Gerichtsurteil Wie gefährlich sind Drucker?

Ein Mann aus Hessen wollte seine Atembeschwerden als Berufskrankheit anerkennen lassen - er hatte jahrelang in einem Kopierladen gearbeitet. Ein Gericht wies die Klage nun ab.

Drucker (Symbolbild)
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Drucker (Symbolbild)


Atemwegsbeschwerden durch Tonerstaub sind keine Berufskrankheit, entschied das hessische Landessozialgericht in Darmstadt. "Nach wissenschaftlichem Erkenntnisstand ist nicht davon auszugehen, dass Tonerpartikel oder Laserdruckeremissionen generell geeignet sind, beim Menschen Gesundheitsschäden zu verursachen", heißt es in der Begründung der Richter.

In dem konkreten Fall ging es um einen 63-Jährigen, der vier Jahre lang in einem Kopierladen gearbeitet hatte. Er habe täglich in einem 30 Quadratmeter großen Raum zwischen 5000 und 10.000 Blatt kopiert und gedruckt. Dabei sei er erheblichen Mengen an Tonerstaub ausgesetzt gewesen, die ihn schließlich krank gemacht hätten, erklärte der Mann. Er wollte seine Atemwegsbeschwerden deshalb als Berufskrankheit anerkennen lassen.

Nur im Einzelfall schädlich

Die zuständige Unfallversicherung lehnte den Antrag jedoch ab. Es sei nicht bewiesen, dass die Drucker die gesundheitlichen Probleme verursacht hatten. Der Mann zog daraufhin vor Gericht - ohne Erfolg.

Die Richter argumentierten, der 63-Jährige habe schon vor seiner Tätigkeit im Druckerraum an Heuschnupfen und Asthma gelitten. Tonerstaub könne zwar allergische Stoffe beinhalten. Es sei jedoch nicht nachgewiesen, in welchem Maß der Mann diesen Stoffen ausgesetzt gewesen sei. Das lasse sich auch nicht mehr ermitteln, weil sein früherer Arbeitsplatz mittlerweile umgestaltet wurde.

Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen verursachten Emissionen aus Tonern und Laserdruckern keine generellen Gesundheitsschäden, erklärte das Gericht. Im Einzelfall könnten die Emissionen zwar schädlich sein. Allerdings setze die Anerkennung dieser Schäden einen Test voraus, bei dem eine allergische Reaktion nachgewiesen werde. Dazu sei der Mann nicht bereit gewesen.

Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin liegen die Emissionen von Laserdruckern und Kopierern weit unter den gültigen Grenzwerten. Allergien gegen Toner seien sehr selten. Epidemiologische Untersuchungen hätten bisher keinen sicheren Beweis geliefert, dass der Staub von Tonern chronische Atemwegserkrankungen oder Lungenkrebs auslösen könnte. Dennoch raten Experten, Drucker und Kopierer in einem gut belüfteten Raum aufzustellen. Wird ein Gerät sehr häufig benutzt, sollte es in einem separaten Raum stehen.

koe/AFP



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