Drogen- und Suchtbericht Wenn Papa und Mama high sind

Sind die Eltern drogenabhängig, leiden auch die Kinder darunter. Laut einem Bericht entwickelt ein Drittel von ihnen selbst eine Suchterkrankung - und ein weiteres Drittel eine andere psychische Störung.

Schattenbild: Eltern mit Kindern
Getty Images

Schattenbild: Eltern mit Kindern


In Deutschland werden Kinder von Suchtkranken mangelhaft betreut. Darauf hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), aufmerksam gemacht.

"Wenn wir die betroffenen Kinder nicht unterstützen, entwickelt ein Drittel von ihnen selbst eine Suchterkrankung und ein weiteres Drittel eine andere psychische Störung", sagte Mortler in Berlin bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2017. Sie hat Kinder von Suchtkranken zum Schwerpunkt des Berichts gemacht.

Der Bericht verweist auf Studien, nach denen etwa drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland mindestens ein suchtkrankes Elternteil haben. Die Dunkelziffer liege aber deutlich höher, da es kaum verlässliche Zahlen zu Kindern mit Eltern gebe, die von illegalen Drogen wie Kokain oder Heroin abhängig sind. Nach Schätzungen sind es etwa 60.000, die mit einem opiatabhängigen Elternteil leben.

Jeder siebte Jugendliche habe mit alkoholbezogenen Störungen beim Vater oder der Mutter zu kämpfen. Erst kürzlich hatte eine Untersuchung gezeigt: Trinken Eltern mindestens einmal pro Woche Alkohol, berauschen sich ihre Kinder deutlich häufiger. Mit dem Suchverhalten gingen häufig ungünstige Lebensumstände einher. Dazu zählt etwa soziale Isolation und ein mangelhaftes Erziehungsverhalten.

"Suchtpolitik darf nicht bei den Suchtkranken selbst enden. Wir müssen uns viel mehr als bisher um die Kinder suchtkranker Menschen kümmern", so Mortler. Die Politikerin forderte Bund, Länder und Kommunen auf, flächendeckend Netzwerke mit festen Ansprechpartnern in den Städten und Gemeinden zu schaffen.

Cannabiskonsum nimmt zu

Während der Tabak- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen laut Bericht abgenommen habe, nehme der Cannabiskonsum unter Jugendlichen zu, berichtete die Drogenbeauftragte. Das sei auch deshalb problematisch, weil der Wirkstoffgehalt der Droge heute fünf Mal so hoch sei wie noch vor 30 Jahren. Deshalb seien die Auswirkungen auf die Gesundheit der Jugendlichen stark gewachsen. Man dürfe die Droge nicht verharmlosen. Zudem würden Jugendliche und Heranwachsende heutzutage häufiger Cannabis probieren.

Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2015 hatten insgesamt 7,3 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen Jugendlichen und 15,3 Prozent der 18- bis 25-Jährigen binnen zwölf Monaten Cannabis konsumiert. Insgesamt ist Cannabis in Deutschland das meistkonsumierte illegale Rauschgift.

Mehr zum Thema bei SPIEGEL Plus

joe/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.