Proben verwechselt Ebola-Verdacht nach Panne bei US-Seuchenschutzbehörde

Die US-Seuchenbehörde CDC hat sich erneut eine schwere Panne geleistet: Mitarbeiter haben sich möglicherweise mit dem Ebola-Virus infiziert, weil in einem Labor Proben verwechselt wurden.

CDC-Mitarbeiter in einem Hochsicherheitslabor: Panne mit Ebola-Viren
DPA/ CDC

CDC-Mitarbeiter in einem Hochsicherheitslabor: Panne mit Ebola-Viren


Atlanta - Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gehören zu den renommiertesten Seuchenschutzbehörden der Welt - doch dieser Ruf nimmt derzeit erheblichen Schaden. Jetzt wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter sich möglicherweise mit Ebola infiziert hat, als er während eines Versuchs in Kontakt mit dem Virus kam. Es ist bereits der dritte schwerwiegende Zwischenfall in der US-Behörde binnen weniger Monate.

Wie CDC-Sprecherin Barbara Reynolds erklärte, befanden sich die wahrscheinlich noch lebenden Ebola-Viren zwar in einem versiegelten Behälter. Er hätte aber nie an den Arbeitsplatz des oder der betroffenen Angestellten gelangen dürfen. Über die Person wurden keine Details bekannt. Sie könnte mit einer geringen Menge an Lebendviren in Kontakt gekommen sein und werde nun 21 Tage lang auf Anzeichen einer Erkrankung beobachtet, hieß es in einer schriftlichen Erklärung.

Weitere Mitarbeiter, die das Labor betreten hätten, würden ebenfalls auf eine mögliche Ansteckung untersucht, sagte CDC-Sprecher Tom Skinner der "New York Times". Es handle sich um weniger als ein Dutzend Menschen, und derzeit sehe es danach aus, als ob niemand von ihnen infiziert sei. Da die Proben ordnungsgemäß versiegelt gewesen seien und das CDC-Gelände nicht verlassen hätten, bestehe keine Gefahr für die Öffentlichkeit.

Der Zwischenfall ereignete sich bereits am Montag. Laut "New York Times" hat ein Hochsicherheitslabor Proben an ein weiteres Labor auf demselben Flur geschickt. Das Material hätte eigentlich abgetötete Ebola-Viren enthalten sollen, doch aufgrund einer Verwechslung seien wohl lebende Viren in das zweite Labor gelangt, das für deren Handhabung nicht ausreichend ausgestattet sei. Der Techniker dort habe zwar Handschuhe und Schutzanzug, aber keinen Gesichtsschutz getragen. Deshalb könnte es zu einer Infektion gekommen sein.

Was die Probe genau enthielt, kann nach CDC-Angaben nicht mehr ermittelt werden. Als man die Verwechslung am Dienstag entdeckt habe, sei das Material bereits vernichtet gewesen.

Pannenserie bei den CDC

Die Kritik an den CDC dürfte durch den erneuten Zwischenfall an Schärfe zunehmen. Erst im Juni mussten 52 Mitarbeiter vorsorglich mit Antibiotika behandelt werden, da sie nach einer Sicherheitspanne in einem Labor möglicherweise mit Milzbrandsporen in Berührung gekommen waren.

Im Mai war eine relative harmlose Grippeprobe bei den CDC mit dem gefährlichen H5N1-Erreger kontaminiert und dann ans US-Landwirtschaftsministerium geschickt worden. Da der Fehler dort entdeckt wurde, kam es glücklicherweise zu keiner Ansteckung. Die CDC-Leitung erfuhr allerdings erst im Juli von der Panne, und es dauerte zwei weitere Tage, ehe Behördenchef Thomas Frieden informiert wurde.

Kurz darauf musste sich Frieden im US-Kongress scharfe Fragen gefallen lassen - und räumte ein, dass die Fehler an den CDC keine Einzelfälle waren, sondern eher auf generelle Sicherheitsprobleme schließen ließen. Nach den beiden Zwischenfällen im Frühsommer hätten die Verantwortlichen erkannt, dass man handeln müsse.

"Sicherheitsvorkehrungen wie in einer Zahnarztpraxis"

Genau das aber ziehen andere Experten nach dem Ebola-Zwischenfall nun in Zweifel. "Sie haben nichts gelernt, sie lernen nichts, und sie sind anscheinend unfähig, etwas zu lernen", sagte Richard Ebright, Biowaffenexperte an der Rutgers University in New Brunswick (US-Bundesstaat New Jersey), der "New York Times". Die Fehler mit dem Ebola-Virus seien unentschuldbar. Ein Labor, das Proben mit abgetöteten Viren produziere, müsse sicherstellen, dass die Erreger auch wirklich tot seien. Und ein Labor, das solche Proben empfängt, müsse vor dem Beginn der Arbeit dieselbe Prüfung vornehmen. Der erneute Zwischenfall habe gezeigt, dass "die Sicherheitsvorkehrungen in den CDC-Laboren nicht über die einer Zahnarztpraxis hinausreichen", so Ebright.

CDC-Sprecher Skinner wandte ein, dass die Vorkehrungen sehr wohl existierten und man nun herausfinden werde, ob sie befolgt worden seien. Najmedin Meshkati, Professor für Anlagen- und Systemtechnik an der University of Southern California und laut "New York Times" ein Experte für Fälle von menschlichem Versagen, zeigte sich "sprachlos" angesichts des Ebola-Zwischenfalls bei den CDC. "Dies zeigt erneut, dass diese Organisation sich ernsthaft hinterfragen und ihre Sicherheitskultur verbessern muss."

Reynolds kündigte an, dass die CDC einen Bericht über den Vorfall veröffentlichen werden. Zusätzlich werde man ein externes Beratungsgremium einschalten, um die Arbeitsabläufe in den Laboren zu verbessern.

mbe/AP

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 25.12.2014
1. ohjeh!!
Zusätzlich werde man ein externes Beratungsgremium einschalten, um die Arbeitsabläufe in den Laboren zu verbessern. Weiß man nicht wie man die Sicherheitsvorschriften einhalten muss? Das findet in einem Land statt dass immer von sich behauptet an der Spitze in der Forschung usw. zu sein, peinlich!!!
Inuk 25.12.2014
2.
Fehler zu begehen liegt nun mal in der Natur des Menschen. Schon eine kleine Unbedachtheit könnte eine Katastrophe auslösen. Deshalb bin ich auch gegen Atomkraftwerke, wo ein GAU für Jahrhunderte eine ganze Region auslöschen kann.
bolzenbrecher 25.12.2014
3. Unglaublich!
Ich bin so froh, dass die westliche Welt in so sicheren und wohlbehaltenen Händen wie den USA gelandet ist. Da kann gleich viel beruhigter schlafen...
wll 25.12.2014
4. Kein Titel
Werte Redaktion, Virionen "leben" mangels eigenem Stoffwechsel nicht, sie sind allenfalls noch aktiv oder infektiös. ;-) Aber nun zum Thema selbst. Es ist schon beunruhigend zu sehen, wie selbst in hochrenommierten Laboren gepfuscht wird. Insbesonders, wenn man bedenkt, mit welch gefährlichen Erregern dort teilweise hantiert wird und wie immer wieder mantraähnlich heruntergebetet wurde, dass ein solcher Vorfall "völlig ausgeschlossen" sei. Vielleicht erinert sich der eine oder andere noch an die Diskussion um die Nachzucht des Erregers der Spanischen Grippe. Wie man jetzt gesehen hat, ist dem eben leider nicht so. Umso dringender wäre jetzt eine Diskussion, welche Lehren man daraus ziehen soll und ob bzw. welche Grenzen die Forschung an solchen Krankheitserregern haben sollte...
thomas.diemisere 25.12.2014
5. Alles im Griff!
Da sind nur sehr gut ausgebildete Experten am Werk. Da kann überhaupt nichts passieren. Es besteht keine Gefahr für Mensch und Umwelt. So hat man uns das doch berichtet und vorgegau(c)kelt.
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