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08. Februar 2013, 15:14 Uhr

Brustkrebs

Mammografie alle zwei Jahre reicht aus

In Deutschland werden Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zur Mammografie eingeladen. Das Brustkrebs-Screening in diesem Abstand reicht aus, hat eine US-Studie jetzt ergeben. Bei Frauen über 65 werden bei einem jährlichen Rhythmus nicht mehr Krebsfälle erkannt.

Jede deutsche Frau wird ab ihrem 50. Geburtstag eingeladen, zur Mammografie zu gehen. Die Röntgenaufnahmen der Brust, die von speziell trainierten Experten begutachtet werden, sollen helfen, Brustkrebs im Frühstadium zu erkennen, wenn die Tumore noch gut zu operieren und die Überlebenschancen hoch sind.

Das Screening-Programm wird in Deutschland viel diskutiert. Kritiker befürchten vor allem, dass es häufig zu Fehldiagnosen kommt und Frauen wegen auffälliger Röntgenbilder operiert werden, obwohl sie nicht an Brustkrebs erkrankt sind. Dennoch empfiehlt die American Cancer Society (ACS) Frauen sogar, schon ab dem 40. Geburtstag und jährlich zur Mammografie zu gehen.

Diese, von den deutschen Empfehlungen deutlich abweichenden Vorgaben erfahren jetzt einen Dämpfer: Bei Frauen über 65 Jahren finden Ärzte bei jährlichen Mammografien nicht mehr Tumoren als bei Frauen, die ihre Brüste alle zwei Jahre röntgen lassen, berichten Forscher um Dejana Braithwaite von der University of California in San Francisco im Fachmagazin "Journal of the National Cancer Institute". Allerdings führe der jährliche Takt dazu, dass bei mehr Frauen verdächtige Strukturen gefunden würden, obwohl sie gesund seien - sogenannte falsch-positive Ergebnisse. "Ein falsch-positives Ergebnis bereitet Sorgen und Unannehmlichkeiten durch weitere Untersuchungen", sagt Studienautorin Braithwaite.

Die Wissenschaftler hatten die Daten von mehr als 140.000 US-Bürgerinnen in unterschiedlichen US-Krebsregistern ausgewertet. Die Frauen zwischen 66 und 89 Jahren waren durchschnittlich sieben Jahre lang von den Forschern nachverfolgt worden. Während der Zeit erkrankten knapp 3000 der Studienteilnehmerinnen an Brustkrebs, 138.000 blieben gesund.

Kein Nutzen durch jährliche Mammografie

Unabhängig davon, ob sie jährlich oder alle zwei Jahre zur Früherkennung gegangen waren, entdeckten die Ärzte den Brustkrebs bei einem vergleichbaren Anteil der Frauen erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Etwa zwei Drittel der erkrankten Studienteilnehmerinnen hatten jährlich Mammografien anfertigen lassen.

Von den jährlich untersuchten Frauen erhielt allerdings knapp die Hälfte (47 bis 50 Prozent) während der Studienzeit eine Brustkrebsdiagnose, obwohl sie gesund waren. Bei den zweijährlich untersuchten Frauen lag dieser Anteil der tatsächlich nicht erkrankten Teilnehmerinnen unter einem Drittel (26 bis 30 Prozent).

"Unsere Studie zeigt, dass jährliche Mammogafien keinen Nutzen erbringen", sagt Braithwaite. Die Forscher berechneten, dass bei einem jährlichen Screening älterer Frauen jährlich nahezu vier Millionen falsch-positive Brustkrebsdiagnosen in den Vereinigten Staaten gestellt werden würden. Eine solche Diagnose führt fast immer zu weiteren Untersuchungen oder Operationen, die psychisch belastend sind und wiederum ein Risiko mit sich bringen und den Gesundheitszustand gefährden oder verschlechtern können. Deshalb gelte es, solche falsch-positive Diagnosen zu verhindern, so der Forscher.

"Die Studie zeigt uns eindeutig, dass ein Screening alle zwei Jahre sinnvoller sein könnte als ein jährliches Screening", sagt der Arzt Otis Brawley, der bei der American Cancer Society für die Vorsorgeprogramme verantwortlich ist. Allerdings gebe es andere Studien, die für den von der ACS beworbenen jährlichen Rhythmus sprechen.

Auch in den USA gibt es zurückhaltendere Empfehlungen, die sich für einen zweijährlichen Rhythmus aussprechen, wie er auch in Deutschland üblich ist: So rät etwa die vom US-Gesundheitsministerium berufene Preventive Services Task Force zu einem zweijährlichen Untersuchungsrhythmus für Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren.

dba/Reuters

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