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EU-Tabakrichtlinie: Bundesrat beschließt Schockbilder auf Zigarettenschachteln

Zigarettenschachteln mit möglichen Schockbildern und Warnhinweisen (Archivbild) Zur Großansicht
DPA

Zigarettenschachteln mit möglichen Schockbildern und Warnhinweisen (Archivbild)

Die letzte Hürde ist genommen: Ab Ende Mai zieren auch in Deutschland Schockbilder und größere Warnhinweise die Zigarettenschachteln. Der Bundesrat hat das Gesetz gebilligt.

Wer raucht, wird auch in Deutschland ab Ende Mai mit Schockfotos und größeren Warnhinweisen auf den Zigarettenschachteln konfrontiert. Nach dem Bundestag stimmte am Freitag auch der Bundesrat mehrheitlich dem Gesetz zur Umsetzung der EU-Tabakrichtlinie in Deutschland zu.

Es schreibt vor, dass Warnbilder und aufklärende Texte künftig zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigaretten- und Drehtabakverpackungen bedecken müssen. Bislang sind die Hersteller in Deutschland nur zu deutlich kleineren Warnhinweisen verpflichtet.

Die Bilder können Nichtraucher davon abhalten, mit dem Rauchen anzufangen, haben Studien gezeigt. Die Politik erhofft sich, mit den Hinweisen vor allem Jugendliche abzuschrecken. In anderen Ländern, darunter Belgien, Australien und Uruguay, existieren die Gruselfotos schon länger. Sie zeigen etwa verfaulte Füße oder schwarze Raucherlungen.

Schonfrist für die Industrie

Die 2014 ausgehandelte EU-Richtlinie für Tabakprodukte muss bis zum 20. Mai 2016 in deutsches Recht umgesetzt werden. Verpackungen, die bis Mai 2016 nach den alten Regelungen hergestellt wurden, können noch ein Jahr lang weiter verkauft werden.

Teile der Zigarettenindustrie verlangen mehr Zeit, um neue Schachteln drucken zu können. Dem schlossen sich viele Bundesländer an: Sie riefen die Bundesregierung dazu auf, sich gegenüber der EU-Kommission für längere Übergangsphasen einzusetzen.

"Die Anbringung der neuen Warnhinweise auf Verpackungen für Tabakerzeugnisse und verwandte Erzeugnisse sollte erst nach einer Übergangsfrist von 15 Monaten erfolgen", heißt es in einer Entschließung. Dies haben Bundesregierung und Bundestag bereits abgelehnt.

Verbot für Vanille- und Schoko-Tabak

Neben der Verpflichtung zu Schockbildern verbietet das verabschiedete Gesetz auch Zigaretten und Drehtabak mit Aromen wie Vanille oder Schokolade, die den bitteren Geschmack des Tabaks mildern und deshalb vor allem Jugendliche zum Einstieg ins Rauchen verführen.

Erstmals wird außerdem der Handel mit nikotinhaltigen elektronischen Zigaretten und Nachfüllbehältern geregelt. Die Hersteller müssen sich demnach weitgehend an die Werbebeschränkungen halten, die auch für andere Tabakerzeugnisse gelten.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 121.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Insgesamt qualmt jeder vierte Erwachsene. Das Deutsche Krebsforschungszentrum schätzt die direkten und indirekten Kosten des Rauchens auf rund 79 Milliarden Euro pro Jahr.

irb/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
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1. Nun ja
felisconcolor 18.03.2016
die Zubehörindustrie will ja auch leben. Wollte eh schon immer einen schicken Tabakbeutel haben. Stellt schon mal genügend Mülleimer auf, damit die leeren Zigarettenschachteln dann nicht auf der Strasse oder am Strassenrand landen. Wahrscheinlich werden mehr Menschen sich in Kiosken erbrechen als das nur einer weniger raucht oder mit dem Rauchen anfängt.
2. korrekt aber
Baumi86 18.03.2016
dann sollten schockbilder auch auf jeder Bier, Wein und spirituosenflasche drauf sein . ich glaube an Alkoholkonsum sterben mehr Menschen.
3. Könnten wir jetzt bitte
zeichenkette 18.03.2016
auch endlich Werbung für Zigaretten in der Öffentlichkeit und den Verkauf von Zigaretten an Supermarktkassen und Tankstellen verbieten? Als jemand der wieder mal dabei ist, sich das Rauchen abzugewöhnen, geht es mir entsetzlich auf die Nerven, dass ich an jeder Kasse und an jeder Tankstelle mit zusammengebissenen Zähnen dastehen muss, um nicht in einem momentanen Anfall von Willensschwäche eine Packung Zigaretten zu kaufen. Ich fange immer erst dann wieder an zu atmen, wenn ich aus der Tür bin. Das ist einfach pervers. Für die großformatige Werbung an jeder Straßenecke gilt dasselbe. Ich finde Rauchverbote Mist, aber es muss einfach nicht sein, dass es fast unmöglich ist, im Alltag Zigaretten zu vergessen, weil sie einem ständig unter die Nase gehalten werden. Das ist einfach ein Hohn: "Rauchen ist ungesund, und verboten ist es auch fast überall, aber für die Scheißdinger Werbung machen und sie den Leuten überall unter die Nase zu reiben ist OK". Das ist doch Psychoterror. Ach ja: Wenn diese Bilder Wirkung hätten, gäbe es sie nicht. Werbung und Verkauf im Quengelbereich zu verbieten, hätte Wirkung, deshalb wird das nicht verboten.
4. .
thomas-1975 18.03.2016
In Thailand gibt es das schon lange. Die Leute sagen dann einfach: The one with the teeth please. Das ganze bringt meines Erachtens nix, aber man hat wenigstens eine Randgruppe, die man noch gängeln und diskriminieren kann. https://youtu.be/fjiUqb2SSw0
5. was hat der bisherige Aufdruck gebracht?
max.friedrich 18.03.2016
wer schon mal auf der BAB an einen tödlichen Unfall vorbeifuhr fuhr vielleicht 10 Minuten langsamer danach war das erlebte vergessen, genauso sehe ich es jetzt mit den Bildchen auf den Zig-Schachteln, einen Raucher wird das ziemlich egal sein, kostet nur extra Geld und wird nichts bringen.
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