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Studie: Zahl der Demenz-Kranken steigt weltweit rasant

Senioren im Altenheim: Mit der wachsenden Zahl von Demenz-Fällen nimmt auch die Zahl Pflegebedürftiger weiter zu Zur Großansicht
AP

Senioren im Altenheim: Mit der wachsenden Zahl von Demenz-Fällen nimmt auch die Zahl Pflegebedürftiger weiter zu

Bis 2050 wird sich die Zahl der Dementen weltweit verdreifachen, warnt ein aktueller Bericht. Demnach werden in Zukunft auch arme Länder mit der Problematik konfrontiert. Die britische Regierung fordert, das Thema auf die Agenda des G-8-Gipfels in der kommenden Woche zu nehmen.

London - Die Zahl der Demenz-Kranken steigt immer weiter in die Höhe: Wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie hervorgeht, gibt es derzeit weltweit rund 44 Millionen Demenz-Fälle - das sind rund 22 Prozent mehr als noch vor drei Jahren. Alarmierend: Bis zum Jahr 2050 rechnet die Organisation Alzheimer Disease International (ADI), die den Bericht veröffentlichte, mit einer Verdreifachung auf 135 Millionen Demenz-Fälle. Alleine in Europa wären dann 16 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen.

Daneben prognostiziert der Bericht eine Verschiebung der weltweiten Verteilung der Demenz. Während früher überwiegend Länder mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen betroffenen waren, werden künftig auch Länder mit einem mittleren und niedrigen Pro-Kopf-Einkommen mit der Problematik konfrontiert. Bis 2050 werden voraussichtlich 71 Prozent der Menschen mit einer Demenz in sogenannten Low und Middle Income Countries leben.

Internationale Politik muss handeln

Der Chef von ADI, Marc Wortmann, sprach bei der Veröffentlichung von einer Epidemie, die "immer schlimmer" werde. Die Zahl älterer Menschen mit Alzheimer werde "dramatisch" zunehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müsse die Behandlung von Demenz daher zu einer ihrer Prioritäten erklären. Der Bericht zeichnet ein Zukunftsszenario, das als Initialzündung verstanden werden sollte.

Auch das britische Gesundheitsministerium bezeichnete Alzheimer als "eine wachsende weltweite Herausforderung" und forderte, dass sich die Politik im Zuge des G-8-Gipfels in der kommenden Woche in London mit dem Thema befassen müsse. Die G-8-Länder müssten Demenz "erstmals als globale Angelegenheit" behandeln. Ziel muss es sein, einen neuen Ansatz in der internationalen Demenzforschung und -politik zu entwickeln, der gemeinsam verfolgt würde.

Demenz nimmt auch in Deutschland dramatisch zu

In Deutschland leben zurzeit rund 1,4 Millionen Menschen mit einer Demenz-Erkrankung. Jährlich werden fast 300.000 neue Fälle diagnostiziert. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht auch hierzulande von einer Verdreifachung der Demenz-Kranken aus. 2050 rechnet sie mit drei Millionen Betroffenen, von denen rund jeder Dritte älter als 90 Jahre sein wird.

Dies entspräche einem Anstieg von 40.000 Fällen pro Jahr beziehungsweise mehr als 100 Fällen pro Tag. Befragt man Deutsche zu diesem Entwicklungstrend, antworten viele, dass es zu ihren größten Ängsten gehört, im Alter an Demenz zu erkranken und als Pflegefall zu enden.

Als eine Ursache dafür, dass die Zahl der Demenz-Kranken kontinuierlich zunimmt, nennt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft die alternde Gesellschaft. Infolge des demografischen Wandels wird die Zahl der Neuerkrankungen demnach die Sterbefälle unter den bereits Erkrankten zunehmend übersteigen.

Rentner immer rüstiger?

Gleichzeitig gibt eine Studie im Medizinjournal "The Lancet" Grund zur Hoffnung. Laut den Ergebnissen existieren Anzeichen dafür, dass die heutigen Rentner rüstiger sind als noch vor einigen Jahren: Demnach erkrankten die Senioren 2011 im Durchschnittlich deutlich seltener an einer Demenz als 20 Jahre zuvor.

Für die Studie wiederholten die Forscher um Fiona Matthews von der Cambridge University eine bereits 1991 auf ähnliche Weise stattgefundene Studie. Mit Hilfe von Interviews erfassten sie den gesundheitlichen und vor allem geistigen Zustand der Bewohner aus drei Regionen Englands (Cambridgeshire, Newcastle und Nottingham).

Die Auswertung der Gespräche zeigt deutliche Unterschiede zwischen der Gruppe von 1991 und der von 2011 auf: Während Ende des vergangenen Jahrhunderts noch 8,3 Prozent der Befragten von einer Demenz betroffen waren, litten 20 Jahre später nur noch 6,5 Prozent unter dem Gedächtnisschwund.

maj/AFP

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