärzte ermitteln können Sie regelmäßig in die vielzitierte Mülltonne kloppen.
kuddemuddel 06.10.2014
5. Alles gut!
Ich habe zweimal im Internet eine Brille bestellt. Beide Male saß diese wie perfekt angepasst. Korrekturen durch einen Optiker vor Ort waren nicht notwendig. Die Gläser waren aber nach zwei Jahren so zerkratzt, dass sie ersetzt werden mussten. Ich denke, dass ist der Preis, zumal ich nach 2 Jahren eh ein neues Gestell bevorzuge.
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