Schwerkranke Bundestag lässt Cannabis auf Rezept zu 

Eine Gesetzesänderung macht es möglich: Ab März bekommen schwer Erkrankte in Deutschland Cannabis auf Rezept, bezahlt von der Krankenkasse. Der Eigenanbau bleibt aber verboten.

Medizinischer Cannabis
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Medizinischer Cannabis


Der Bundestag hat Cannabis auf Rezept freigegeben. Verordnen Ärzte die Substanz in Zukunft, müssen Krankenkassen die Therapie bezahlen. Die Basis dafür liefert ein Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums, der jetzt verabschiedet wurde.

Die Entscheidung betrifft nach wie vor nur eine kleine Gruppe Schwerkranker: Um Cannabis auf Rezept zu erhalten, müssen die Betroffenen verschiedene Voraussetzungen erfüllen. So ist das Mittel nur für Menschen mit einer schweren, chronischen Erkrankung vorgesehen, bei denen zum Teil andere Therapien versagen.

Zudem wird mit der im März in Kraft tretenden Gesetzesänderung eine Begleitstudie beginnen, um die Wirkung der Therapie besser zu ergründen. Dazu übermitteln die Ärzte Daten etwa zu Diagnose, Therapie, Dosis und Nebenwirkungen anonymisiert an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Eigenanbau bleibt verboten

Bislang mussten Betroffene bei der Bundesopiumstelle am BfArM eine Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabisblüten oder -Extrakten beantragen, künftig soll das nicht mehr nötig sein. Derzeit verfügen laut BfArM 1020 Patienten über eine solche Genehmigung. Die Therapiekosten von monatlich meist mehreren Hundert Euro erhielten sie nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen erstattet.

"Das ist ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Palliativversorgung", erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Auch Marlene Mortler (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, begrüßte den Schritt: "Wem Cannabis wirklich hilft, der soll Cannabis nun auch bekommen können, in qualitätsgesicherter Form und mit einer Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen."

Weiterhin grundsätzlich verboten bleibt der Eigenanbau von Cannabis. Das Produkt sei qualitativ schlechter als das aus der Apotheke, begründet das BfArM seine Ablehnung. So sei zum Beispiel nicht kontrollierbar, wie viel vom Wirkstoff in einem Joint steckt und wie viel im nächsten. Ein Multiple-Sklerose-Patient schaffte es trotzdem im Oktober, auch für den Anbau eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Er hatte mit den hohen Kosten argumentiert und sich durch mehrere Instanzen geklagt.

Cannabis wird unter anderem gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und Aidspatienten, bei Rheuma sowie bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind chronische Schmerzen, ein Glaukom, ADHS und das Tourettesyndrom. Der medizinische Nutzen ist allerdings nur selten mit großen Studien belegt.

irb/AFP/dpa



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insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
ohne_mich 19.01.2017
1. Ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Aber - ganz nach Vorbild der USA - wird auch hier die alberne Prohibitionspolitik dagegen komplett fallen. Meine Güte, was der Staat an Steuern einnehmen UND an sinnlosen Ausgaben für Polizei und Justiz sparen könnte...
hansulrich47 19.01.2017
2. Mutlose Politiker!
Cannabis sollte schon deshalb freigegeben werden, weil damit Dealer und Beschaffungskriminalität entfielen. Wer zur Behandlung Cannabis benötigt oder auch nur meint es zu benötigen, sollte es auch anbauen dürfen! Aber die Freigabe von was auch immer fällt unseren Bestandserhaltern im Parlament offenbar furchtbar schwer! Da geht der Bogen vom Cannabis über die Apotheken und den ÖR bis zum Schornsteinfeger. Traut euch endlich was, ihr Lobbyhörigen!
CaptainEntropy 19.01.2017
3. Komisch -
ich rauche schon seit 20 Jahren Cannabis - ganz ohne Rezept!
Andraax 19.01.2017
4. Haha...
"Weiterhin grundsätzlich verboten bleibt der Eigenanbau von Cannabis. Das Produkt sei qualitativ schlechter als das aus der Apotheke, begründet das BfArM seine Ablehnung" Auch wenn die Abbildung wohl aus den U.S.A. kommt, sooo toll sieht das Gras da nicht aus. Da gibt es weit besseres aus dem Eigenanbau^^
unzensierbar 19.01.2017
5.
Noch immer im 19. Jahrhundert. Inzwischen sollte es jedem erlaubt sein Marijuana zu kaufen und selbst anzubauen.
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