"OneTouch Verio Pro": US-Firma ruft Blutzuckermessgerät zurück

Diabetiker müssen sich auf ihre Blutzuckermessgeräte verlassen können. Jetzt ruft der US-Konzern Johnson & Johnson in Deutschland bis zu 150.000 Geräte der Marke "OneTouch" zurück. Erst im Februar hatte das Unternehmen künstliche Hüftgelenke vom Markt genommen.

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Insulin-Injektion: Rückruf als Vorsichtsmaßnahme

Hamburg - Diabetiker müssen ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrollieren. Der Wert muss in einem relativ engen Bereich stabil bleiben, sonst drohen schwere Zwischenfälle bis hin zur Bewusstlosigkeit. Um zu wissen, ob sie zum Beispiel essen oder Insulin spritzen müssen, haben Betroffene elektronische Blutzuckermessgeräte - sie müssen sich auf das Taschenlabor verlassen können.

Der US-Hersteller Johnson & Johnson ruft jetzt weltweit mehr als zwei Millionen Blutzuckermessgeräte der Tochter LifeScan zurück. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, bisher sind nach Angaben des Herstellers noch keine Patienten zu Schaden gekommen: Bei besonders hohen Blutzuckerspiegeln drohen die Geräte der Marke "OneTouch" zu versagen, warnt die Firma. Steige der Blutzuckerspiegel auf den extrem hohen Wert von 1024 Milligramm pro Deziliter Blut (mg/dL) beziehungswiese 56,8 Millimol pro Liter (mmol/L) oder mehr an, würden die Geräte sich ausschalten, statt eine Warnung vor dem lebensbedrohlichen Wert abzugeben. Der fehlende Hinweis könnte im Ernstfall eine rettende Behandlung verzögern.

Die deutsche Tochtergesellschaft teilte am Dienstagnachmittag Details zum Rückruf mit. Demnach sind in Deutschland die Modelle "OneTouch Verio Pro" und "One Touch Verio IQ" vom Rückruf betroffen. Die Geräte werden von LifeScan durch neue Blutzuckmesssysteme ersetzt. Das Unternehmen betont, es handele sich um eine freiwillige Vorsichtsmaßnahme. Der Hersteller schätzt, dass bis zu 150.000 Diabetiker in Deutschland die betroffenen Messgeräte verwenden.

Fehlende Warnhinweise und falsche Messergebnisse

Beim Modell "OneTouch Verio IQ" zeigt das Gerät jenseits der Marke von 1024 mg/dL Blutzucker (56,8 mmol/L) nicht wie vorgesehen die Warnmeldung "extrem hoher Blutzucker über 600 mg/dL / 33,3 mmol/L" an, sondern schaltet sich stattdessen einfach aus. Beim Neustart muss das Gerät dann erst konfiguriert werden, bevor wieder gemessen werden kann. Das Modell "OneTouch Verio Pro" zeigt statt der vorgesehenen Warnmeldung stattdessen ein falsches Testergebnis an - und zwar eines, das 1024mg/dL (56,8mmol/L) unter dem gemessenen Ergebnis liegt.

Kunden, die eines der beiden Geräte besitzen, bittet LifeScan, sich unter der gebührenfreien Telefonnummer 08 00 / 5 89 52 83 (8 bis 17 Uhr) zu melden. Dort erhalten die Patienten Informationen zum Austausch des Blutzuckmessgerätes. Während Betroffene, die das Modell "OneTouch Verio IQ" besitzen, ihr Gerät bis zum Austausch weiter verwenden können, rät LifeScan Besitzer des Modells "OneTouch Verio Pro", das Gerät ab sofort nicht mehr zu benutzen und auf ein Ersatzgerät umzusteigen. Bei Anwendern des "OneTouch Verio IQ", deren Gerät sich nach einer Messung ausschaltet, sei dies als Hinweis auf einen extrem hohen Blutzuckerwert zu werten.

Diabetiker, deren Gerät beim Hersteller registriert ist, werden von LifeScan über den notwendigen Austausch ihres Blutzuckmesssystems informiert. Das Modell "OneTouch Ultra" und andere Geräte sind von dem Rückruf nicht betroffen.

Weltweit ruft LifeScan die drei Modelle "OneTouch Verio IQ", "OneTouch Verio Pro" und "OneTouch Verio Pro+" zurück. In den Vereinigten Staaten sind nach Angaben von Johnson & Johnson 90.000 Geräte des Typs "OneTouch Verio IQ" fehlerhaft. In Europa ruft das Unternehmen insgesamt 670.000 Messgeräte "OneTouch Verio Pro" zurück. Zudem müssen Kliniken auch in Europa Blutzuckermessgeräte des Typs "OneTouch Verio Pro+" austauschen.

Die Johnson & Johnson-Tochter LifeGen teilte mit, es habe zwar einen schweren Zwischenfall bei einem Patienten gegeben - allerdings ließe sich keine Verbindung zur Fehlfunktion des Blutzuckermessgerätes vom Typ "OneTouch Verio Pro" herstellen.

Erst im Februar hatte Johnson & Johnson Prothesen zurückgerufen, weil die Patienten nach dem Einbauen der künstlichen Hüftgelenke häufiger als erwartet erneut operiert werden mussten.

dba/Reuters

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Soll ich nun oder doch nicht?
auslandsflüchtling 25.03.2013
Könnt Ihr denn nicht ähnliche Artikel von irgend jemandem gegenlesen lassen, der wenigstens eine Oma mit Diabetes in der Verwandschaft hat? Das fängt bei der Bildunterschrift "Insulin-Injektion: Rückruf als Vorsichtsmaßnahme" an. Der werte Schreiberling hat ja offensichtlich noch nicht einmal den Unterschied zwischen dem Messen des Blutzuckerspiegels und einer Insulin-Injektion erkannt. Der mehr als extreme Wert von 1024 mg/dl bedarf wohl auch einer weiteren Erörterung. Ad hoc würde ich vermuten, dass jemand bei diesem Wert nicht mehr in der Lage ist, überhaupt etwas zu messen. Ich habe so ein Gerät und weiß nach Lesen des Artikels noch immer nicht, ob ich der Rückrufaktion Folge leisten soll.
2. Seltsam!!!
kanalratz 25.03.2013
Zitat von sysopDiabetiker müssen sich auf ihre Blutzuckermessgeräte verlassen können. Jetzt ruft der US-Konzern Johnson & Johnson weltweit zwei Millionen Geräte der Marke "One Touch" zurück. Erst im Februar hatte das Unternehmen künstliche Hüftgelenke vom Markt genommen. Diabetes: Rückruf von Blutzuckermessgerät OneTouch Verio Pro - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/diabetes-rueckruf-von-blutzuckermessgeraet-onetouch-verio-pro-a-890865.html)
Blutzuckermessgeräte dienen üblicherweise der Selbstkontrolle des Blutzuckers. Ich bin seit Jahrzehnten in der Pflege tätig, kenne aber Blutzuckerwerte von über 600 mg/dl nur vom Hörensagen oder aus der Literatur (was allerdings nichts zu heißen hat!). Schon bei Werten ab 300 bis 500 mg/dl kann es zum diabetischen Koma kommen. Es übersteigt mein Vorstellungsvermögen völlig, dass jemand bei einem Blutzucker von über 1000 mg/dl (!!!) noch in der Lage sein könnte, sich selbst den Blutzucker zu messen. Der / die Betreffende liegt bei einem derartigen Wert schon längst im Koma (PS: Wer kennt Ausnahmen?). Der US-Konzern Johnson bräuchte eigentlich nur die Notärzte zu informieren, sie möchten doch bitte nicht Onetouch verio pro verwenden. Weshalb dann die teure Rückrufaktion? Oder steckt ein anderer Grund dahinter???
3. 1024 -> "BlueScreen"? Da meinte wohl ein Amateur, 10-Bit-Arithmetik würde genügen,
Privatier 25.03.2013
Zitat von sysopDiabetiker müssen sich auf ihre Blutzuckermessgeräte verlassen können. Jetzt ruft der US-Konzern Johnson & Johnson weltweit zwei Millionen Geräte der Marke "One Touch" zurück. Erst im Februar hatte das Unternehmen künstliche Hüftgelenke vom Markt genommen. Diabetes: Rückruf von Blutzuckermessgerät OneTouch Verio Pro - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/diabetes-rueckruf-von-blutzuckermessgeraet-onetouch-verio-pro-a-890865.html)
und hat zur Vervollkommenung der Offenbarung seines Unfähigkeit zugleich noch bezüglich der korrekten Behandlung des arithmetischen Overflows versagt. Doppelt crasht es schöner. Für einige Jahre Verbot, in der Softwareentwicklung "herumzulümmeln", sollte das genügen... ;-) Aber im Ernst: Inwieweit das Geräteversagen tatsächlich praxisrelevant ist, dürfte diskutierfähig sein: Im mit extrem hohen BZ-Werten wie 1024 mg/ml einhergehenden Hyperosmolaren Koma dürfte dem Patient die Selbstkontrolle mit dem Gerät kaum noch möglich sein, während Aussenstehende seinen Zustand zwischen Apathie und Koma bereits intuitiv als einen Notfall erkennen werde. MfG
4.
Rainer Helmbrecht 25.03.2013
Zitat von auslandsflüchtlingKönnt Ihr denn nicht ähnliche Artikel von irgend jemandem gegenlesen lassen, der wenigstens eine Oma mit Diabetes in der Verwandschaft hat? Das fängt bei der Bildunterschrift "Insulin-Injektion: Rückruf als Vorsichtsmaßnahme" an. Der werte Schreiberling hat ja offensichtlich noch nicht einmal den Unterschied zwischen dem Messen des Blutzuckerspiegels und einer Insulin-Injektion erkannt. Der mehr als extreme Wert von 1024 mg/dl bedarf wohl auch einer weiteren Erörterung. Ad hoc würde ich vermuten, dass jemand bei diesem Wert nicht mehr in der Lage ist, überhaupt etwas zu messen. Ich habe so ein Gerät und weiß nach Lesen des Artikels noch immer nicht, ob ich der Rückrufaktion Folge leisten soll.
Man glaubt ja nicht, dass Diabetes zu den bekanntesten Alters- Krankheiten gehört. Ich ärgere mich seit Jahrzehnten über die Blutzucker Untersuchungen die in Apotheken beworben und durchgeführt werden. Dort ist offensichtlich nicht bekannt, wie so eine Kontrolle erfolgen soll. Man frühstückt ganz normal, wie man es immer macht, wartet ca 2 Std und macht dann den Test. Üblicher Weise kommen die Leute nüchtern und machen dann, den Test und sind hoch erfreut dass das Ergebnis so gut ist. Es kann doch nicht so schwer sein, das Personal einzuweisen, damit der Test sinnvoll ist;o). MfG. Rainer
5. Keine Ahnung
Hugh 25.03.2013
Zitat von auslandsflüchtlingKönnt Ihr denn nicht ähnliche Artikel von irgend jemandem gegenlesen lassen, der wenigstens eine Oma mit Diabetes in der Verwandschaft hat? Das fängt bei der Bildunterschrift "Insulin-Injektion: Rückruf als Vorsichtsmaßnahme" an. Der werte Schreiberling hat ja offensichtlich noch nicht einmal den Unterschied zwischen dem Messen des Blutzuckerspiegels und einer Insulin-Injektion erkannt. Der mehr als extreme Wert von 1024 mg/dl bedarf wohl auch einer weiteren Erörterung. Ad hoc würde ich vermuten, dass jemand bei diesem Wert nicht mehr in der Lage ist, überhaupt etwas zu messen. Ich habe so ein Gerät und weiß nach Lesen des Artikels noch immer nicht, ob ich der Rückrufaktion Folge leisten soll.
Ja das hab ich auch gedacht. Über Blutzuckertest reden, aber die Insulininjektion mit einem Pen zeigen. Schlicht Mist. Aber es wurde ja auch schon mal auf SPON gemeldet, Diabetiker würden Langzeitinsuline einnehmen. Vielleicht der selbe Ahnungslose? Soweit ich weiß, ist man mit einem Wert von 1024mg/dl schon tot. Zumindest meinte der Arzt in der Notaufnahme, als er mich von fast 900 zurück geholt hat, ich hätte sehr sehr viel Glück gehabt und sei dem Sensenmann gerade eben noch von der Schippe gegangen. Die haben damals drei Tage lang das Wasser und das Insulin regelrecht durch mich durchlaufen lassen. Und es geht auch zumeist nicht um Essen o d e r Insulin spritzen, sondern Essen u n d Insulin spritzen, die Messung sagt wie viel. Oder gilt nur wenn man zu niedrigen oder weit zu hohen Zuckerwert hat.
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