Chronische Blepharitis Wenn das Augenlid ständig juckt

Juckreiz, klebrig-verkrustete Augenlider nach dem Aufwachen, das Gefühl eines trockenen, gereizten Auges und ständiger Tränenfluss - all das kann zu einer dauerhaften Entzündung an der Lidkante gehören. Das Wichtigste bei deren Therapie: warmes Wasser und Behutsamkeit.

Auge: In den Wimpern können Milben leben, ob sie Entzündungen auslösen, ist jedoch nicht geklärt
AFP

Auge: In den Wimpern können Milben leben, ob sie Entzündungen auslösen, ist jedoch nicht geklärt


Mit einer chronischen Entzündung am Lidrand kann mancher gut leben - die Beschwerden beachtet nicht jeder. Andere empfinden die chronische Blepharitis dagegen als sehr störend und quälend, sagt Christian Ohrloff, Pressesprecher der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Heidelberg. Am wichtigsten bei der Behandlung sei eine behutsame und regelmäßige Pflege.

Wie viele Menschen von der Augenkrankheit betroffen sind, ist nicht bekannt. Augenärzte berichten, dass sie das Phänomen eher häufig als selten sehen. Während eine akute Lidrandentzündung plötzlich kommt und meistens durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird, könne eine chronische Blepharitis Wochen, Monate oder sogar Jahre bestehen, sagt Thomas Reinhard von der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Eine gestörte Funktion der Talgdrüsen liegt den Beschwerden zugrunde. Pro Lid gibt es etwa 20 bis 25 davon. "Der Talg soll die Haut weich halten, er ist aber auch wichtig für den Tränenfilm", sagt Ohrloff, ehemaliger Direktor der Klinik für Augenheilkunde der Universität in Frankfurt am Main. Dieser Schutzfilm auf der Augenoberfläche besteht aus mehreren Komponenten: einer Art Schleim, einer wässrigen Schicht aus den Tränendrüsen und dem fettigen Anteil aus den Talgdrüsen.

Manchmal gebe es keine erkennbare Ursache für die chronische Entzündung, sagt Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA). Gelegentlich werde eine schlechte Immunabwehr verantwortlich gemacht.

Läuse-Eier an den Wimpern

Bei einem Teil der Patienten gibt es wohl eine genetische Basis. "Die Talgdrüsen produzieren falsche Fette, die nicht gut sind für den Tränenfilm, dann kann es wegen des Ungleichgewichts zu einer Besiedelung mit Bakterien kommen", sagt Reinhard. Die Bakterien ihrerseits stellten bestimmte Enzyme her, die Fette auflösen. Das Immunsystem schicke Zellen und Botenstoffe, eine Entzündungskaskade gerate in Gang.

Ein Teil der Betroffenen leidet zudem an Hauterkrankungen, bei denen Talgdrüsen vermehrt Sekret bilden (Seborrhöe), an Allergien oder Neurodermitis. Auch Rosazea-Patienten haben häufig eine Blepharitis.

Im Blickpunkt als Auslöser stehen auch Milben, die in den Haarschäften der Wimpern leben. "Diese Milben findet man bei vielen Menschen, ob sie ursächlich für eine Blepharitis sind, ist fraglich", schränkt Reinhard aber ein. In seltenen Fällen entdecken Augenärzte Eier von Läusen an den Wimpern. Auch Kontaktlinsen können bei einer Blepharitis eine Rolle spielen.

Bei einer lange andauernden Blepharitis kann es zur "Fehlstellung" eines Lids oder zu Schäden am Rand der Hornhaut kommen. Das Sehvermögen sei zwar lange Zeit nicht beeinträchtigt, dennoch gelte es, diese Schäden zu vermeiden, sagt Reinhard. Verstopfe oder entzünde sich eine Talgdrüse, könne es zu einem sogenannten Hagelkorn kommen, also zu einem kleinen Knötchen im Lid.

Vorsichtige Reinigung

Um herauszufinden, wie stark der Schutzfilm gestört ist, machen die Augenspezialisten Tests. Liegt ein Trockenes Auge vor, kann künstliche Tränenflüssigkeit ohne Konservierungsstoffe helfen. Kortikosteroide stehen zur Verfügung, falls eine immunologische Reaktion eine Rolle spielt, sagt Reinhard. Aufgrund der Nebenwirkungen sollten sie nur kurzfristig gegeben werden. Manchmal kann der Einsatz von Antibiotika sinnvoll sein.

Das Wichtigste bei der Blepharitis-Behandlung ist jedoch die sorgfältige Lidrandhygiene, damit sich unter den Krusten keine Bakterien ansiedeln können, sagt Ohrloff. Am besten reinige man die Haut zwischen den Wimpern mit lauwarmem Wasser. Mit einem Wattestäbchen könne man die Talgdrüsen vorsichtig entleeren, falls diese vermehrt Sekret bildeten oder verstopft seien. "Das ist aber oft leichter gesagt als getan", sagt er und mahnt zur Vorsicht. Reinhard rät, beim Reinigen nicht zu stark zu rubbeln.

Wärme für einige Minuten auf den Lidern kann nach Angaben der Augenärzte bei der Lidhygiene helfen. Teils werden warme, saubere Waschlappen oder Kompressen genannt. Reinhard empfiehlt diese allerdings nicht mehr, weil sie zu schnell auskühlen, sondern spezielle Wärmepads, die in der Mikrowelle auf etwa 40 Grad Celsius erhitzt werden können. Die Auflagen sollten aber nicht zu heiß sein, damit es nicht zu Verbrennungen kommt.

Christiane Löll, dpa

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marres 08.01.2014
1. Blepharitis
Vielen Dank für diesen Artikel. Obwohl es sich bei der Blepharitis sicherlich nicht um eine schwere Krankheit handelt, stehen die Betroffenen insbesondere bei der chronischen Ausprägung oft unter einem hohen Leidensdruck, da sie im Grunde kontinuierlich sowohl die pathologischen Symptome als auch die kosmetischen Auswirkungen spüren. Der Artikel zeigt nun eine gewisse Unsicherheit der Augenärzte bei der Erklärung der Ursachen. Auch ich hatte über Jahre eine schwere Blepharitis, die mit Hautabschuppungen einherging (B. squamosa). Alle ärztlichen Therapien halfen nichts - neben antibiotischen Behandlungen wurden mir sogar tägliche Augenübungen wegen der Bildschirmarbeit nahe gelegt. Nach einem schweren Schub fiel mir plötzlich ein ganz anderer Zusammenhang auf: die Ernährung mit Milchprodukten und die Schwere der entzündlichen Reaktionen am Augenlid. Da ich zehn Jahre in der medizinischen Forschung gearbeitet habe, recherchierte ich sofort in der einschlägigen Literatur: Ein solcher Zusammenhang wurde meines Wissens bisher nicht beschrieben. Indes: Seit ich mich laktosearm bzw. - frei ernähre, habe ich keine Symptome mehr. Ich würde mich freuen, wenn Erkrankte in ähnlicher Situation dies einmal ausprobieren würden. Schreiben Sie mir, wenn es geholfen hat - ich würde die Ergebnisse dann gerne auswerten.
collermann 08.01.2014
2. 5 Jahre eitrige Augenentzündung nach 5 Tagen weg!
Vielleicht hilft mein Vorgehen auch anderen Leidenden. Ich hatte über 5 Jahre hinweg vereiterte und verklebte Augen. Eiter wurde mehrfach durch Operationen entfernt. Ich hatte sehr teure Untersuchungen beim Hautarzt und bekam Antibiotika und Kortison. Nichts half. Meine Augenärztin empfahlt mir, die Augen immer gründlich unter der Dusche vorsichtig zu spülen und meine Augen mit Fencheltee zu benetzen (mit Watte). Da ich hierdurch etwas Linderung hatte, aber zu faul war, mir mehrmals täglich den Tee zu kochen, fragte ich in einer Apotheke nach, ob es nicht fertigen Fenchel Extrakt gibt. Zum Glück nicht, denn die Apothekerin empfahl mir Wala Euphrasia Augentropfen. Das ist ein Augentrost Extrakt. Das Wunder geschah. Nach ca. 5 Tagen war ich fast beschwerdefrei. Ich nahm das Mittel noch etwas länger, bis ich das Gefühl hatte, dass meine Augen wirklich ausgeheilt waren. Seit 6 Jahren bin ich beschwerdefrei! Ich habe die Tropfen immer noch im Kühlschrank. Sollte ein Auge mal etwas brennen, nehme ich sofort wieder vorsorglich einige Tropfen.
rapidoverlightbrands 08.01.2014
3. Rotlichtlampe ist besser, einfach Abwenden!!!
Null Wasser, null nutzlose Energie und null Pads die nicht immer sicher sind, wie die letzte Rückrufaktion von einer Kaffeekette gezeigt hat.
stefan412 11.01.2014
4. Jahrelang Augenliedentzündung
Über Jahre weg hatte ich eine Lidrandentzündung, mehr am linken als am rechten Auge. Ständig gerötet, vor allem aber dieses weisse Zeugs im Auge. Habe viel im Internet nach Hilfe gesucht. Ein paar Monate lang habe ich immer am Abend auf die geschlossenen Augen Urin eingerieben. Und siehe da, es wirkt. Zu über 95 % beschwerdefrei.
saintjulians 03.12.2014
5.
Ich bin 32, m, eig. sehr gesund, rauche nicht, trinke fast nichts, esse gesund und treibe etwas Sport. Seit April Lidrandentzündung. 2-3x tägl. Pflege (Massage, Wärme, Reinigung) paar Wochen Antibiotika, kurz auch mit Cortisol. Im September hatte ich das Gefühl, es war weg. Ende Oktober dann ein Jucken an den Lidrändern, beide Augen. Augenarzt sprach von Milben, gab mir Naviblef. Rechtes Augenlid wieder errötet. Wieder Pflege, zusätzlich noch Augentrost-Tropfen aus der Apotheke. Symptome: Selten noch Juckreiz, ab und zu Wimpernausfall und leicht klebriges Gefühl, trockene Augen. Die Rötung geht zurück aber nicht ganz weg. Meine FRAGE: Wie lange dauert das? Was soll ich tun bzw. wie soll das weitergehen? Gibt es noch andere Hilfen? Vielen Dank für jeden Tipp! Zur LAKTOSE: Ich probiere das seit etwa eineinhalb Wochen. Die Frage ist halt, was der genaue Hintergrund der Entzündung ist. Ich weiss, dass Joghurt bei mir bis ich etwa 25 war Hautunreinheiten auslöste. Haben Sie einen Zusammenhang gefunden?
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