Färbt sich der Test blau, beginnen die Sorgen: Bei der Früherkennung auf Darmkrebs bekommen viele Patienten beim ersten Mal einen Guajak-Test in die Hand gedrückt. Ein solcher führt einen Mann ins General Hospital im britischen Sheffield. Seine Stuhlproben, die er für den Test abgegeben hatte, färbten sich durch das Aufträufeln der Reaktionslösung - Wasserstoffperoxid - blau. Die Ärzte horchen auf, denn der Test spürt Spuren von Blut im Stuhl auf, ein deutlicher Hinweis auf ein Krebsgeschwür im Darm.
Wie Nicolas Rabb und Kollegen im Fachmagazin "BMJ Case Reports" berichten, wendet sich der Mann nach dem positiven Test an die Abteilung für Darmkrebsvorsorge. Mit 69 Jahren leidet er an einer chronischen Lungenerkrankung (COPD) und Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit).
Weil der Guajak-Test - regelmäßig durchgeführt - zwar ein Hinweis auf einen Darmtumor sein kann, alleine bei weitem aber nicht zuverlässig genug ist, untersuchen Rabb und seine Kollegen den Mann weiter. Sie machen eine Koloskopie, eine Untersuchung des Dickdarms bis in den Dünndarm. Ein flexibles Endoskop wird weit in den Darm hineingeschoben. An der Spitze befinden sich Licht und Kamera, über einen Bildschirm kann der Untersucher direkt auf die Schleimhaut des Darmes blicken. Bei der Koloskopie fällt den Ärzten eine Engstelle im Sigma auf, dem letzten Abschnitt des Dickdarms.
Eine weitere Untersuchung soll Aufschluss bringen, was genau an dieser Stelle das Dickdarmlumen einengt: Die Ärzte füllen den Dickdarm des Patienten mit Bariumbrei auf und durchleuchten ihn mit Röntgenstrahlen. Weil Barium röntgendicht ist, können sie erkennen, wo im Darm der Brei sich befindet, und wo er sich nicht ausbreiten kann. Auch hier fällt die Engstelle im Sigma auf.
Handelt es sich möglicherweise um einen Tumor, der ringförmig um den Darm herumwächst?
Die Ärzte führen eine weitere Koloskopie durch, in der Hoffnung, an der Engstelle mehr zu sehen als beim ersten Versuch.
Erst im zweiten Anlauf finden Ärzte den entscheidenden Hinweis
Beim zweiten Anlauf gelingt es ihnen schließlich, den Grund für die Verengung auszumachen: Mitten durch das Darmlumen hindurch reicht eine harte Struktur, von Wand zu Wand. Die Enden verschwinden in der Schleimhaut. Doch der untersuchende Arzt schafft es weder, den Fremdkörper mit einer durch das Endoskop geschobenen Zange zu greifen, noch eine Probe davon zu nehmen. Erneut beugen sich die Ärzte über die Krankenakte des Patienten.
Der Mann war nur wegen seines positiven Guajak-Tests in die Klinik gekommen, aktuelle Beschwerden hatte er nicht angegeben. Allerdings war er in einem anderen Krankenhaus zwei Monate zuvor wegen Schmerzen in der linken Hüfte aufgenommen worden. Dort hatten die Mediziner eine Computertomografie (CT) gemacht und eine Divertikulitis diagnostiziert. Dabei entzünden sich Ausstülpungen (Divertikel) der Darmwand. Mit Hilfe von Antibiotika konnten die Ärzte dem Patienten helfen.
Auch Nicolas Rabb und seine Kollegen entscheiden sich jetzt für eine CT. In den Bildern entdecken sie die Struktur, die weiß leuchtend, hell wie Knochen auf CT-Bildern, inmitten des Darmes liegt - wo eigentlich kein Knochen zu erwarten wäre. Ein typischer Darmtumor sieht auf einer CT anders aus. Offensichtlich spießt sich ein Knochen einmal durch den Dickdarm des Patienten, auf beiden Seiten steht er um mehrere Millimeter über die Darmschleimhaut hinaus und ragt so in die Bauchhöhle hinein. Nicht ein Tumor, sondern der Knochen war also wahrscheinlich die Ursache des versteckten Bluts im Stuhl des Mannes.
Obwohl der Knochen dem Mann keine Schmerzen bereitet, entscheiden sich seine Ärzte für eine Operation. Zu groß erscheint ihnen das Risiko, dass der Knochen doch noch Komplikationen hervorrufen könnte. Ihn einfach in einer weiteren Koloskopie zu zerbrechen und in Bruchstücken aus dem Darm zu entfernen, birgt aus Sicht der Mediziner ebenfalls zu viele Risiken. Schließlich entfernen Chirurgen das Sigma des Patienten. Anschließend untersuchen Pathologen den Fremdkörper: Vier Zentimeter misst der Knochen, die Schleimhaut des Patienten trägt Zeichen einer dauerhaften Entzündung.
In ihrer Fallbeschreibung stellen sich Autoren die Frage, ob der Knochen wirklich entfernt werden musste. Sie kommen aber zu dem Schluss, dass kein Weg daran vorbeiführte, obwohl es Berichte gibt, nach denen Patienten bis zu 30 Jahre ohne Beschwerden mit Fremdkörpern im Darm lebten. Doch dieser Mann hatte bereits einmal Beschwerden, die möglicherweise vom Knochen verursacht worden waren - beim nächsten Mal hätte eine Entzündung zu schwerwiegenden Komplikationen führen können.
Um was für einen Knochen es sich handelt, schreiben die britischen Mediziner nicht. Vermutlich hat der Patient ihn irgendwann mitgegessen.
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