Demokratische Republik Kongo Neugeborenes überlebt Ebola

Nur sechs Tage war das Baby alt, als es mit Ebola ins Behandlungszentrum kam. Jetzt konnten die Ärzte im Kongo es gesund entlassen. Die Behörden sprechen von einem "jungen Wunder".

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mit einem mutmaßlich infizierten Jungen
DPA

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mit einem mutmaßlich infizierten Jungen


Der aktuelle Ebola-Ausbruch im Kongo betrifft ungewöhnlich viele Babys und Kleinkinder. Zu ihnen zählte auch ein Neugeborenes, das sechs Tage nach seiner Geburt in ein Behandlungszentrum in Beni gebracht wurde. Jetzt aber haben die Ärzte und Behörden gute Nachrichten: Der Körper des Kindes hat es geschafft, das Virus zu besiegen. Es ist geheilt.

Das Neugeborene konnte am Mittwoch aus dem Behandlungszentrum entlassen werden. Damit sei das Kind der jüngste Ebola-Überlebende beim Ausbruch in der demokratischen Republik Kongo, wie das Gesundheitsministerium auf Twitter verkündete. Die Behörde sprach von einem "jungen Wunder".

Die Mutter des Kindes war während der Geburt gestorben, berichtet das Ministerium. Sie hat das Virus höchstwahrscheinlich auf das Baby übertragen.

Zweitgrößter Ausbruch aller Zeiten

Der aktuelle Ebola-Ausbruch im Kongo ist der zweitgrößte, der je dokumentiert wurde. Die Zahl der Erkrankten ist dem Gesundheitsministerium zufolge auf mehr als 500 Fälle gestiegen, bei 457 wurde das Virus im Labor bestätigt. 255 Menschen sind bislang gestorben.

Unter den Erkrankten im Kongo befinden sich ungewöhnlich viele Kinder, laut Unicef machen sie ein Drittel der Fälle aus. Jeder zehnte Fall betrifft demnach Kinder unter fünf Jahren.

Kongo - ein Name, zwei Staaten
    Es gibt in Zentralafrika zum einen die "Demokratische Republik Kongo" mit der Hauptstadt Kinshasa und zum anderen die "Republik Kongo" mit der Hauptstadt Brazzaville. Die Grenze beider Länder verläuft teils entlang des Flusses Kongo. Auf der Kongokonferenz der europäischen Kolonialmächte 1884/85 in Berlin erhielten die Franzosen das kleinere Territorium der heutigen Republik Kongo. Der belgische König Leopold II. sicherte sich das Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo und machte es zu seiner Privatkolonie, die er rücksichtslos ausbeutete.

    1960 erlangten sowohl die belgische als auch die französische Kolonie ihre Unabhängigkeit. Nach mehreren Namensänderungen (u.a. Zaire) heißt die ehemalige belgische Kolonie seit 1997 "Demokratische Republik Kongo", die vormals französische Kolonie seit 1991 "Republik Kongo". Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir in unseren Texten für die Demokratische Republik Kongo in der Regel die einfache Bezeichnung "Kongo".

Dass sich Babys mit Ebola infizieren, war vor dem aktuellen Ausbruch kaum dokumentiert - wahrscheinlich, weil sie seltener mit dem Virus in Kontakt kommen. Experten vermuten jedoch, dass Mütter den Erreger bei der Geburt, über die Muttermilch oder über engen Körperkontakt auf Neugeborene übertragen können.

Kämpfe um Bodenschätze

Helfern ist es bislang nicht gelungen, den Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo unter Kontrolle zu bekommen. Grund dafür ist vor allem die prekäre Sicherheitslage in dem Gebiet. In der Gegend sind verschiedene Milizen aktiv, die unter anderem um Bodenschätze kämpfen. Die Bevölkerung ist extrem misstrauisch.

In vielen Gebieten ist es für die Mediziner deshalb unmöglich, Menschen zu beobachten, die sich möglicherweise mit dem Virus infiziert haben. Nur wenn Betroffene direkt nach den ersten Krankheitszeichen isoliert werden, lässt sich der Ausbruch eingrenzen.

Das Ebola-Virus wird über Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Erbrochenes oder Blut übertragen. Je stärker die Krankheit bei einem Patienten fortgeschritten ist, desto größer ist das Risiko, dass er das tödliche Virus weitergibt. Besonders infektiös sind die Körperflüssigkeiten Verstorbener.

irb/AP



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