"Transgender", "Fötus", "verwundbar" Forscher reagieren entsetzt auf Wörterverbot in USA

Sieben Formulierungen, darunter "Fötus" oder "Transgender", soll die US-Behörde CDC nicht mehr verwenden, wenn es ums Budget geht. Wissenschaftler finden den Vorgang lächerlich - und sind besorgt.

CDC-Gebäude in Atlanta, Georgia
DPA

CDC-Gebäude in Atlanta, Georgia


Das US-Gesundheitsministerium weist einen Bericht der "Washington Post" zurück, demzufolge die US-Regierung der Seuchenbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) eine Liste von sieben Wörtern und Formulierungen gegeben haben soll, die sie in manchen Dokumenten nicht verwenden darf. Die Behauptung, das Ministerium verbiete Worte, sei eine "völlig falsche Beschreibung der Diskussionen zur Ausformulierung von Budgetfragen", erklärte Sprecher Matt Lloyd.

Für die Gesundheitsfürsorge werde das Ministerium weiterhin die bestmöglichen wissenschaftlichen Befunde heranziehen, erklärte Lloyd. Er fügte hinzu, sein Ministerium ermutige auch weiter dazu, zur Bewertung von Programmen und für Budgetentscheidungen auf wissenschaftlich belegte Zahlen und Daten zurückzugreifen.

Fötus verboten?

Es geht um die Begriffe "Transgender", "verwundbar", "Fötus", "Diversität" (Vielfalt), "Anspruchsberechtigung", "auf wissenschaftlicher Grundlage" und "auf der Grundlage von Beweisen". Diese sollen in allen offiziellen Papieren, die vom CDC in Zusammenhang mit ihrem Budgetvorschlag für das nächste Haushaltsjahr erstellt werden, möglichst nicht mehr verwendet werden.

Die CDC ist dem Gesundheitsministerium unterstellt, hat mehr als 12.000 Mitarbeiter und ein jährliches Budget von umgerechnet etwa sechs Milliarden Euro. Sie ist nicht nur in den USA, sondern weltweit aktiv, ihre Aufgaben reichen von der Verhütung ansteckender Krankheiten über Nahrungsmittelsicherheit bis hin zur Bekämpfung von Krebs und Herzerkrankungen.

In der Wissenschaftswelt gab es empörte Reaktionen: "Zu den verbotenen Begriffen für Budgetdokumente des CDC gehören 'auf wissenschaftlicher Grundlage' oder 'auf der Grundlage von Beweisen'. Hier ein Wort, das noch erlaubt ist: lächerlich" mokierte sich die gemeinnützige Wissenschaftsorganisation AAAS im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Wirksamer Kampf so nicht möglich

Der Vizechef des Zentrums für Wissenschaft und Demokratie, Michael Halpern, sagte, nur wer offen und ehrlich über öffentliche Gesundheitsrisiken und deren mögliche Opfer spreche, könne sie auch wirksam bekämpfen.

Die Bewegung March for Science, die in diesem Jahr Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmern organisiert hat, forderte eine Rücknahme der Wörter-Zensur: Wissenschaftler müssten offen über ihre Forschung und deren Auswirkungen auf die Welt sprechen dürfen.

Wie die "New York Times" berichtet, gibt es auch innerhalb des CDC Verunsicherung. Bei der Verkündung hatten viele CDC-Mitarbeiter mit Ungläubigkeit reagiert. Eine CDC-Beamtin sagte anonym, sie habe von einer "Rückmeldung" aus der US-Regierung gehört, demzufolge die sieben Begriffe nicht mehr verwendet werden sollten. Ob es sich dabei um ein Verbot handele oder nicht, wisse sie nicht.

hei/AFP



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