Rücktritt von Volker Beck Wie gefährlich ist Crystal Meth?

Crystal Meth wirkt extrem aufputschend und leistungsfördernd. Doch der Preis dafür ist hoch: Die Droge macht schnell süchtig und kann Gehirn und Psyche schädigen.

Crystal Meth (Archivbild)
DPA

Crystal Meth (Archivbild)


Serienjunkies kennen die Droge aus "Breaking Bad", wo Walter White und sein Komplize Jesse Pinkman Crystal Meth in großen Mengen herstellen. In Verbindung bringen wird man die Substanz in nächster Zeit wohl auch mit dem Grünen-Politiker Volker Beck. 0,6 Gramm eines Rauschmittels sollen bei ihm gefunden worden sein. Laut dem "Bild"-Bericht handelt es sich vermutlich um Crystal Meth.

Was ist Crystal Meth?

Das kristalline N-Methylamphetamin kann unter anderem aus legalen, nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten gegen Husten- und Erkältungsbeschwerden gewonnen werden. Es wirkt stark aufputschend, Soldaten wurde die Substanz in ähnlicher Form und unter der Bezeichnung Pervitin schon im Zweiten Weltkrieg verabreicht.

Karriere einer Droge
Die Droge kann in ihrer kristallinen Form geraucht werden, meist wird sie aber als Pulver geschnupft oder als Tablette geschluckt. Dann ist der Rausch weniger intensiv, hält aber länger an. Aufgelöst lässt sich Crystal Meth auch spritzen, das erhöht die Suchtgefahr im Vergleich zu den anderen Methoden drastisch.

Crystal Meth wird hauptsächlich in Laboren in Tschechien produziert und gelangt über die Grenze anschließend nach Deutschland. Konsumenten zahlen für ein Gramm in Tschechien etwa 25 Euro, an der Grenze zu Deutschland 60 Euro und in weiter entfernten Großstädten um die 120 Euro.

Wie verändert Crystal Meth den Körper?

Crystal Meth verwandelt seine Konsumenten in Überflieger, allerdings nur für kurze Zeit. Der Körper stellt massenhaft Botenstoffe wie die Glückshormone Serotonin und Dopamin oder das Stresshormon Noradrenalin zur Verfügung. Angstgefühle schwinden, die Leistungsfähigkeit steigt.

Die Kristalle putschen ihre Konsumenten dabei noch stärker auf als Speed oder Ecstasy, allerdings können auch die Nebenwirkungen noch gewaltiger ausfallen. Auf Bildern lässt sich nachvollziehen, wie die Droge manche Menschen innerhalb weniger Monate verändert. Ihre Haut wird aschfahl, die Wangen fallen ein, Pickel und eitrige Geschwüre übersäen das Gesicht, die Haare stehen struppig vom Kopf, die Zähne fallen aus.

Neben den äußeren Veränderungen hinterlässt der Wirkstoff bei vielen auch innere Spuren. Auf Dauer kann er Nervenzellen im Gehirn schädigen, die Betroffenen leiden unter Paranoia und können tagelang nicht schlafen. Sie verspüren keinen Hunger mehr, keinen Durst und keine Schmerzen. Ihr Gewicht schwindet, sie werden aggressiv. Weitere mögliche Folgen reichen von einem krankhaften sexuellen Verlangen bis hin zu Herzproblemen. Durch die starke sexuelle Stimulanz steigt das Risiko, sich mit HIV zu infizieren.

So schildern es viele Experten, einige Forscher halten dieses Schreckensbild allerdings für übertrieben. Carl Hart, Professor und Drogenforscher an der Columbia University in New York schätzt, dass etwa zehn bis zwanzig Prozent der Crystal-Nutzer süchtig werden. Andere warnen, dass die Suchtgefahr schon beim ersten Gebrauch enorm hoch ist.

Hart berichtet auch, er könne bei gemäßigten Langzeitnutzern weder Hirnschäden noch Unzurechnungsfähigkeit diagnostizieren. Seine Kritik: Häufig würden extreme Einzelfälle als die Regel dargestellt. In vielen Fällen sei nicht Crystal selbst das Problem, sondern die Perspektivlosigkeit der Nutzer. Kritiker werfen ihm Verharmlosung vor.

Welche Bedeutung hat die Droge in Deutschland?

Crystal Meth entwickelt sich in Deutschland zu einem immer größer werdenden Problem, vor allem in den beiden an Tschechien angrenzenden Bundesländern Sachsen und Bayern ist die Droge weit verbreitet. 2014 wurden laut BKA in Deutschland 74 Kilogramm des kristallinen Methamphetamin beschlagnahmt, 2013 waren es sogar 77 Kilogramm. Zum Vergleich: Noch 2009 entdeckten die Beamten nur 7,2 Kilogramm des Stoffes.

Lange Zeit galt Crystal Meth als Straßen- und Partydroge. Inzwischen wird die Substanz aber zunehmend auch am Arbeitsplatz, an Universitäten oder in Schulen genutzt. Ein Drittel der Befragten einer deutschen Studie nennt "Schule und Studium" als Grund, zu Crystal Meth zu greifen. Auch junge Eltern zählen demnach zu den Risikogruppen.

"Methamphetamine bedienen den Zeitgeist", warnt die Suchttherapeutin Annegret Sievert, die in der Reha-Klinik Hochstadt bei Bayreuth Abhängige behandelt, in einem SPIEGEL-Artikel. "Wir alle müssen immer mehr Arbeit in immer weniger Zeit erledigen." Nach der aufputschenden Wirkung fallen die Konsumenten der Droge allerdings in eine großes Loch. Die Energie, die der Körper zusätzlich mobilisiert hat, fehlt. Es folgen Erschöpfung, Antriebslosigkeit, ein extremes Schlafbedürfnis - und das erneute Verlangen nach der Substanz.

jme/irb



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.