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12. März 2015, 13:32 Uhr

Demenzrisiko

Sport und gesunde Ernährung können Gedächtnisverlust bremsen

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Senioren können geistig fit bleiben - selbst wenn sie schon erste Gedächtnislücken haben. Das zeigt jetzt eine skandinavische Studie. Entscheidend zum Vorbeugen einer Demenz ist ein gesunder Lebensstil.

Heilbar ist Demenz nicht. Aber man kann einiges dagegen tun - selbst dann noch, wenn im Alter bereits die grauen Zellen schwächeln. Mit viel Sport und einer ausgewogenen Ernährung lässt sich der Gedächtnisverlust aufhalten - und zwar mindestens so effektiv wie durch Medikamente. Das zeigt eine großangelegte randomisierte Kontrollstudie aus Skandinavien, die jetzt im Medizinjournal "The Lancet" veröffentlicht wurde.

Forscher vom Karolinska Institutet in Stockholm, dem National Institute for Health and Welfare in Helsinki und der University of Eastern Finland testeten, inwieweit sich eine Hinwendung zu einem aktiven und gesunden Lebensstil auf die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter auswirkt. Die Ergebnisse nach zwei Jahren: Die allgemeine mentale Verfassung verbesserte sich um 25 Prozent im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die ihre ungesunden Gewohnheiten beibehalten hatte.

Noch deutlicher waren die Unterschiede in einzelnen Bereichen: Die Exekutivfunktionen des Gehirns, also die Fähigkeit, Gedanken folgerichtig zu ordnen, waren gegenüber der Kontrollgruppe um 83 Prozent gesteigert; die Verarbeitungsgeschwindigkeit sogar um 150 Prozent. Auch das Gedächtnis hatte sich leicht erholt, obwohl dieses nicht speziell trainiert worden war.

An der Studie nahmen 1260 Finnen im Alter von 60 bis 77 Jahren teil. Ausgewählt wurden Senioren, die ein erhöhtes Demenzrisiko hatten und in Tests bereits erste Gedächtnislücken offenbarten. Ziel war es, typische Risikofaktoren für Demenz wie Übergewicht und Bluthochdruck durch Sport und Aufklärung über gesünderes Essen zu beeinflussen.

Fitnessprogramm für die eine Gruppe

Die Probanden waren in zwei Gruppen eingeteilt worden. Die Interventionsgruppe nahm an einem intensiven Bewegungsprogramm teil. Dieses umfasste zwei- bis dreimal pro Woche Krafttraining im Fitnessstudio sowie drei- bis fünfmal pro Woche Ausdauertraining, wie Nordic Walking, Aqua Jogging, Jogging und Gymnastik. Außerdem absolvierten die Teilnehmer dieser Gruppe ein kognitives Training am PC, das vor allem auf die Stärkung der exekutiven Hirnfunktionen abzielte.

Zusätzlich erhielten die Senioren eine umfassende Ernährungsberatung: Viel Obst, Gemüse, Fisch, Vollkorn und Ballaststoffe, wenig Zucker und Salz, Fette mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren. In regelmäßigen Einzel- und Gruppensitzungen wurde über eine individuelle Anpassung der Ernährung sowie Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht gesprochen. Die Kontrollgruppe, die deutlich schlechter abschnitt, hatte lediglich drei allgemeine Vorträge im Jahr über einen gesünderen Lebensstil gehört.

Ermittelt wurden die Werte mittels der sogenannten Neuropsychological Test Battery (NTB): In der Testserie werden kognitive Veränderungen gemessen, zum Beispiel auch, um die Wirksamkeit von Medikamenten gegen Alzheimer im Frühstadium nachzuweisen.

"Bereits frühere Studien offenbarten, dass es einen Zusammenhang zwischen geistigem Verfall im Alter und solchen Faktoren, wie Ernährung, einem gesunden Herz-Kreislauf und Bewegung gibt", sagt Studienleiterin Miia Kivipelto, Professorin für Klinische Geriatrische Epidemiologie am Karolinska Institutet. Die Studie zeige nun auch, dass ein auf diese Faktoren abzielendes intensives Programm den Gedächtnisverlust bei Senioren mit Demenzrisiko verhindern kann.

Es ist nie zu spät, seinen Lebensstil zu ändern

"Die Studie ist eine der größten und sehr fundiert", sagt Christine von Arnim. Die Professorin an der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Ulm und Leiterin der Gedächtnisambulanz war nicht an der Untersuchung beteiligt. "Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Gesundheitserziehung auch bei leichter kognitiver Beeinträchtigung möglich ist." Zur Motivation dürften vor allem die engmaschige Beratung und Aufklärung der Senioren beigetragen haben, aber auch die sozialen Kontakte der Gruppensitzungen. "Bei Medikamenten würde man von einem vielversprechenden Mittel reden."

In Deutschland erkranken jedes Jahr 300.000 Menschen an Demenz, 1,5 Millionen Menschen leben mit dieser Krankheit. Sogenannte Cholinesterase-Hemmer schaffen es bisher, die Demenz im Anfangsstadium für ein halbes, höchstens ein Jahr, hinauszuzögern. Eine Änderung des Lebensstils scheint nachhaltiger zu sein. "Auf jeden Fall ist es nie zu spät, damit anzufangen, auch nicht kurz vor zwölf", sagt Arnim. Ob sich Demenz auf diese Weise möglicherweise sogar ganz verhindern lässt, wird sich am Ende der Studie in sieben Jahren zeigen.

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