EU-Drogenbericht Mehr Kokainreste im Abwasser

Jeder vierte erwachsene Europäer hat schon illegale Drogen konsumiert, das zeigt ein EU-Bericht. Vor allem Kokain überschwemmt den Markt und hinterlässt Rückstände im Abwasser.

Kokainpackungen
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Kokainpackungen


Die steigende Kokainproduktion in Lateinamerika ist auch in Europa zu spüren, stellt die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) in ihrem aktuellen Jahresbericht fest.

Die illegale Aufputschdroge wird in Europa wieder verstärkt verkauft und konsumiert. Demnach haben im vergangenen Jahr etwa 2,3 Millionen junge Erwachsene zwischen 15 und 34 Jahren in Europa Kokain genommen, das entspricht knapp zwei Prozent dieser Altersgruppe. In Deutschland konsumierten 1,2 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 34 Jahren in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Kokain.

Kokain sei auch häufiger beschlagnahmt worden als in den Vorjahren. Die jüngsten verfügbaren Daten beziehen sich auf 2016. Damals wurde in der Europäischen Union etwa 70,9 Tonnen Kokain sichergestellt, in insgesamt 98.000 Zugriffen. "Verglichen mit dem Vorjahr nahm die Menge des 2016 beschlagnahmten Kokains geringfügig, die Anzahl der Beschlagnahmen hingegen deutlich zu", sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Alexis Goosdeel.

In Berlin vor allem MDMA im Abwasser

Analysen des Abwassers in 31 europäischen Städten zeigen, dass die Konzentration von Kokain im Abwasser gestiegen ist. Die höchsten Werte gibt es demnach in Belgien, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien. In den Abwässern deutscher Städte, allen voran in Berlin, fallen vor allem erhöhte Rückstände der Droge MDMA, auch bekannt als Ecstasy, auf.

Die Drogen im Abwasser stammen nicht nur aus Lateinamerika. Die Forscher haben Hinweise, dass die Zahl der Drogenlabore in Europa steigt, die vor allem Kokain, MDMA und Heroin verarbeiten. Zugleich wird auch mehr Cannabis auf illegalen Plantagen in Europa angebaut.

Im Video: Ein Tag im Leben von zwei Junkies

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Hinzu kommen weitere psychoaktive Substanzen, die nicht vom Drogenkontrollsystem erfasst werden. Allein im vergangenen Jahr wurde statistisch betrachtet eine neue Droge pro Woche registriert. Das sind zwar weniger als in den Jahren zuvor, sie werden aber gefährlicher.

Gefährliche "Kräutermischungen"

Insgesamt beobachtet die EMCDDA schon Hunderte neue psychoaktive Substanzen, die teilweise im Verdacht stehen, akute Vergiftungen und sogar Todesfälle verursacht zu haben. In den vergangenen Jahren kursierten vor allem vermeintlich harmlose "Kräutermischungen", die künstlich hergestellte Cannabinoide enthalten.

Sie sind teilweise legal, weil sie noch nicht als illegale Drogen anerkannt sind, können aber extrem gefährlich werden. Jedes Jahr werden allein in Deutschland Dutzende Todesfälle in Zusammenhang mit den illegalen "Kräutermischungen" untersucht, die auch "Legal Highs" genannt werden.

Synthetische Cannabinoide wirken stärker als herkömmliche Cannabinoide und sind auch gefährlicher, weil sie stärker auf den Körper und die Psyche wirken. Mit vermeintlich harmlosen Naturprodukten haben die "Kräutermischungen" also nichts zu tun. Hinter der Bezeichnung verbirgt sich meist eine perfide Werbemasche.

Noch gefährlicher sind neue synthetische Opioide, die die Wirkung von Heroin und Morphin imitieren, aber teils um ein Vielfaches heftiger wirken und extrem abhängig machen. Dies sei besonders in Anbetracht der Opioidkrise in den USA besorgniserregend, schreiben die Forscher. Mehr darüber lesen Sie hier:

Insgesamt haben ein Viertel der erwachsenen Europäer schon einmal eine illegale Droge konsumiert.

In Behandlung wegen Drogenmissbrauchs waren im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Menschen.

Die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland ist weiterhin Cannabis. Mehr als jeder siebte junge Erwachsene zwischen 15- und 34 Jahren raucht demnach Marihuana.

Im Video: Mama Coca - Die Krieger des Kokain

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koe/AFP/dpa



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