Drogenabhängigkeit weltweit Die stille Sucht der Frauen

Weltweit konsumieren immer mehr Frauen Drogen, berichtet der internationale Suchtkontrollrat. Aber viele verheimlichen ihre Sucht - und nehmen daher auch seltener Therapieangebote an.

Frau mit Zigarre
DPA

Frau mit Zigarre


Die Zahl der drogenabhängigen Frauen nimmt rund um den Globus zu. Frauen und Mädchen machen dem internationalen Suchtkontrollrat (INCB) zufolge ein Drittel der Suchtmittelkonsumenten weltweit aus. Unter den Menschen, die eine Suchtbehandlung bekommen, sind aber nur ein Fünftel Frauen. Das geht aus dem Jahresbericht 2016 des in Wien ansässigen INCB hervor, der unter anderem in Berlin vorgestellt wurde.

Aus Sicht der Experten sind es vor allem soziale, kulturelle oder auch persönliche Barrieren, die Frauen den Zugang zu Behandlungen bei Drogenmissbrauch erschweren. Deswegen hat der INCB die Regierungen weltweit aufgerufen, sich stärker um dieses Problem zu kümmern.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), erklärte dazu: "Weibliche Sucht wird schneller tabuisiert, häufiger stigmatisiert und findet meist im Verborgenen statt." Zudem würden Frauen therapeutische Angebote deutlich weniger wahrnehmen als Männer. "Dies ist nicht nur für die Frauen problematisch, auch die Auswirkungen auf die Familien,insbesondere die Kinder sind immens." Mortler sprach von einer "stillen Sucht der Frauen".

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Ein Problem sei, dass Frauen häufiger als Männern Suchtstoffe und Beruhigungsmittel verschrieben würden, so der Suchtkontrollrat. Deutschland und Serbien etwa hätten dem Rat berichtet, dass bei Frauen "tödliche Überdosen durch verschriebene Substanzen häufiger vorkommen".

Zudem verzeichneten Länder wie Großbritannien oder Nordirland bei Frauen einen größeren Anstieg von Überdosen als bei Männern - und zwar bei allen Suchtstoffen. Besonders gefährdet sind den Angaben zufolge Frauen in Gefängnissen und Sexarbeiterinnen, drogenabhängig zu werden.

Der Suchtkontrollrat ermutigte die Staaten, die Todesstrafe für Drogendelikte abzuschaffen. Zugleich hob er hervor, dass die Legalisierung von Cannabis nicht mit den Verpflichtungen vereinbar seien, die im Einheitsübereinkommen zu Suchtstoffen von 1961 festgelegt worden seien. Mit diesem Übereinkommen wurde der Suchtkontrollrat ins Leben gerufen. Er versucht zu kontrollieren, ob Anbau, Produktion und Verwendung von Drogen auf medizinische und wissenschaftliche Zwecke beschränkt bleiben. Die Mitgliedstaaten - fast alle Länder der Welt - sind verpflichtet, regelmäßig Daten über das Suchtverhalten zu liefern.

insgesamt 26 Beiträge
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Denkentutnichtweh! 02.03.2017
1. Alles nicht wirklich neu...
Alle Jahre wieder, die gleichen, alten Erkenntnisse, dass es irgendwie den Bach runtergeht. Heute zur Abwechslung mal wieder mit den Frauen... Die Antworzen? Auch immer die vermeintlich altbewährten... So sehr ich auch begrüße, dass sich der UN-Suchtkontrollrat für die Abschaffung der Todesstrafe bei Drogendelikten einsetzt, so sehr bin ich auch der Meinung, dass dieses Gremium Teil des Problems und nicht der Lösung ist. Mehrheitlich steht die UN immer noch für eine brutal nach hinten gerichtete Drogenpolitik, die weltweit nur Schaden anrichtet. Bis hin zur Schaffung neuer Mafiastrukturen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Mittel- und Südamerika. Von wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schäden ganz zu schweigen... Die Tatsache, dass dieser Laden heute (2017!) immer noch auf die Einhaltung des Cannabisverbots pocht, zeigt die ewige Gestrigkeit und ideologisch begründete Realitätsverweigerung. Es bräuchte mehr aktive Funktionäre, die wie der ehemalige Generalsekretär Kofi Annan, eine Abkehr vom kontraproduktiven Prohibitionswahnsinn fordern!
crazy_swayze 02.03.2017
2.
Kontrolliert der Suchtkontrollrat auch die Verbreitung der legalen Drogen (Alkohol, Nikotin)?
qoderrat 02.03.2017
3.
---Zitat--- Zugleich hob er hervor, dass die Legalisierung von Cannabis nicht mit den Verpflichtungen vereinbar seien, die im Einheitsübereinkommen zu Suchtstoffen von 1961 festgelegt worden seien. Mit diesem Übereinkommen wurde der Suchtkontrollrat ins Leben gerufen. Er versucht zu kontrollieren, ob Anbau, Produktion und Verwendung von Drogen auf medizinische und wissenschaftliche Zwecke beschränkt bleiben. ---Zitatende--- Wenn man das Drogenproblem mit diesem Ansatz seit 1961 nicht in den Griff bekommen hat, sollte man langsam überlegen ob man nicht ein anderes Vorgehen versuchen sollte. Auch dieser Artikel sollte einem vor Augen führen, dass Verfolgung und Stigmatisierung nicht der richtige Weg sein kann. Aber ich fürchte ich werde nicht so alt werden dass ich in diesem Bereich noch eine Versachlichung der Diskussion erleben werde.
dieter-ploetze 02.03.2017
4. der liebe alkohol
wenn der alkohol nicht mit in die drogen offiziell eingereiht wird, ist das ganze verbieten und alle ueberlegungen in diese richtungen voellig unglaubwuerdig. warum dieser hoechst suechtig machende stoff im gesellschaftlichen konsens als relativ harmlos eingestuft wird, im gegensatz zu cannabis, das vergleichsweise tatsaechlich harmlos ist, ist ein raetsel.
cindy2009 02.03.2017
5. @dieter-ploetze
"----dieter-ploetzeheute, 15:52 Uhr 4. der liebe alkohol wenn der alkohol nicht mit in die drogen offiziell eingereiht wird, ist das ganze verbieten und alle ueberlegungen in diese richtungen voellig unglaubwuerdig. warum dieser hoechst suechtig machende stoff im gesellschaftlichen konsens als relativ harmlos eingestuft wird, im gegensatz zu cannabis, das vergleichsweise tatsaechlich harmlos ist, ist ein raetsel. ----" Weil Alkohol angeblich ein Kulturgut ist, was es zu behalten gilt. Und ausserdem wird der eh nur wegen Geschmack konsumiert.
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