Lebenserwartung in Deutschland So groß sind die regionalen Unterschiede

Wie alt Menschen werden, hängt auch von ihrem Wohnort ab. Im Schnitt bleiben Menschen in Pirmasens am Ende rund sieben Jahre weniger als in Starnberg. Die Übersicht.

Wohlhabende leben im Schnitt länger
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Wohlhabende leben im Schnitt länger


Felsengebirge, Biotope, Wald und Wiesen: Pirmasens in der Pfalz liegt in idyllischer Landschaft. Doch nirgends sonst in Deutschland ist die Lebenserwartung niedriger. Die Stadt ist ein besonders deutliches Beispiel für das bundesdeutsche Gefälle bei der Lebenserwartung. Als Ursache dafür gelten soziale Unterschiede.

Während in Pirmasens geborene Jungen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 73 Jahren haben, liegt sie bei neugeborenen Jungen in Starnberg bei 81,3 Jahren. Frauen haben insgesamt eine höhere Lebenserwartung - doch auch hier ist Pirmasens Schlusslicht: Auf 77,1 Jahre wird die Lebenserwartung der Mädchen geschätzt. Zum Vergleich: Spitzenreiter ist der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald mit 85 Jahren.

Als Durchschnitt für Deutschland nennt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) 78 Jahre Lebenserwartung für Männer sowie 82,8 Jahre für Frauen. Diese Zahlen beziehen sich auf Kinder, die in den Jahren 2011 bis 2013 geboren wurden.

Lebenserwartung Neugeborener
Die ehemalige Schuhmachermetropole Pirmasens ist eine Stadt mit Strukturproblemen und hoher Verschuldung. Eine vergleichsweise geringe Lebenserwartung gibt es generell auch in weiten Teilen Ostdeutschlands, im Ruhrgebiet und in Teilen des Saarlands oder Frankens, also in eher strukturschwachen Regionen mit Problemen.

Zehn Jahre Differenz

Die Lebenserwartung steht in einer Beziehung zum Einkommen, das ist schon länger bekannt. Unterteilt man das Einkommen in seiner Spannbreite in fünf Gruppen von arm bis reich, liegt der Lebenserwartungsunterschied zwischen der niedrigsten und der höchsten Gruppe bei Männern bei 10,8 Jahren. Bei Frauen unterscheidet sich die Lebenserwartung um 8,4 Jahre, zeigen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI).

Laut RKI hängen auch Krankheit und sozialer Status zusammen: Bei schweren Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder chronischer Lungenerkrankung sind sozial Schwächere häufiger betroffen.

Noch deutlicher sei daher der Zusammenhang zwischen Einkommen und in Gesundheit verbrachten Lebensjahren. Hier beträgt der Unterschied zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe bei Frauen 13,3 und bei Männern 14,3 Jahre, berichtet das RKI.

Restlebenserwartung 60-Jähriger
In einer Antwort auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann räumt die Bundesregierung ein, "dass günstigere sozioökonomische Bedingungen in der Wohnregion mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen". Ursache seien Unterschiede bei Bildung, aber auch beim Rauchen, der Ernährung und der Bewegung - sowie bei den Arbeits- und weiteren Lebensbedingungen.

Zimmermann: "Wer wenig verdient, muss häufiger schwere und gesundheitlich belastende Arbeit leisten, muss unter Lärm und Luftverschmutzung leiden, kann sich nicht so gut ernähren und stirbt früher als Besserverdiener."

wbr/dpa



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insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
derkim 30.03.2016
1. Interessant...
... das es hier keinen ost/west unterschied gibt. Im Gegenteil. Das selbst verliebte Bayern, wo der Lebensstandard so hoch sein soll, schneidet, optisch, fast am schlechtesten ab.
dr.joe.66 30.03.2016
2. Interessante Schlussfolgerung...
Ich würde die letzte Schlussfolgerung von Zimmermann anders formulieren: "Wer geringer qualifiziert ist, muss häufig körperlich schwerer arbeiten, bekommt dafür weniger Lohn, ...." Der Knackpunkt ist die Qualifikation, die über den Job und damit über Einkommen und Lebensstandard entscheidet. Und solange die Schulbildung in so hohem Maße von der sozialen Herkunft abhängig ist, solange wird sich an diesen Realitäten auch nichts ändern. Interessant wäre übrigens auch mal ein Vergleich mit ähnlichen Daten aus anderen Staaten.
n.wemhoener 30.03.2016
3.
Karl Lauterbach stellte in seinem Buch "Der Zweiklassen-Staat" fest, dass die Berufsgruppe der Beamten hierzulande die höchste Lebenserwartung hat. Sie haben nicht nur die höchsten Altersbezüge, sie können sie auch am längsten genießen - zu 100 % finanziert vom Steuerzahler.
axelmueller1976 30.03.2016
4. Hauptpunkt ist der Lebenstil
Ob arm oder reich, kann man gesund essen ,was nicht teuer sein muß und für Bewegung sorgen . Dies sind zwei wesentliche Kriterien um ein hohes Lebensalter zu erreichen.
berndschlüter 30.03.2016
5. Bitterfelder Edelpils oder Paulaner?
Bei den Bayern liegt das am Bier. Aber in der DDR war das Bier auch nicht spitzenmäßig, trotzdem ist der Gesundheitsstand relativ hoch. Klug sind die Frauen. Die trinken weniger Bier.
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