Immer wieder streiten Forscher über den Nutzen der Mammografie: Zwar kann die Röntgen-Methode Brustkrebs frühzeitig erkennen und Leben retten. Es kommt allerdings auch immer wieder vor, dass Mediziner auch bei gesunden Frauen Auffälligkeiten entdecken. Eine neue Technik könnte dabei helfen, Brustkrebs in Zukunft besser zu erkennen - und die Zahl der richtigen Diagnosen dadurch erhöhen.
Kern der Methode ist eine neu entwickelte sogenannte Niedrigdosis-Phasenkontrast-Computertomografie, mit der kontraststarke dreidimensionale Bilder der Brust entstehen ohne das empfindliche Gewebe mit einer hohen Strahlungsdosis zu belasten. Gegenüber der herkömmlichen Mammografie-Untersuchung, bei der nur zweidimensionale Bilder erzeugt werden, senkt das neue Verfahren die Strahlenbelastung um das Vierfache, gegenüber der herkömmlichen Computertomografie (CT) sogar um das 25fache.
Erreicht werde dies durch die Kombination eines speziellen Aufnahmeverfahrens mit einer neuen, effektiveren Auswertungsmethode, schreiben die Forscher um Yunzhe Zhao von der University of California in Los Angeles und Emmanuel Brun von der LMU München im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
"Diese neue Technik öffnet die Tür zu einem klinischen Einsatz der Computertomografie bei der Früherkennung von Brustkrebs", erklärt Maximilian Reiser, Mitautor der Studie und Leiter der Radiologie-Abteilung an der LMU München. Bisher sei die CT dafür nicht geeignet gewesen, da sie das empfindliche Brustgewebe einer zu hohen Strahlendosis aussetzt.
Gewebe aus verschiedenen Blickwinkel durchleuchten
Für eine dreidimensionale CT-Aufnahme muss das Gewebe mehrfach aus verschiedenen Blickwinkeln und in unterschiedlichen Ebenen mittels Röntgenstrahlen durchleuchtet werden. Bei der üblichen, sogenannten "Dual-View"-Mammografie wird die Brust dagegen nur in zwei Ansichten - von der Seite und von oben - dargestellt. Dies senkt die Röntgenbelastung, liefert aber weniger präzise, dafür kontrastreiche Aufnahmen. "10 bis 20 Prozent der tastbaren Tumoren sind auf den Mammogrammen nicht zu erkennen", schreiben die Forscher. Die herkömmliche CT hingegen liefere zwar eine bessere Auflösung, dafür könne man wegen des geringeren Kontrasts bestimmte Tumorformen schlechter identifizieren.
Das neue Verfahren unterscheidet sich in drei wesentlichen Punkten von der normalen Computertomografie: Zum einen werden besonders energiereiche Röntgenstrahlen, sogenannte Synchrotron-Strahlen, eingesetzt. Sie durchdringen das Gewebe bereits in geringeren Dosen als normale Röntgenstrahlen. Hinzu kommt die Messungsart: Bei herkömmlichen CT-Bildern entstehen die helleren und dunkleren Flächen auf den Röntgenbildern, indem die Geräte messen, wie gut das Gewebe an der jeweiligen Stelle Strahlung absorbiert. Das neue Verfahren hingegen registriert feine Schwingungsverschiebungen in dem Röntgenlicht, das von dem Gewebe zurückgeworfen wird.
Da diese Verschiebungen zwei- bis dreimal stärker seien als bei der Absorption, sei der Kontrast des neuen Verfahrens höher als der des herkömmlichen, erläutern die Forscher die Vorzüge ihrer Methode. Zusätzlich werde die Strahlenbelastung durch ein neues Auswertungsverfahren gesenkt, das gegenüber den bisherigen weniger Bilder benötigt, um eine hochaufgelöste 3-D-Aufnahme zu rekonstruieren.
Bis Patientinnen von der neuen Röntgentechnik profitieren können, wird es allerdings noch einige Zeit dauern: Noch seien die für die neue Technik benötigten Röntgengeräte zu groß, um in Arztpraxen und Kliniken eingesetzt zu werden, berichten die Forscher. "Viele Forschergruppen arbeiten aber schon intensiv daran, ein kleineres Gerät zu entwickeln", sagt Brun. Zudem sind noch größere Studien mit großen Patientengruppen notwendig, um zu beweisen, dass der medizinische Nutzen der neuen Methode der herkömmlichen tatsächlich überlegen ist.
irb/dpa
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