Krebsregister: Startschuss für bessere Tumortherapie

Die Regierung sagt dem Krebs den Kampf an: Jetzt hat auch der Bundesrat das Krebsfrüherkennungsgesetz gebilligt und das flächendeckende Krebsregister auf den Weg gebracht, das die Versorgung von Patienten verbessern soll. Vor allem im Westen klaffen noch große Datenlücken.

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Volkskrankheit Krebs: Die Deutsche Krebshilfe bezahlt den Aufbau der Register

Berlin - Mehr Früherkennung und bessere Therapien sollen Fortschritte im Kampf gegen den Krebs in Deutschland bringen. Der Bundesrat billigte am Freitag in Berlin dazu das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz. Einheitliche Krebsregister sollen sämtliche Patientendaten erfassen.

Ziel ist es, die Behandlungen zu optimieren. Mit regelmäßigen Briefen sollen Versicherte zudem zu Untersuchungen für Darm- und Gebärmutterhalskrebs eingeladen werden. Innerhalb von drei Jahren sollen die Gremien des Gesundheitswesens die Details für die entsprechenden Früherkennungsprogramme entwickeln.

Versicherte sollen genau über Nutzen und Risiken informiert werden. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass Patienten, die ihr persönliches Krebsrisiko kennen und ausreichend über Vor- und Nachteile der Früherkennung informiert werden, bessere Entscheidungen treffen. Die Vorsorge bleibt freiwillig. Menschen ab 50 Jahren kommen bei Darmkrebs in Frage, bei Gebärmutterhalskrebs Frauen zwischen 20 und 65.

Bereits bestehende klinische Krebsregister werden ergänzt und bundesweit vereinheitlicht. Erfasst werden sollen die Daten der Patienten zu Diagnose, Behandlung, aber auch Nachsorge und Rückfällen. Einerseits sollen mögliche Schwächen laufender Behandlungen abgestellt werden. Darüber hinaus sollen im Nachhinein Lehren für künftige Fälle gezogen und Therapien verbessert werden.

Vor allem in Ostdeutschland gibt es solche Datensammlungen seit Jahren, auch in Bayern sind Register aufgebaut worden, im Westen klaffen aber noch große Lücken. Heute werden viele Patienten nach Expertenangaben nur zu 30 bis 40 Prozent gemäß den medizinischen Leitlinien behandelt. Jährlich erkranken in Deutschland 400.000 bis 500.000 Menschen neu an Krebs.

Krebs ist zweithäufigste Todesursache

Krebs ist hierzulande nach Herz- Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Die Neuregelung schaffe die Voraussetzungen, Therapien für krebskranke Menschen flächendeckend zu optimieren, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Und sie sei ein starkes Signal, dass Bund und Länder gemeinsam diese wichtige Aufgabe anpacken.

Der Aufbau der Krebsregister dauert jedoch noch einige Jahre. Nach anfänglichem Streit gab es letztes Jahr eine Einigung zur Finanzierung des Aufbaus für acht Millionen Euro. Die Deutsche Krebshilfe übernimmt 90 Prozent der Kosten, die Länder 800.000 Euro.

Bekannt ist, dass Datensammlungen dieser Art den Forschern viele Erkenntnisse liefern. Unter anderem stellte man beispielsweise fest, dass nicht bei jeder Brustkrebsoperation alle Lymphknoten im Achselbereich entfernt werden müssen. Um aber zu erkennen, ob eine Behandlung dem Patienten nutzt oder welche Risiken sie birgt, sind dennoch zusätzlich klinische Studien notwendig.

Beschlossen wurde mit dem Gesetz auch eine Regelung gegen unnötige Operationen in Krankenhäusern. So soll es keine Vereinbarungen von Kliniken mit ihren Chefärzten mehr geben, die auf viele Behandlungen abzielen. Die Krankenhausgesellschaft soll entsprechende Empfehlungen abgeben.

Krebsregister: Was das neue Gesetz bringt

Was bringt das neue Gesetz? Welchen Nutzen haben die Krebsregister? Und was ändert sich an den Kliniken? Mehr Infos zum Krebsfrüherkennungsgesetz lesen Sie hier.

cib/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Fantastisch!
papageipeter 01.03.2013
Hat man im Gesetz auch festgelegt woran die Patienten nun anstelle sterben sollen? Die Sterblichkeit beträgt meines Wissens immer noch 100%.... Wenn wir die Anzahl der Krebstoten senken muessen wir wohl anderswo die Zahlen erhöhen! (Ich will nicht sagen, dass krebsforschung sinnlos ist, aber bei der Formulierung der Zielsetzung sollte man vorsichtiger sein!)
2.
sparky0175 01.03.2013
@papageipeter, zum Glück ist die Rate bei Krebs deutlich unter 100%! Je nach Typ und Stadium ist das natürlich sehr unterschiedlich aber im wesentlichen deutlich unter 100%.
3. Vorsorge?
#Nachgedacht 02.03.2013
Große Datenlücke? Geht gar nicht! Wieder ein Zugeständnis an die Pharmalobby. Die Methoden immer noch umstritten. Dabei hat D weitaus wichtigere Probleme zu lösen. Im Hamsterrad wird Krebs keine große Rolle spielen aber gut das wir dann ein Flächendeckendes Krebsregister haben. Bezahlbare KV für alle! Nicht nur viele Rentner haben heute massive Probleme und werden vom Staat allein gelassen. Die Entwicklung war Alternativlos und mit sehr großer Weitsicht. Die GKV wollten von Selbstständigen die Höchstbeträge ohne Rücksicht der finanziellen Situation, die Heilsversprecher PKV kamen, mit sich im Nachhinein als falsch erweisenden Beitragsversprechen. So manches Mitglied reibt sich angesichts tatsächlicher Entwicklungen die Augen. Statt aber die Probleme endlich energisch anzugehen und bezahlbare Gesundheitsvorsorge für alle zu schaffen schränkt man sich auf Krebsvorsorge ein. Es geht dabei keinesfalls um die Menschen! Es ist ein reines Geschäftsmodell. [Satire]Der Datenschutz ist selbstverständlich in jeder Hinsicht gewährleistet.[/Satire] #Nachgedacht.
4.
pfzt 02.03.2013
Zitat von papageipeterHat man im Gesetz auch festgelegt woran die Patienten nun anstelle sterben sollen? Die Sterblichkeit beträgt meines Wissens immer noch 100%.... Wenn wir die Anzahl der Krebstoten senken muessen wir wohl anderswo die Zahlen erhöhen! (Ich will nicht sagen, dass krebsforschung sinnlos ist, aber bei der Formulierung der Zielsetzung sollte man vorsichtiger sein!)
Ich weiß zwar was sie meinen aber Krebs ist schon eine tückische Krankheit die auch junge Leute aus dem Leben reisst und verstörte Familien hinterläßt. Wenn man also irgendwie dafür sorgen kann das zumindest die meisten Menschen erst ab 80 sterben, dann finde ich das erstrebenswert und man sollte deshalb alles versuchen.
5.
silverfish 02.03.2013
Zitat von papageipeterHat man im Gesetz auch festgelegt woran die Patienten nun anstelle sterben sollen? Die Sterblichkeit beträgt meines Wissens immer noch 100%.... Wenn wir die Anzahl der Krebstoten senken muessen wir wohl anderswo die Zahlen erhöhen! (Ich will nicht sagen, dass krebsforschung sinnlos ist, aber bei der Formulierung der Zielsetzung sollte man vorsichtiger sein!)
Die Sterblichkeitsraten bei Krebs sind nicht 100 Prozent! Oder meinten sie die Sterblichkeitsraten der deutschen Bevölkerung? Dann haben sie recht, bisher ist mir noch keiner untergekommen, der ewig lebte. :-D
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