David Agus Umstrittener Medizin-Rockstar

Einmal täglich eine Aspirin gegen Krebs und jede Menge Check-ups: David Agus ist mit seinen vermeintlichen Rezepten für ein langes Leben in den USA ein gefeierter Onkologe. Auch in Deutschland erfährt sein aktuelles Buch zunehmend Anerkennung. Dabei sind seine Thesen umstritten.

David B. Agus: Als Mediziner und Ingenieur entwickelt er Hightech-Methoden zur Therapie von Krebs
Phil Channing

David B. Agus: Als Mediziner und Ingenieur entwickelt er Hightech-Methoden zur Therapie von Krebs


David Agus ist ein Rockstar, dabei macht er gar keine Musik. Er ist ein "Rockstar der Wissenschaft", den Titel hat ihm die Stiftung eines Modedesigners verliehen, so steht es auf dem Umschlag seines Buches. Als Star ist Agus oft in den Medien zu finden, und weil er auch Arzt ist, verbreitet er dort seine Ansichten über Medizin. Dabei sind einige davon gefährlich.

Inzwischen sind Agus' Thesen auch in Deutschland angekommen: In zahlreichen Medien war von ihm zu lesen, zuletzt hatte Bild.de ein Interview mit ihm geführt. Gesammelt finden sich seine Ideen in einem Buch, das vor kurzem unter dem Namen "Leben ohne Krankheit" erschienen ist.

Titelgeber für das Werk ist Steve Jobs, einst berühmter Patient des Krebsmediziners von der University of Southern California. "Steve sagte, dass Gesundheit die Menschen langweilt", sagt Agus. Also taufte er das Buch anstatt "What is Health?" am Ende "The End of Illness" - was auf deutsch "Das Ende der Krankheit" heißt. Dieser Marketinggriff zahlte sich offenbar aus: Das Buch erreichte im letzten Jahr die Nummer eins der New-York-Times-Bestsellerliste. Auf dem Cover wird Al Gore mit den Worten zitiert, Agus sei "einer der besten Mediziner Amerikas".

Agus' Ansätze sind eine Mischung aus personalisierter Medizin, regelmäßigem Tagesablauf, Bewegung und gesundem Essen. Eine dahinterliegende Theorie ist schwer zu erkennen, am ehesten seine Ansicht, dass Entzündungen für die meisten Krankheiten verantwortlich sind. "Seine Ideen sind entweder nicht neu oder nicht belegt", sagt Christoph Specht, Arzt für Präventionsmedizin und Medizinkorrespondent fürs Fernsehen.

Buchtipp
Agus lässt sich beispielsweise oft damit zitieren, dass Vitaminpräparate kaum etwas nutzen. "Das wissen wir seit Jahren", sagt Specht. "Er ist ein typischer Medizin-Guru, der medizinische Grundlagen mit nicht wissenschaftlichen Meinungen vermengt und ganz viel Charisma beimischt."

"Wie werden in fünf Jahren tot umfallen"

Besonders umstritten macht sich Agus jedoch mit jenen Thesen, deren Nutzen nicht belegt ist. Etwa mit seiner Begeisterung für Check-ups. Damit musste in aller Öffentlichkeit der amerikanische Fernsehreporter Bill Weir schlechte Erfahrung machen. Obwohl er kerngesund war, ließ Weir sich für seine Show von Agus untersuchen. Der Arzt führte eine Reihe von teuren Hightech-Tests durch und fand prompt mit einer Computertomografie eine Verkalkung in einer Herzarterie.

"Agus sagte mir, wenn ich mein Leben nicht ändere, werde ich in fünf Jahren tot umfallen", erzählt Weir daraufhin in seiner Sendung. Er ist verängstigt, aber auch dankbar und will fortan einen gesünderen Lebensstil führen und häufiger zur Vorsorge gehen. Doch nach ein paar Monaten ist Weir verunsichert: Einige anerkannte Experten hatten ihren Unmut über die Show geäußert. Die entdeckte Verkalkung, so deren Meinung, stelle nur ein sehr geringes Risiko dar und sei keinesfalls lebensbedrohlich, wie Agus behauptet.

Zudem bemängelten die Kardiologen, dass man den Test bei einem Gesunden gar nicht hätte durchführen sollen. Denn ein CT-Scan bringt auch Nachteile mit sich wie die Strahlenbelastung und die Gefahr eines Fehlalarms, der kostspielige und gesundheitsschädliche Nachfolgebehandlungen nach sich zieht. Er sei in dem Moment davon überzeugt gewesen, dass der Test sein Leben gerettet habe, sagt Weir über die Untersuchung von Agus in seiner Sendung. "Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher." Ohne ein Wort von diesem Vorfall zu erwähnen, landet die Anekdote dennoch prominent im Vorwort der "Leben ohne Krankheit" benannten deutschen Ausgabe. Auch auf der Buchvorstellung in Berlin wirbt Agus damit.

Umstritten: Hilft eine tägliche Aspirin?

Ebenso umstritten ist Agus' Empfehlung: einmal täglich eine Aspirin - als Vorsorge gegen Krebs, Schlaganfall und Herzerkrankungen. Auch auf Bild.de findet sich das Rezept unkommentiert wieder. Im Dezember verfasste Agus dazu einen Gastbeitrag in der "New York Times". Der Text wurde von Gesundheitsexperten scharf kritisiert, weil nach der bisherigen Datenlage bei Gesunden die negativen Nebenwirkungen von Aspirin gegenüber einem positiven Effekt überwiegen.

Gary Schwitzer schreibt dazu: "Agus übertreibt unermesslich." Schwitzer ist Chefredakteur des vielbeachteten Medizin-Watchblogs HealthNewsReview, einem Vorbild des deutschen Gutachterportals medien-doktor.de. Alan Cassels, Gesundheitswissenschaftler an der University of Victoria, ist ähnlicher Meinung. "Agus' Buch ist furchtbar und oft irreführend", sagt er.

Während seiner Buchvorstellung in Berlin äußert sich Agus nur ausweichend zu der Kritik, die meisten Probleme streitet er ab. "Das ist schlechter Journalismus", sagt er zu den Vorwürfen von Schwitzer. Die Kontroverse kann Agus freilich nichts anhaben. Sein Buch verkauft sich und seit kurzem ist er sogar Medizinreporter beim amerikanischen Sender CBS. Für einen Rockstar gehört Provokation eben dazu.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
volker_morales 31.05.2013
1. Risiken und Nebenwirkungen
Zitat von sysopPhil ChanningEinmal täglich eine Aspirin gegen Krebs und jede Menge Checkups: David Agus ist mit seinen vermeintlichen Rezepten für ein langes Leben in den USA ein gefeierter Onkologe. Auch in Deutschland erfährt sein aktuelles Buch zunehmend Anerkennung. Dabei sind seine Thesen umstritten. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/david-agus-einer-der-umstrittensten-mediziner-amerikas-a-902612.html
Heilslehren jeglicher Couleur sollte man tatsächlich mit einer gesunden Portion Grundskepsis begegnen. Die blutverdünnende Wirkung von Aspirin kann beispielsweise auch bei sonst gesunden Menschen im Falle eines Unfalls verheerende, sprich lebensverkürzende, Wirkungen haben.
wirtzpeitz 31.05.2013
2. Schlechter Journalismus
Genau wie David Agus fischt sich auch Der Spiegel die Evidenzen und Meinungen heraus, die dem vorgefassten Urteil des Autors entsprechen. Nach Lektuere einer kritischen Beurteilung der derzeitigen Beweislage zur praeventiven Einnahme von Aspirin in der angesehenen Fachzeitschrift "The Lancet" stellt man fest, dass die Expertenmeinung definitiv nicht davon ausgeht, dass "die negativen Nebenwirkungen von Aspirin gegenüber einem positiven Effekt überwiegen" (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3415297/). Statt eines zuverlaessigen wissenschaftlichen Artikels zieht es der Autor aber vor, einen drittklassigen Blogeintrag zu zitieren, der weder von einem Arzt oder Wissenschaftler verfasst, geschweige denn von unabhaengigen Experten begutachtet wurde. Das fuehrt ironischerweise genau zu der undifferenzierten Schwarzweissmalerei, die dem hier verrissenen Buch zur Last gelegt werden.
gsm900 31.05.2013
3. Mediziner
Zitat von sysopPhil ChanningEinmal täglich eine Aspirin gegen Krebs und jede Menge Checkups: David Agus ist mit seinen vermeintlichen Rezepten für ein langes Leben in den USA ein gefeierter Onkologe. Auch in Deutschland erfährt sein aktuelles Buch zunehmend Anerkennung. Dabei sind seine Thesen umstritten. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/david-agus-einer-der-umstrittensten-mediziner-amerikas-a-902612.html
Ein führender Chemiker hat sie mal treffend als "Hilfswissenschaftler" tituliert. Da ist häufig mehr Glauben als Wissen im Spiel: Josef Issels (http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Issels) Frischzellentherapie (http://de.wikipedia.org/wiki/Frischzellentherapie) Lutz-Diät (http://de.wikipedia.org/wiki/Lutz-Di%C3%A4t) Atkins-Diät (http://de.wikipedia.org/wiki/Atkins-Di%C3%A4t)
newhardy 31.05.2013
4.
Die Frage nach dem praeventiven Potentials von ASS wird in ca. 2 Jahren beantwortet sein. Die ARRIVE Studie mit ca. 10.000 Patienten wird Aufschluss bringen, bislang hat kein sterblicher die notwendige Erkenntnis.
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