Brüchige Knochen: So beugen Sie Osteoporose vor

Wer mit starken und gesunden Knochen alt werden möchte, muss die Risikofaktoren für Osteoporose kennen und wissen, was für die Knochengesundheit förderlich ist. Ein Überblick.

Brüchiger Knochen: So entsteht Osteoporose Fotos
Corbis

Das Knochengewebe wird während des ganzen Lebens auf-, um- und abgebaut. Maßgeblich daran beteiligt sind knochenaufbauende (Osteoblasten) und knochenabbauende Zellen (Osteoklasten). Bei den Prozessen spielen Östrogene, Kalzium und Vitamin D eine wichtige Rolle.

Ohne Vitamin D ist der Körper nicht in der Lage, Kalzium aus dem Darm aufzunehmen und in die Knochen einzubauen. Das Hormon Östrogen schützt vor Knochenabbau. Fehlt es, kommt es zum vermehrten Abbau der Knochensubstanz. Grundsätzlich gilt, dass der Körper bis etwa zum 35. Lebensjahr mehr Knochen auf- statt abbaut. Das heißt, die Knochenmasse nimmt zu. "Zu etwa 60 bis 70 Prozent bestimmen die Gene wie groß die Knochenmasse wird", sagt der Dresdner Osteoporose-Experte Lorenz Hofbauer.

Ab dem 40. Lebensjahr beginnt dann der langsame Verlust an Knochenmasse. An sich ist dies ein normaler Alterungsvorgang. Doch wer am Anfang ein verringertes Knochenkapital hat und im Laufe der Zeit zu viel davon verliert, kommt in späteren Jahren schneller in die Knochenbruchzone. Frauen sind öfter von Osteoporose betroffen, da sie in und nach den Wechseljahren weniger Östrogen produzieren. Dadurch werden die Knochen schneller porös. Besonders stark betroffen vom Knochenschwund sind die Wirbelkörper sowie die Hüftknochen. Auch Frakturen im Oberarm oder Handgelenk kommen vor.

Das Problem: Die meisten Menschen merken zunächst nicht von der Krankheit, da sie zunächst keine Schmerzen verursacht. Zudem können Wirbelkörper brechen, ohne dass man das spürt. Diese sogenannte Vertebralfraktur ist einer der häufigsten Brüche bei Osteoporose. Er führt aber nur in wenigen Fällen zu Beschwerden.

Welche Risikofaktoren gibt es für Osteoporose?

Zu den Risikofaktoren zählen eine kalziumarme Ernährung, Vitamin-D-Mangel, Untergewicht, Magersucht, Phasen, in denen wegen Östrogenmangels die monatlichen Blutungen ausbleiben, eine späte erste Regelblutung und früh einsetzende Wechseljahre sowie Bewegungsmangel. Auch Extremsport kann eine Gefahr für die Knochen sein. Weiterhin zählen Alkohol, Rauchen, Erbfaktoren, Stress und eine phosphatreiche Ernährung zu Risikofaktoren.

Menschen die über längere Zeit hochdosiertes Kortison, Schilddrüsenhormone, aluminiumhaltige Säureblocker und Protonenpumpeninhibitoren gegen Sodbrennen zu sich nehmen, haben ebenfalls ein erhöhtes Osteoporose-Risiko.

Erkrankungen der Nieren, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, eine Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie), eine Überproduktion des Stresshormons Kortisol durch einen Nebennierentumor oder eine Schilddrüsenüberfunktion sind in etwa fünf Prozent der Fälle ursächlich am Knochenabbau beteiligt.

Eine Mitte 2012 veröffentlichte US-amerikanische Studie hat ergeben, dass Patienten mit Reizdarmsyndrom im Vergleich zu darmgesunden Personen ein mehr als vierfach erhöhtes Osteoporose-Risiko haben. Liegen entsprechende Risikofaktoren vor oder ist man beispielsweise kleiner geworden, ist es ratsam, den Hausarzt frühzeitig auf eine Knochendichtemessung anzusprechen.

Kalzium in der Nahrung - was ist zu beachten?

  • Sojabohnen, Grünkohl, Brokkoli, getrocknete Feigen und dicke Bohnen, Leinsamen, Sesam, Haselnüsse und Mandeln sind ebenso wie Milch und der Molketrunk aus der Quarkherstellung kalziumreich.
  • Mit Lab gefällte Käsesorten ist kalziumreich - aber nur diese. Dazu zählen Emmentaler, Bergkäse, Raclette, Butterkäse und Mozzarella (nicht ganz so kalziumreich).
  • Trinken Sie kalziumreiches Mineralwasser.
  • Genügend Kalzium allein genügt jedoch nicht: Phosphat verhindert, dass Kalzium in die Knochen eingelagert wird. Deshalb sollten Sie dessen Aufnahme zum Beispiel durch übermäßigen Verzehr von Fleisch (vor allem Schweinefleisch ist phosphatreich) und Wurst möglichst einschränken. Auch Camembert ist phosphatreich. Auf der anderen Seite ist Vitamin D erforderlich, um Kalzium aus der Nahrung über den Darm aufzunehmen und in die Knochen einzubauen.

Produziert der Mensch genug Vitamin D?

Der Körper ist grundsätzlich bei ausreichend Sonnenschein in der Lage, selbst Vitamin D herzustellen - im Sommer kein Problem, wohl aber im Herbst und Winter. Allerdings können Sonnencremes das verhindern. Ab einem Lichtschutzfaktor 10 wird kein Vitamin D mehr gebildet. Seefisch und Lebertran enthalten ebenfalls Vitamin D. Täglich 800 bis 2000 Einheiten Vitamin D pro Tag wirken laut Hofbauer am besten. Das entspricht in etwa 30 Minuten Aufenthalt in der Sonne. "Eine Überdosierung von Vitamin D ist eher nachteilig", warnt Matthias Schieker, Osteoporose-Experte an der LMU München.

Welche Sportarten stärken die Knochen?

Sport ist neben der Ernährung der zweite große Faktor zur Erhaltung der Knochenmasse.

Beim Sport wird im Allgemeinen empfohlen, dreimal die Woche für jeweils 45 Minuten zu tanzen, joggen, Walken oder Krafttraining zu machen. "Es ist wichtig, sowohl die Muskelkraft als auch die Koordination zu stärken, um Stürzen im Alter vorzubeugen. Das Tanzen eignet sich hierfür am besten", so Schieker. Frauen dürfen es mit dem Ausdauersport nicht übertreiben. Wer daraus Extremsport macht, vermindert die Östrogenproduktion - und das ist der Knochengesundheit sehr abträglich.

Weitere Informationen zur Vorbeugung von Osteoporose, Kalzium und Vitamin D finden Sie bei gesundheitsinformation.de

Gerlinde Gukelberger-Felix

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insgesamt 4 Beiträge
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    Seite 1    
1. Milch wird immer noch empfohlen?
multyy 17.04.2013
Ich dachte dieses Thema ist nun bald endgueltig durch, dass Milch als Osteoporose Vorbeugung hilfreich sei. Deshalb erstaunt mich dies hier zu lesen. Speziell Skandinavische Länder leiden unter höheren Osteoporoseraten und hier wird z.B.: sehr viel Vitamin D verkauft/empfohlen und sehr viel Milch getrunken. Trotzdem sind die Raten hier signifikant hoeher. Dies ist zwar keine wissenschaftlicher Beweis, aber es gibt viele Studien die ähnliches nahelegen. KUH-Milch ist schlecht fuer die Vorbeugung.
2.
smaxnix 18.04.2013
Sonnencremes für Babyssind folglich paradox.
3. Medikamente
georg12 18.04.2013
Viele Menschen leiden an hohem Magensäurespiegel.Daher wird vom Arzt gerne Omeprazol verschrieben.(13 Mio mal in Deutschland) Allerdings ist mittlerweile klar geworden, dass Medikamente gegen Sodbrennen Osteoporose verursachen . Deshalb sollten Menschen, die solche Medikamente einnehmen Calciumgluconat als Nahrungsergänzung zu sich nehmen. Selbstverständlich zahlen das aber die Kassen NICHT !!
4. optional
güntherm. 19.04.2013
Wer mehr über Vitamin D wissen möchte und an einer Testung des eigenen Vitamin D-Wertes interessiert ist, dem kann ich diese Seite empfehlen http://bit.ly/15K6d3a .
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