Angelina Jolies Brustamputation Mutig!

Mit ihrer persönlichen Brustkrebs-Geschichte stößt Angelina Jolie eine wichtige Debatte über Weiblichkeit, Verantwortung und Gentests an. Ihre Botschaft lautet: Jede Frau sollte ihre eigene, informierte Entscheidung treffen. Ein mutiger Schritt, denn sie stellt dabei ihre Privatsphäre hintan.

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Fast jeder kennt Angelina Jolie. Sie ist laut "Forbes" die einflussreichste Schauspielerin der Welt, auf Hunderten von Titelbildern war sie mit ihrem Mann Brad Pitt zu sehen, sie ist sechsfache Mutter, Regisseurin und Stilikone. Ihr schlanker Körper und ihre vollen Lippen sind ihr Kapital. Jetzt hat Jolie einen mutigen Schritt gewagt: In der "New York Times" beschreibt sie, wie sie sich aus Angst vor Brustkrebs beide Brüste hat amputieren lassen.

Damit tut sie einen Schritt für alle Frauen, die an Brustkrebs leiden oder daran erkranken könnten. Für jene, die sich die Brüste entfernen lassen müssen oder wollen, und für jene, die mit Implantaten leben. Jolie führt vor, dass auch ihr scheinbar perfekter Körper nicht makellos ist, dass eine Frau sich auch ohne ihre natürlichen Brüste als Frau fühlen kann.

Sie hätte sich nicht offenbaren müssen. Sie hätte die Tatsache verschweigen können, dass sie Trägerin des mutierten BRCA1-Brustkrebsgens ist, und die Operationen geheimhalten, die sie gerade erst hinter sich gebracht hat. Es wäre eine private Entscheidung geblieben, die nur ihr engstes Umfeld etwas angeht. Trotz Paparazzi hätte vermutlich niemand etwas bemerkt, denn Brustrekonstruktionen liefern heute erstaunlich natürliche Ergebnisse.

Verantwortung für den eigenen Körper

Aber Angelina Jolie hat eine Botschaft - und die ist ihr so wichtig, dass sie ihre Privatsphäre hintenan gestellt: "Ich möchte jede Frau dazu ermutigen, (…) ihre eigene informierte Entscheidung zu treffen." Es geht ihr nicht darum, andere Frauen in einer ähnlichen Situation davon zu überzeugen, sich ebenfalls die Brüste amputieren zu lassen. Sie ruft Frauen vielmehr dazu auf, Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen und aktiv eine Entscheidung zu treffen.

Wie gut ihr das gelingt, wird die nähere Zukunft zeigen. Der Text ist so differenziert wie emotional, doch die Hollywood-typische Inszenierung des Erzählens könnte über die Vielschichtigkeit der Entscheidung hinwegtäuschen. Der Plot geht so: Jolies' Mutter stirbt an Krebs, ihre eigenen Kinder fragen ängstlich, ob ihr das auch passieren könne. Sie lässt sich testen, und die Ärzte geben ihr ein 87-prozentiges Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Sie entscheidet sich zu den Operationen, die sie sich im Gegensatz zu vielen anderen Amerikanern leisten kann. Alles geht gut, Brad Pitt unterstützt sie, wo er kann. Das Happy End: "Meine Kinder wissen, dass ich sie liebe und alles tun werde, um so lange wie möglich bei ihnen sein zu können."

In den USA dürfte diese Art der Darstellung viele Frauen dazu animieren, sich ebenfalls zu fragen, ob sie sich testen lassen sollten. Jolies' Wahl für eine prophylaktische Brustamputation kann jedoch keinesfalls exemplarisch sein für alle Frauen, die ein mutiertes BRCA1-Gen haben. Zum einen unterscheiden sich die Auswirkungen von verschiedenen Mutationen, und es spielt eine wichtige Rolle, ob enge Verwandte erkrankt oder sogar an Brustkrebs gestorben sind.

Es gibt kein Gut und kein Schlecht

Vor allem aber handelt es sich beim Erkrankungsrisiko um Zahlen und Wahrscheinlichkeiten, die Mediziner immer mit einem Fragezeichen versehen. "Wir wissen, dass wir bei Frauen mit mutierten Brustkrebsgenen die Zahl der neuen Brustkrebsfälle und die Sterblichkeit durch eine vorsorgliche, beidseitige Brustdrüsenentfernung senken können", sagt Wolfgang Janni, Direktor der Universitätsfrauenklinik in Ulm. "Dieser Gewinn hängt aber sehr von der individuellen Risikosituation ab." In Deutschland wird den betroffenen Frauen daher eine engmaschige Kontrolle empfohlen - eine Brustdrüsenentfernung soll laut Leitlinien, an denen Janni mitgearbeitet hat, lediglich als Option angeboten werden.

Niemand konnte Angelina Jolie sagen, ob sie zu den 87 Prozent gehören würde, die erkranken, oder zu den 13 Prozent Glücklichen, die keinen Brustkrebs entwickeln. Spätestens hier endet die Medizin, und es beginnt die persönliche Entscheidung. Die Abwägung von Werten. Die Sorge um sich selbst und die Familie. Hier gibt es kein Gut und kein Schlecht, hier gibt es nur die individuelle Wahl.

Jolie hat diese Entscheidung getroffen. Und sie hat sie mit der Öffentlichkeit geteilt. Sie nutzt ihre Bekanntheit, um eine Debatte auszulösen zum einen über die Möglichkeiten der Gendiagnostik und zum anderen über die persönlichen Folgen einer Brustamputation. Ihre Botschaft ist: "Ich fühle mich nicht weniger als Frau."

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
frubi 14.05.2013
1. .
Zitat von sysopCorbisMit ihrer persönlichen Brustkrebs-Geschichte stößt Angelina Jolie eine wichtige Debatte über Weiblichkeit, Verantwortung und Gentests an. Ihre Botschaft lautet: Jede Frau sollte ihre eigene, informierte Entscheidung treffen. Ein mutiger Schritt, denn sie stellt dabei ihre Privatsphäre hinten an. Brust-Amputation: Angelina Jolie trifft eine mutige Entscheidung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/brustkrebs-amputation-angelina-jolie-trifft-eine-mutige-entscheidung-a-899753.html)
Hier wird mal wieder ein Promi als "mutig" usw. bezeichnet dabei hat Frau Jolie die fianziellen Möglichkeiten, um sich im Anschluss beim Schönheits-Doktor unter das Messer zu legen. Ich hingegen finde all die Frauen mutig, die eben nicht die selben Möglichkeiten haben und dauerhaft entstellt durchs Leben laufen müssen. Zudem ist Frau Jolie nun für 1 Woche in der Presse und für Promis ist das pures Geld und weil Frau Jolie schauspielerisch keine Bäume ausreisst und sich das in ihren letzten Rollen deutlich gezeigt hat, muss Sie eben andersweitig die Öffentlichkeit zu sich holen und sei es eben mit solch einem Thema.
arakiel 14.05.2013
2.
Zitat von sysopCorbisMit ihrer persönlichen Brustkrebs-Geschichte stößt Angelina Jolie eine wichtige Debatte über Weiblichkeit, Verantwortung und Gentests an. Ihre Botschaft lautet: Jede Frau sollte ihre eigene, informierte Entscheidung treffen. Ein mutiger Schritt, denn sie stellt dabei ihre Privatsphäre hinten an. Brust-Amputation: Angelina Jolie trifft eine mutige Entscheidung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/brustkrebs-amputation-angelina-jolie-trifft-eine-mutige-entscheidung-a-899753.html)
Respekt das Sie damit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Eine sehr engagierte Frau. Ich wünsche ihr weiterhin alles Gute.
arakiel 14.05.2013
3. Neider
Zitat von frubiHier wird mal wieder ein Promi als "mutig" usw. bezeichnet dabei hat Frau Jolie die fianziellen Möglichkeiten, um sich im Anschluss beim Schönheits-Doktor unter das Messer zu legen. Ich hingegen finde all die Frauen mutig, die eben nicht die selben Möglichkeiten haben und dauerhaft entstellt durchs Leben laufen müssen. Zudem ist Frau Jolie nun für 1 Woche in der Presse und für Promis ist das pures Geld und weil Frau Jolie schauspielerisch keine Bäume ausreisst und sich das in ihren letzten Rollen deutlich gezeigt hat, muss Sie eben andersweitig die Öffentlichkeit zu sich holen und sei es eben mit solch einem Thema.
Da spricht wohl der Neid, nur weil die Frau in der Öffentlichkeit steht, macht das ihren Schritt nicht weniger Mutig. Sollte sie auf eine Wiederaufbau-OP verzichten damit Sie sich besser fühlen? Würden sie das für einen Fremden tun? Was Maßen Sie sich eigentlich an?
seenoevil 14.05.2013
4. Überflüssig!
"Sie ruft Frauen vielmehr dazu auf, Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen und aktiv eine Entscheidung zu treffen." Was hat Frau Jolie glauben lassen, dass gegenwärtig das Gegenteil der Fall sei und Frauen dies unterließen?
MrGold 14.05.2013
5. ja sicher
genau, herr frubi ... frau jolie hat sich ihr brüste amputieren lassen, um mal wieder in die Presse zu kommen. Also wirklich ... man muss der Frau zugestehen, dass sie einer der menschlichsten promis ist, und solche Unterstellungen sind wirklich unterstes niveau.
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