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18. Juni 2012, 17:11 Uhr

Brustimplantate

PIP-Silikon ist nicht gesundheitsgefährdend

Seit Monaten wird über minderwertige PIP-Brustimplantate diskutiert. Nun berichten britische Mediziner: Das Silikon scheint kein Risiko für die Gesundheit darzustellen. Es bleibt die Gefahr, dass die minderwertigen Kissen reißen.

Im Skandal um die Brustimplantate des französischen Herstellers PIP gibt die britische Gesundheitsbehörde NHS in einem Punkt Entwarnung: Das verwendete Billigsilikon ist einer am Montag veröffentlichten NHS-Studie zufolge nicht gesundheitsgefährdend. Allerdings sei die Gefahr, dass die Silikonkissen reißen, doppelt so hoch wie bei anderen Herstellern. Insgesamt seien die Implantate von unterdurchschnittlicher Qualität, auch wenn das Gesundheitsrisiko ohne Riss im Silkon nicht ansteigt.

Weltweit durchgeführte Analysen verschiedener PIP-Implantate liefern keine Hinweise auf Risiken für die Gesundheit, berichtet eine Kommission um den medizinischen Direktor des NHS, Bruce Keogh. Auch weitere Tests würden angesichts der mittlerweile untersuchten Zahl an Implantaten aus unterschiedlichsten Chargen an diesen Ergebnissen voraussichtlich nichts mehr ändern.

PIP-Implantate reißen doppelt so häufig wie Silikonkissen anderer Hersteller

Die Implantate des bereits 2011 zerschlagenen Herstellers "Poly Implant Prothèse" würden aber mindestens doppelt so häufig reißen wie die anderer Hersteller, so der britische Bericht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein PIP-Implantat innerhalb von zehn Jahren reiße, betrage zwischen 15 und 30 Prozent, bei anderen Herstellern liege das Risiko bei 10 bis 14 Prozent. Für die Studie wurden 240.000 Implantate verschiedener Marken bei 130.000 Frauen in Großbritannien untersucht.

Besonders betonen die NHS-Mediziner, dass im PIP-Silikon keine gesundheitsgefährdenden Verunreinigungen gefunden wurden. Auch gebe es nach Tests in französischen und australischen Laboren keine Hinweise auf mögliche Hautirritationen durch das Silikon. Durch die größere Wahrscheinlichkeit gerissener Implantate steige allerdings bei betroffenen Patientinnen das Risiko für Reaktionen bei der Entnahme von PIP-Implantaten, etwa Lymphknotenvergrößerungen in der Umgebung.

Die britischen Behörden empfehlen allen Operateuren, Frauen mit PIP-Implantaten zu kontaktieren, um herauszufinden ob ihre Silikonkissen noch intakt sind. Gibt es Hinweise auf einen Riss, sollten die Implantate entfernt werden. Intakte Implantate müssten aber nicht in jedem Fall herausoperiert werden, sondern nur nach sorgfältigem Abwägen von Risiken und Vorteilen.

Deutsche Aufsichtsbehörde empfiehlt, alle PIP-Implantate zu entfernen

In Deutschland gilt nach wie vor eine Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom Januar 2012, nach der die Implantate vorsorglich entfernt werden sollten. Ein Sprecher des BfArM sagte am Montag zu SPIEGEL ONLINE, das Institut prüfe den britischen Bericht derzeit und werde so bald wie möglich entscheiden, welche Schlüsse daraus für deutsche Patientinnen zu ziehen seien.

In Deutschland gibt es mindestens 5224 Frauen mit 8205 Implantaten, die PIP-Silikon enthalten. Das BfArM geht von einer Dunkelziffer von 10 bis 20 Prozent weiteren Patientinnen aus. Weltweit waren Hunderttausende PIP-Brustimplantate verkauft worden. Gegen den Firmengründer Jean-Claude Mas wird in Frankreich wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

dba/afp

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