Klinik-Skandal in Bayern Patienten mit Hepatitis C angesteckt - Arzt bestreitet Vorwürfe

Ein Anästhesist soll mehr als 50 Menschen mit Hepatitis C infiziert haben, weil er dieselben Spritzen für sich und seine Patienten benutzte. Nun weist er die Vorwürfe zurück.

Hepatitis-C-Virus
imago/Science Photo Library

Hepatitis-C-Virus


Ein Mediziner aus Bayern bestreitet, seine Patienten reihenweise mit Hepatitis C angesteckt zu haben. Der Narkosearzt litt selbst an der Krankheit und soll sich selbst Medikamente gespritzt und dieselben Spritzen bei Patienten verwendet haben. Seine Anwälte widersprechen dieser Darstellung, wie die "Süddeutsche Zeitung" und "Die Welt" übereinstimmend berichten.

Demnach habe ihr Mandant zwar Spritzen aus der Klinik verwendet, die bei Operationen benutzt worden waren. Der Narkosearzt habe die Spritzen aber nicht nochmal bei Patienten eingesetzt und könne somit nicht die Infektionsquelle sein.

Er selbst habe im Mai von der Erkrankung erfahren und sei inzwischen geheilt. "Es gibt keine plausible Erklärung, wie der Infektionsweg vonstattengegangen sein soll", sagte Christian Kanth von der Kanzlei Herrmann und Kollegen zur "Welt".

Mittlerweile arbeitet der Mediziner nicht mehr in der Donau-Ries Klinik in Donauwörth. Als die Vorwürfe gegen ihn bekannt wurden, schrieb das Gesundheitsamt alle Patienten an, die von dem Arzt behandelt wurden. Inzwischen wurde der Hepatitis-C-Virus bei 51 Betroffenen nachgewiesen.

Diagnose Hepatitis C

Bei Hepatitis C handelt es sich um eine Leberentzündung, die durch Hepatitis-C-Viren verursacht wird. Normalerweise wird die Infektion nur über Blutkontakt übertragen. Eine Ansteckungsgefahr besteht zum Beispiel auch bei unhygienischen Bedingungen während des Tätowierens. In Deutschland sind 400.000 bis 500.000 Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert.

Eine Hepatitis-C-Infektion führt laut Deutscher Leberhilfe anfangs nur sehr selten zu Beschwerden, bei 20 bis 50 Prozent heilt sie innerhalb des ersten halben Jahres von alleine wieder aus. Bei den verbleibenden Betroffenen bleibt das Virus jedoch im Körper, sie entwickeln eine chronische Leberentzündung. Ohne Behandlung drohen Spätfolgen wie eine Zirrhose oder Leberkrebs.

Medikamente sind teuer

Es gibt eine Therapie auf dem Markt, die Hepatitis C bei einem Großteil der Patienten und mit vergleichsweise wenigen Nebenwirkungen heilen kann. Das Medikament ist allerdings extrem teuer. Auch Ärzte in Deutschland tun sich deshalb mitunter schwer, den Stoff zu verschreiben.

Hilfsorganisationen haben vor dem Europäischen Patentamt in München Einspruch gegen das Patent des Pharmakonzerns Gilead auf den Wirkstoff eingelegt, um es für mehr Patienten zugänglich zu machen.

koe



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