Regen in Deutschland: "Sonnenbrand ist nicht auszuschließen"

Der Dauerregen nervt. Gefährdet das schlechte Wetter gar die Gesundheit? Die Medizin-Meteorologin Christina Koppe erklärt im Interview, wieso man im Mai keine Winterdepression bekommt - trotz dunkler Wolken, Nässe und Kälte.

Wetter: Nass, nasser, Deutschland Fotos
DPA

SPIEGEL ONLINE: Frau Koppe, bekommen die Deutschen wegen des schlechten Mai-Wetters jetzt eine Winterdepression?

Koppe: Das erwarte ich nicht. Wegen des hohen Sonnenstandes im Mai haben wir jetzt auch an einem bedeckten Tag um die 20.000 Lux. Bei einer Winterdepression therapiert man mit einer Lichtdusche gerade einmal mit der Hälfte, also 10.000 Lux. Für Leute, die trotz des regnerischen Wetters rausgehen, sollte eine Winterdepression kein Problem sein, weil der Körper genug des Glückshormons Serotonin produziert. Dass wir im Mai ein anderes Wetter erwarten, ist eine andere Sache.

SPIEGEL ONLINE: Hat denn das regnerische Wetter auch positive Auswirkungen?

Koppe: Abgesehen von der oftmals gedrückten Stimmung hat der Regen für Pollenallergiker unter Umständen positive Folgen. Der Pollenflug spielt für sie eine Rolle, er wird durch das Wetter beeinflusst. Durch den Niederschlag werden die Pollen oft ausgewaschen, von daher ist die Pollenbelastung in den verregneten Regionen geringer als sonst um diese Jahreszeit.

SPIEGEL ONLINE: Einen Sonnenbrand holt man sich bei dem Wetter vermutlich auch nicht?

Koppe: Das kommt darauf an. Wenn es die Sonne doch mal mittags durch die Wolken schafft und die Haut noch nicht an die Sonne gewöhnt ist, ist auch ein Sonnenbrand nicht auszuschließen. Das Potential der Sonne ist da, und oft reicht eine Stunde in der Mittagssonne, bei sehr hellhäutigen Personen oft sogar noch weniger. Informationen zum aktuellen UV-Index sind online erhältlich.

SPIEGEL ONLINE: Müssen wir uns im Moment Sorgen wegen der Ozonwerte machen?

Koppe: Bodennahes Ozon entsteht durch eine fotochemische Reaktion. Dafür braucht man Luftschadstoffe und Sonnenstrahlung. Dadurch, dass die Sonnenstrahlung in der letzten Zeit eher schwach war und die Luftschadstoffe oftmals vom Wind recht schnell aus den Städten geweht wurden, dürfte das bodennahe Ozon im Moment kein Problem sein.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es sonst noch Auswirkungen des regnerischen Wetters auf unsere Gesundheit?

Koppe: Höchstens für sehr wetterfühlige Menschen, die auch auf geringe Schwankungen des Wettergeschehens mit Anpassungsschwierigkeiten reagieren, zum Beispiel Temperaturschwankungen, von einem Tag auf den nächsten. Ihnen macht zum Beispiel die Umstellung von kalt und trocken zu feucht und warm Schwierigkeiten. In den letzten Tagen waren die Änderungen aber meist nicht so stark.

Lesen Sie hier mehr über den Dauerregen im Mai: Land unter - Unwetterwarnungen +++ Deutschlands Watergate - wirtschaftliche Folgen +++ Die Kühltruhe Europas

Interview: Dennis Ballwieser

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1. soso
Neinsowas 31.05.2013
Zitat von sysopCorbisDer Dauerregen im Mai nervt. Gefährdet das schlechte Wetter gar die Gesundheit? Die Medizin-Meteorologin Christina Koppe erklärt im Interview, wieso man im Mai keine Winterdepression bekommt - trotz Regen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/das-macht-der-regen-mit-dem-koerper-gesundheit-und-schlechtes-wetter-a-903070.html
...sie muss es ja wissen: Klar, im Frühling hat man keine Winterdepression - aber - die ständige Feuchtigkeit, Trübe, Kälte zusammen bedingt, dass ich, z.B. das nicht aushalten würde, wäre es immer so. Es nimmt zu viel Lebensqualität, schränkt ein. Wer sowieso den ganzen Tag im Büro sitzen muss, dem mag es egal sein. Wer viel draussen ist, den macht das Wetter schon trübsinnig!
2.
ancoats 31.05.2013
Zitat von sysopCorbisDer Dauerregen im Mai nervt. Gefährdet das schlechte Wetter gar die Gesundheit? Die Medizin-Meteorologin Christina Koppe erklärt im Interview, wieso man im Mai keine Winterdepression bekommt - trotz Regen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/das-macht-der-regen-mit-dem-koerper-gesundheit-und-schlechtes-wetter-a-903070.html
Von mir aus kann man das auch "wetterbedingte Übellaune" nennen - und die habe ich (und nicht nur ich) definitiv. Schon alleine, weil mich die ständigen starken Regengüsse am täglichen Fahrradfahren hindert.
3. Wetterfühlig
amasani 31.05.2013
Unsere Gesellschaft, unsere Medien sind sehr Wetterfühlig geworden. Ein Zeichen, dass es uns sonst so richtig gut geht. So ein paar Tage schlechtes Wetter ist schon eine schlimme Situation. Möglicherweise ein Umstand, der Krisen, ja Depressionen auslösen könnte! Danke an die Expertin. Wir können weiterhin ohne gesundheitliche Bedenken dem Regen und der Mai/Juni/Juli Kälte aussetzen. Sonst hätten wir das Wetter abwählen müssen. Oder doch mal ein paar Tage zu Hause bleiben müssen und in gesunde Lampen blicken. Nochmal Glück gehabt!
4. ... im Ernst ..
einzel haft 31.05.2013
Zitat von sysopCorbisDer Dauerregen im Mai nervt. Gefährdet das schlechte Wetter gar die Gesundheit? Die Medizin-Meteorologin Christina Koppe erklärt im Interview, wieso man im Mai keine Winterdepression bekommt - trotz Regen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/das-macht-der-regen-mit-dem-koerper-gesundheit-und-schlechtes-wetter-a-903070.html
..., ich sitze hier bei Sonnenschein und Wärme auf dem Balkon, die aktuelle Sorge ist ein Sonnenbrand. Gruß aus Hamburg
5. Übertreibungen
Lische 31.05.2013
Zitat von sysopCorbisDer Dauerregen im Mai nervt. Gefährdet das schlechte Wetter gar die Gesundheit? Die Medizin-Meteorologin Christina Koppe erklärt im Interview, wieso man im Mai keine Winterdepression bekommt - trotz Regen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/das-macht-der-regen-mit-dem-koerper-gesundheit-und-schlechtes-wetter-a-903070.html
In zeiten, in denen jeder stärkere Regen und jeder anhaltende Schneefall mit dem Zusatz "...-Chaos" versehen wird, in denen Wettervorhersagen auf Seiten mit dem Namen "Unwetterzentrale" marktschreierisch angepriesen werden, da muss dann eben auch die Psychologie herhalten und etwas zu Nebenwirkungen von schlechtem Wetter "fachsimpeln". Uns geht es - allen Wutbürgerunkenrufen hier in den SPON Foren zum Trotz - scheinbar richtig gut. Wir haben Zeit, uns über schlechtes Wetter aufzuregen (obwohl wir fast alle keine Landwirte sind). Toll!
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