Mehrere Tote nach Heilpraktikerbehandlung Behörden ermitteln nach alternativer Krebstherapie wegen fahrlässiger Tötung

Starben drei Patienten eines alternativen Krebszentrums am Niederrhein an dort verabreichten Mitteln? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Praxisinhaber wegen fahrlässiger Tötung.

Das "Biologischen Krebszentrum Bracht" in Brüggen-Bracht
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Das "Biologischen Krebszentrum Bracht" in Brüggen-Bracht


Kurz nach einer Behandlung im "Biologischen Krebszentrum Bracht" sind drei Krebskranke gestorben - jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Betreiber wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Fährlässig nur deshalb, weil es nach bisherigen Erkenntnissen "keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte" dafür gebe, dass der Heilpraktiker den Tod von Patienten oder eine Schädigung ihrer Gesundheit vorsätzlich herbeigeführt habe, teilte die Staatsanwaltschaft Krefeld mit.

Dennoch bestätigte sich der Verdacht, dass er die Patienten mit dem Präparat 3-Bromopyruvat behandelt hatte. Die Substanz ist nicht als Medikament zugelassen. Laut Staatsanwaltschaft sei der Heilpraktiker aber grundsätzlich berechtigt gewesen, den Stoff zu verwenden.

Ob der Tod der Patienten direkt mit der Einnahme von 3-Bromopyruvat in Zusammenhang steht oder sie an den Folgen ihrer Krankheit starben, konnte den Ermittlern zufolge noch nicht abschließend geklärt werden.

"Bromopyruvat wird seit einigen Jahren in Zellkulturen und an Tieren erforscht. Die notwendige klinische Forschung, die in Europa vor einer Zulassung notwendig ist, ist jedoch noch nicht erfolgt", erklärt Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst (KID). Das bedeute, dass man die Risiken, denen sich Patienten damit aussetzen, schlecht abschätzen könne.

Die Ermittlungen gegen den Beschuldigten hatte der Tod einer 43-jährigen Frau aus den Niederlanden ausgelöst: Sie starb am 30. Juli in einem Krankenhaus in Mönchengladbach, nachdem sie am 25. Juli in der Einrichtung behandelt worden war. Vor ihrem Tod hatte sie über Kopfschmerzen geklagt, war zeitweise verwirrt und schließlich nicht mehr ansprechbar.

Kurze Zeit später gab die Polizei bekannt, dass bereits am 28. Juli eine 55-jährige Belgierin und einen Tag später ein 55-Jähriger aus den Niederlanden gestorben waren. Beide hatten sich am 27. Juli in dem Zentrum therapieren lassen. Zwei weitere Patienten hatten sich laut Staatsanwaltschaft wegen lebensbedrohlicher Beschwerden in ärztliche Behandlung begeben.

Angebot richtete sich vor allem an Niederländer

Das Angebot des Heilpraktikers richtete sich in erster Linie an niederländische Staatsangehörige. Auf der Webseite des Heilpraktikers war zu lesen, dass er seine Praxis in Brüggen-Bracht betreibe, weil die Alternativmedizin in den Niederlanden strenger reguliert sei.

Mit Bekanntwerden der Todesfälle hatte die Polizei gewarnt: Wer in dem Krebszentrum behandelt wurde, sollte sich in "fachkundige Behandlung" begeben und bei den Behörden melden.

Die Ermittler werten nun Zeugenhinweise aus sowie die Beweismittel, die bei der Durchsuchung von Wohn- und Praxisräumen des Heilpraktikers sichergestellt wurden. Dies solle Aufschluss geben, ob weitere Behandlungsfälle in die Ermittlungen miteinbezogen werden müssen, hieß es.

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wbr/AFP/dpa

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