Deutschland Nur zwei Drittel der Kinder gegen Masern geimpft

Masern sind extrem ansteckend, zwei Impfdosen sollen Kinder vor der Krankheit schützen. Doch in Deutschland sind die Impfquoten niedrig - eine Auswertung zeigt deutliche regionale Unterschiede.

Impfpass
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Weltweit wird versucht, die Masern auszurotten. Eine Voraussetzung dafür ist, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen die hochansteckenden Viren geimpft sind. In Deutschland werden diese Impfquoten nicht erreicht.

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) hat jetzt ausgewertet, wie viele der bei gesetzlichen Krankenkassen versicherten Kinder die nötige erste und zweite Impfdosis in ihren ersten zwei Lebensjahren erhalten. Nur 63 Prozent der Kleinkinder würden die Doppelimpfung vor ihrem zweiten Geburtstag bekommen, heißt es im "Versorgungsatlas". Zwölf Prozent der Zweijährigen haben nicht einmal die erste Masernimpfung erhalten.

Die Forscher haben Daten von 2,2 Millionen Kindern analysiert, die zwischen 2009 und 2012 zur Welt gekommen sind und an der sogenannten U4-Untersuchung teilgenommen haben.

Die ständige Impfkommission rät, Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten das erste Mal sowie im Alter von 15 bis 23 Monaten das zweite Mal gegen Masern zu impfen.

Niedrige Impfquoten in Bayern

Zwischen einzelnen Regionen gibt es laut ZI deutliche Unterschiede: In Peine und Wolfsburg (beides Niedersachsen) sind 78 Prozent der Zweijährigen vollständig gegen Masern geimpft. In den bayerischen Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und Rosenheim erhielten dagegen nur 36 bis 42 Prozent der Kinder die zweite Masern-Impfung. Von der angepeilten 95-Prozent-Quote ist man weit entfernt.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte bezeichnet die niedrigen Impfquoten als Skandal. "Ob Kinder die lebenswichtige Masernimpfung bekommen, hängt von ihrem Wohnort und der Einsicht der Eltern ab", sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach. Der Verband fordert deshalb eine Impfpflicht.

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Die Masern sind höchst ansteckend, bei Kontakt mit einem Erkrankten infizieren sich nahezu alle Ungeimpften. "Noch zwei Stunden nach Aufenthalt eines Masernerkrankten in einem Raum können sich weitere Menschen in diesem Raum infizieren. Die Viren halten sich auch in der Luft", sagte Dorothea Matysiak-Klose vom Fachgebiet Impfprävention am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Hohes Fieber, Schnupfen und Husten zählen zu den ersten Anzeichen der Masern, dazu kommen zuerst weiße Flecken auf der Mundschleimhaut und später ein typischer Ausschlag am ganzen Körper.

Zwar überstehen die meisten Erkrankten die Masern ohne Komplikationen, doch die Masern können auch tödlich enden, wenn Betroffene eine Hirnhautentzündung entwickeln. Ebenso sind andere Komplikationen möglich, etwa der Verlust des Gehörs.

2014 starben laut Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit etwa 115.000 Menschen an den Masern. In Deutschland starb zuletzt im Februar 2015 ein Kleinkind infolge einer Maserninfektion, als die Krankheit in Berlin grassierte.

wbr/dpa

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