Broken-Heart-Syndrom Herzkrank durch Liebeskummer

Das Herz bricht nicht nur im übertragenen Sinne, tatsächlich kann schwere Trauer für den Körper Folgen haben. Das Broken-Heart-Syndrom ähnelt einem Herzinfarkt, ist aber weit weniger gefährlich.

Wenn die Liebe nicht mehr hält: Die Trauer um eine Beziehung bedeutet für den Körper enormen Stress
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Wenn die Liebe nicht mehr hält: Die Trauer um eine Beziehung bedeutet für den Körper enormen Stress


Geht eine Beziehung in die Brüche oder stirbt ein geliebter Mensch, sprechen viele von einem gebrochenen Herzen. Kardiologen wissen mittlerweile, dass diese Bezeichnung auch wortwörtlich zu verstehen ist. Denn Stress durch Trauer und Kummer kann dem Herzen schaden.

Seit Anfang der Neunzigerjahre kennen Kardiologen das sogenannte Broken-Heart-Syndrom als Krankheitsbild. Die Stress-Kardiomyopathie, wie sie in der Fachsprache heißt, kann bei schweren Verlusten, Trennungen und psychischer Belastung auftreten, sagt Jürgen Pache, Chefarzt der Kardiologie an der Schön Klinik Starnberger See.

Die Beschwerden der Erkrankung ähneln denen eines Herzinfarkts: Das Herz krampft sich zusammen, die Brust schmerzt und fühlt sich eng an. Ursache ist aber keine verschlossene Ader, sondern eine stressbedingte Verengung der Herzkranzgefäße. Diese bremst ebenfalls die Durchblutung des Herzmuskels, ist aber nicht so folgenschwer. In der Regel erholt sich das Herz innerhalb weniger Tage oder Wochen von den Beschwerden.

Zuerst bei japanischen Witwen beobachtet

"Betroffen sind Menschen, die plötzlich existenziell in Not sind, etwa weil von heute auf morgen die ganze Lebensgrundlage entzogen ist", sagt Pache. Die Diagnose einer Krebserkrankung, ein heftiger Streit oder Mobbing - die psychischen Ursachen sind vielfältig. Daneben kann das Syndrom auch nach körperlicher Belastung oder im Zusammenhang mit sehr starken körperlichen Schmerzen auftreten.

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Mediziner in Japan beobachteten das Krankheitsbild als erstes bei älteren Frauen, die ihren Mann verloren hatten. Die Form der linken Herzkammer der Betroffenen erinnerte sie an ein kugeliges Tongefäß mit einem schmalen Hals, das in Japan zum Fang von Tintenfischen genutzt wird. Nach diesem Gefäß wurde das Syndrom dann auch als Erstes benannt: Takotsubo.

Tatsächlich verändert eine Stress-Kardiomyopathie die Form des Herzens. Die Hauptschlagader verengt sich, so dass das Blut nicht mehr richtig abfließen kann. Infolgedessen beult sich die Herzspitze aus. Daten aus Deutschland, Japan und den USA sprechen dafür, dass eine Stress-Kardiomyopathie rund zwei Prozent der akuten Durchblutungsprobleme des Herzens verursacht.

Seelischer und körperlicher Schmerz: ähnliche Hirnregionen

Auch sonst kann Liebeskummer den Körper gewaltig beeinträchtigen, sagt Iris Hauth, Präsidentin der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Betroffene berichten oft von Schmerzen in der Herzgegend, auch wenn sie meist ohne medizinische Hilfe auskommen. Verspannungen, Bauchschmerzen, Schlaflosigkeit, innere Unruhe, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und ein geschwächtes Immunsystem zählen zu den weiteren Beschweren.

Experimente in den USA hätten gezeigt, dass seelischer Schmerz und soziale Zurückweisung im Gehirn ähnliche Regionen aktivieren wie körperlicher Schmerz, sagt Hauth. "Es gibt einige wenige Studien, die die seelische Verarbeitung von Liebeskummer mit funktioneller Kernspintomografie darstellen". Obwohl fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens Trennung, Schmerz und unerfüllte Liebe durchleide, sei der Liebeskummer aber wissenschaftlich relativ schlecht untersucht.

So sind auch Langzeitfolgen nur schwer nachweisbar. Bei Konzentrationsmangel, Depression oder gar Suizidgedanken sollten Betroffene laut Hauth einen Therapeuten oder Psychiater zu Rate ziehen.

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irb/dpa



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