Europaweite Studie Deutsche leben nach Krebsdiagnose mit am längsten

Die Lebenserwartung von Krebspatienten in Europa steigt. Dennoch bleibt ein starkes Ost-West-Gefälle, wie eine Studie zeigt. Die Deutschen leben nach einer Krebsdiagnose mit am längsten, in Osteuropa haben Krebspatienten schlechtere Überlebenschancen.

Magnetresonanz-Mammografie: Ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin
DPA

Magnetresonanz-Mammografie: Ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin


London - Die Überlebenschancen von Krebskranken sind in Deutschland höher als in den meisten anderen europäischen Ländern, wie eine internationale Forschergruppe im britischen Fachblatt "The Lancet Oncology" berichtet. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, eine Krebserkrankung zu überleben, in Osteuropa noch immer deutlich geringer als in den meisten westeuropäischen Staaten. Für die europaweite Entwicklung sind die Prognosen insgesamt positiv.

Die Wissenschaftler werteten Daten von rund zehn Millionen Europäern aus, bei denen zwischen 2000 und 2007 Krebs diagnostiziert worden war. In Deutschland lebten fünf Jahre nach der Diagnose noch überdurchschnittlich viele Menschen. Bei Darmkrebs waren es hierzulande mit 62 Prozent sogar mehr Patienten als in den 28 anderen untersuchten Ländern Europas. Demgegenüber schnitt Lettland im europäischen Vergleich schlecht ab. Dort überlebten nur 43 Prozent der Darmkrebspatienten die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.

Geringere Ausgaben im Gesundheitswesen in Osteuropa

Auch bei anderen Krebsarten ist die Überlebenswahrscheinlichkeit in Deutschland hoch. Bei Brustkrebs waren hierzulande nach fünf Jahren noch 84 Prozent der Frauen am Leben, im Vergleich zu 74 Prozent in Osteuropa. Besonders schlechte Aussichten hatten in Deutschland jedoch Menschen mit Lungenkrebs. Nach fünf Jahren lebten nur noch 16 Prozent der Patienten.

Auch wenn sich die Lücke langsam schließt, wurden Patienten aus Osteuropa insgesamt schlechtere Krankheitsverläufe prognostiziert als den meisten Westeuropäern. Die Wissenschaftler erklären sich das Ost-West-Gefälle unter anderem mit unterschiedlichen Ausgaben im Gesundheitswesen. "Länder, in denen der Staat mehr Geld ins Gesundheitssystem steckte, hatten im Schnitt eine höhere Überlebenschance als Länder, die weniger ausgaben", heißt es in dem Bericht. Daneben spielten gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren sowie der Lebensstil und der allgemeine Gesundheitszustand der Bevölkerung eine wesentliche Rolle.

Schlechte Prognosen für Großbritannien, Irland und Dänemark

Trotz der besseren Gesamtsituation im Westen war die Prognose in Großbritannien, Irland und Dänemark bei den meisten Krebsarten schlechter als im europäischen Durchschnitt. Das läge vor allem an den verspäteten Diagnosen, mutmaßen die Wissenschaftler.

Auf den britischen Inseln waren fünf Jahre nach der Diagnose lediglich 17 Prozent der Patienten mit Magenkrebs noch am Leben. In Dänemark waren es sogar nur 16 Prozent. In Deutschland war der Anteil jener Erkrankten, die die ersten fünf Jahre überlebten, mit 31 Prozent fast doppelt so hoch. Auch im Vergleich zum europäischen Durchschnitt (25,1 Prozent) schneiden die Deutschen gut ab.

Insgesamt stiegen die Überlebenschancen in den 29 untersuchten europäischen Ländern, berichten die Forscher. "Das spiegelt Fortschritte bei der Krebsvorsorge und bei der Behandlung wieder", sagte Studienleiterin Roberta De Angelis vom Nationalen Gesundheitsinstitut in Rom.

maj/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.