Englische Studie: Am Wochenende Operierte sterben häufiger nach dem Eingriff

Wahrscheinlich liegt es an der schlechteren Versorgung: Wer geplant an einem Freitag oder am Wochenende operiert wird, der stirbt in den Tagen nach der Operation eher als montags Operierte. Zu diesem Ergebnis kommt eine große britische Studie.

Operationstermin: Lieber montags als freitags Zur Großansicht
Corbis

Operationstermin: Lieber montags als freitags

"Thank God It's Friday" mögen sich viele Chirurgen denken, wenn sie nach einer langen Arbeitswoche das letzte Mal im OP stehen und ein freies Wochenende vor ihnen liegt. Für die Kranken allerdings, die auf dem Operationstisch liegen, bedeutet das Ende der Woche Gefahr. Zumindest in England haben Patienten, die spät in der Woche oder am Wochenende operiert werden, ein höheres Risiko, an den Folgen des Eingriffs zu sterben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung im "British Medical Journal".

Schon frühere Studien hatten Hinweise darauf gefunden, dass am Wochenende operierte Patienten nach ihrem Eingriff tendenziell häufiger sterben oder länger im Krankenhaus verweilen müssen. Bisher wurde dieser "Weekend Effect", auf Deutsch "Wochenendeffekt", allerdings vor allem bei akuten Operationen nachgewiesen, die sich nur schlecht verschieben lassen. Jetzt haben Forscher um Paul Aylin vom Imperial College London die Ergebnisse auch auf geplante Eingriffe übertragen.

Als Grundlage dienten ihnen Verwaltungsdaten und Statistiken englischer Krankenhäuser. Insgesamt flossen die Daten von mehr als vier Millionen geplanten Eingriffen ein, die zwischen September 2008 und November 2010 stattgefunden hatten. 4,5 Prozent der Eingriffe erfolgten am Wochenende - ein relativ geringer Anteil. 27.582 der Patienten starben innerhalb von 30 Tagen nach der Operation. Tatsächlich nahm das Sterberisiko der Patienten nach Montag mit jedem Tag der Woche, an dem der Eingriff erfolgte, statistisch signifikant zu.

Am Wochenende operiert: Sterberisiko 82 Prozent höher

Von allen untersuchten Pateinten überlebten 6,7 von 1000 die 30 Tage nach der Operation nicht. Im Vergleich zu den am Montag operierten war das Sterberisiko bei den freitags operierten um 44 Prozent erhöht; bei Operationen am Wochenende betrug der Unterschied sogar 82 Prozent. Beschränkten die Forscher ihre Analyse auf das Sterberisiko innerhalb der beiden Tage nach der Operation, unterschied sich das Risiko zwischen Montag und Freitag um 42 Prozent, zwischen Montag und dem Wochenende waren es sogar 167 Prozent.

Da in Deutschland in der Regel keine geplanten Eingriffe am Wochenende stattfinden, lassen sich die Ergebnisse nicht direkt auf die Strukturen hierzulande übertragen. Sie bestärken allerdings, dass es einen "Weekend Effect" für spät in der Woche operierte Patienten gibt. "Der Grund dafür bleibt unklar", schreiben die Forscher in der Studie. "Allerdings ist bekannt, dass schwere Komplikationen meist in den ersten 48 Stunden nach der Operation auftreten. Durch reduziertes Personal oder Aushilfskräfte kommt es möglicherweise dazu, dass Patienten am Wochenende seltener gerettet werden können."

Noch handelt es sich bei der Begründung allerdings nur um Mutmaßungen, Ursachen des Effekts konnten die Forscher mit den Daten nicht belegen. Die Ergebnisse wiesen zwar darauf hin, dass die Versorgung am Wochenende schlechter sei, schreiben die Forscher. Was genau hinter dem Effekt stecke, müssten jedoch weitere Studien im Detail untersuchen - damit auch für die Wochenendpatienten die bestmögliche Versorgung gesichert werde.

irb

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Solange
TheGossip 30.05.2013
nicht sauber herausgearbeitet wird, dass in England keine Neigung besteht, Routinefälle eher in der Woche und am Wochenende kaum mehr als die Notfälle zu erledigen, halte ich die Meldung für eine statistische Handgranate.
2. optional
triple-x 30.05.2013
Gerade lebendig ;-) aus dem Krankenhaus zurückgekehrt, kann ich mir das schon vorstellen. Die Versorgung am Wochenende selbst für die "Bestandspatienten" war auf ein Minimum zurückgeschraubt, lediglich ein diensthabender Arzt, der erst nach 6 Stunden Zeit hatte, eine defekte Kanüle für Schmerzmittel auszutauschen. Schwestern durften diese an sich einfache Arbeit leider nicht machen.
3. Kenne ich - leider
quark@mailinator.com 30.05.2013
Habe diesbezüglich 3 Opfer in der Familie - jeweils am Freitag akut schwer erkrankt. Jeweils, mehr oder weniger, über's Wochenende einfach liegen lassen, jeweils schwere Schädigungen dadurch. Aber die Minimalbelegung an unseren Krankenhäusern kann halt über das Wochenende keine gleichwertige Arbeit gewährleisten. Warten wir lieber, bis am Montag der Doktor wieder da ist. Bei all dem Leid, was uns dadurch entstanden ist, verfluche ich die Kurpfuscher. Es wird halt auf Kosten der kleinen Leute gespart ohne Ende, egal ob Bildung, Rente, Straßen oder eben Medizin.
4. Einsam wacht der AIP Sonntag Nacht
alfons11:45 30.05.2013
Es liegt auch ohne Studie auf der Hand, dass die Reaktionszeit auf Komplikationen um so kürzer ist, je vollständiger das Personal angetreten und je weniger Patienten es aktuell versorgen muss. Und ebenso ist die (mittlere) Reaktionszeit kürzer, wenn z.B. der Arzt im Dienst ist, der den Patienten kennt. Geht es auf den späten Nachmittag zu, dann werden viele Untersuchungen auf den nächsten bzw. übernächsten Tag verschoben. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass es dann zu spät ist. Derartige Untersuchungen sind für jedes Krankenhaus notwendig. Und die Ergebnisse sollten veröffentlicht und sauber eingeordnet werden.
5. Der Storch der die Kinder bringt
squizzelchen 30.05.2013
Typische Fehlauswertung einer Statistik. Und genauso peinlich ist es, dass eine seriöse Spiegel Online Redaktion diesen Fehler begeht. Jeder halbwegs betagte Mensch weiß doch inzwischen, dass Korrelation kein Beweis für kausalen Zusammenhang ist. Wo ist der Beweis für die Zusammenhänge die hergestellt werden?? vielleicht sind es ja auch kosmische Strahlungen die am.Wochenende zunehmen. Ich denke der Kommentar ziemlich am Anfang erweist sich als richtig: am Wochenende werden nur Not OP durchgeführt sodass der Anteil der gefährlichem Operationen stark ansteigt
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