Zwei Todesfälle: Vogelgrippe verängstigt chinesische Bevölkerung

Ein kaum bekanntes Vogelgrippe-Virus sorgt in China für Unruhe: Nachdem zwei Männer an dem Erreger gestorben sind, fürchten viele einen neuen Ausbruch der Krankheit. Noch fehlen Daten, um die Gefahr des Virus einschätzen zu können. Die WHO kündigt Untersuchungen an.

Kaum bekanntes Virus: Sechs Vogelgrippe-Tote in China Fotos
AP

Peking - Nach dem Tod zweier Männer in Shanghai wächst in China die Angst vor einem neuen Ausbruch der Krankheit. Wie das chinesische Gesundheitsministerium mitteilte, starben die Männer im Alter von 27 und 87 Jahren schon Ende Februar und Anfang März an der kaum bekannten Vogelgrippe-Variante H7N9. Der Zustand einer dritten, 35-jährigen Patientin aus der nahegelegenen Provinz Anhui sei kritisch, hieß es weiter.

Mittlerweile wurden noch vier weitere Krankheitsfälle bestätigt: In der östlichen Provinz Jiangsu erkrankten drei Frauen im Alter von 45, 48 und 32 Jahren sowie ein 83-jähriger Mann an dem kaum bekannten Virus - alle aus unterschiedlichen Ortschaften.

Bei vielen Chinesen weckten die Nachrichten Erinnerungen an vergangene Virusepidemien, der Erreger wurde zum Hauptthema in sozialen Netzwerken. "Erst war es H1N1. Jetzt ist es H7N9. Wie schlimm muss das dann erst sein!", schrieb ein Nutzer im twitterähnlichen Weibo-Dienst. Ein anderer fragte: "Ist das der zehnte Geburtstag von Sars?" Vor fast genau zehn Jahren hatte sich der Sars-Erreger, der zu den Coronaviren zählt, von der südchinesischen Provinz Guangdong über Hongkong auf der ganzen Welt ausgebreitet. Rund 800 Menschen starben an der Atemwegserkrankung.

Noch wissen die Behörden nicht, wie ansteckend das Virus ist

"Weil der Erreger für uns neu ist, haben wir noch nicht viele Daten über sein Verhalten und seine Wirkungsweise. Daher wissen wir noch nicht, ob er ansteckend ist", sagte Tang Fenyang vom Zentrum zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten der Provinz Jiansu. Die chinesischen Gesundheitsbehörden untersuchen derzeit das Virus.

Mittlerweile hat sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingeschaltet. Die Ereignisse in China werden genau verfolgt, teilte die Organisation mit. Die chinesischen Behörden hätten bereits Kontrollen ausgeweitet. Außer in Shanghai wurden am Dienstag auch in der Hauptstadt Peking Krankenhäuser in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Die im März gestorbenen Männer zeigten nach Angaben des Gesundheitsministeriums schon im Februar erste grippeartige Symptome, die Frau erkrankte dagegen erst am 9. März. Sie wird momentan in einem Krankenhaus der Provinz Jiansu behandelt. Alle Patienten litten zunächst unter Fieber und Husten, gefolgt von einer schweren Lungenentzündung mit Atemnot.

Noch ist unklar, wie sich die Patienten mit dem Erreger infizierten. Viele Epidemiologen halten allerdings in stark besiedelten Gebiete in China die Voraussetzungen für Infektionskrankheiten für ideal, um von Tieren auf den Menschen überzuspringen. In China leben die Menschen häufig eng mit Schweinen und Hühnern zusammen. Für eine akute Ansteckung von Mensch zu Mensch gab es bei den aktuellen Krankheitsfällen laut Behörden zunächst kaum Hinweise. Gleichzeitig erklärte das Ministerium jedoch, dass neben dem 87-Jährigen seine beiden Söhne ebenfalls ins Krankenhaus mussten - auch mit einer Lungenentzündung.

Von toten Vögeln fernhalten, gut die Hände waschen

"Die Krankheitsursache der beiden Söhne ist bisher nicht bekannt, aber wenn drei Personen aus einer Familie innerhalb kurzer Zeit eine schwere Lungenentzündung entwickeln, ist das naturgemäß ein Grund zur großen Sorge", sagte Michael O'Leary von der WHO auf einer Pressekonferenz. Experten halten es für möglich, dass der H7N9-Virustyp mutiert ist und dadurch gefährlicher für den Menschen wurde. Zum jetzigen Zeitpunkt allerdings handelt es sich dabei nur um Vermutungen.

Das chinesische Gesundheitsministerium empfahl vorsorglich, sich besonders von toten Vögeln fernzuhalten. Außerdem appellierte die Behörde an die Bevölkerung, sich gründlich die Hände zu waschen und auf Ernährung und Sport zu achten, um generell gegen Infektionen vorzubeugen. Shanghai will außerdem noch heute mit einem Notfallplan auf die beiden Todesfälle in der Stadt regieren. Ziel wird sein, Krankheitsfälle, bei denen es sich um den Erreger handeln könnte, besser zu erfassen.

Die sogenannte aviäre Influenza befällt vor allem Vögel, manche Formen können aber auch dem Menschen gefährlich werden: Der Erreger H5N1 infizierte nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen. 371 Patienten von ihnen starben. Bis Anfang 2012 registrierte die WHO in China 41 Erkrankungen und 27 Tote. Mediziner befürchten seit Jahren, dass der Vogelgrippe-Erreger H5N1 durch Mutationen oder genetische Vermischung mit einem anderen Virus ansteckender oder gar von Mensch zu Mensch übertragbar wird.

irb/AP/dpa

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1. ISt klar!
izra_l. 03.04.2013
Die letzte Schweinevogel-h1n5-0815-Grippe hat ja nach den Ausgaben in Milliardenhöhe für nutzlose Medikamente, gezeigt wie Pharmafirmen ihren Schrott an reGIERungen verkaufen. SPON half das Volk zu verängstigen. Nun hat gestern ein indisches Gericht Novartis ein Paetent abgeschlagen dass eigentlich nicht neu war. Novartis wollte sich nur nochmals die Rechte für 20 Jahre sichern, in Indien. Also, das schöne Geld werden sie nicht bekommen, da starten wir doch ne neue Vogelgrippe, oder? Was wirds sein, Schweine fallen vom Himmel und machen Muuuuh?
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