Drogenreport Weniger Jugendliche rauchen und trinken Alkohol

Der Trend ist deutlich: In Deutschland nimmt die Zahl der Raucher und Alkoholkonsumenten unter Jugendlichen stetig ab. Das zeigt eine Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Rauchen kommt aus der Mode
Corbis

Rauchen kommt aus der Mode


Rauchen kommt bei Jugendlichen in Deutschland immer mehr aus der Mode. Der Anteil der rauchenden 12- bis 17-Jährigen sank nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im vergangenen Jahr auf den historischen Tiefstand von 7,8 Prozent. Zur Jahrtausendwende lag die Quote noch bei 27 bis 28 Prozent und sank danach beinahe kontinuierlich immer weiter. Im Jahr 2014 betrug sie 9,7 Prozent.

Der Anteil der Jugendlichen, die noch nie rauchten, verdoppelte sich parallel dazu beinahe von 40,5 Prozent im Jahr 2001 auf 79,1 Prozent 2015. Die in Berlin veröffentlichten Daten der BZgA stammen aus einer Befragung von 7004 jungen Leuten zum Thema Drogenkonsum. Die Bundeszentrale führte den Rückgang auf die nach der Jahrtausendwende gestarteten Präventionsmaßnahmen zurück.

Verbot von Tabakaußenwerbung

"Das Rauchen gehört in Deutschland längst nicht mehr zum Lebensgefühl junger Menschen", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, bei der Präsentation der Ergebnisse. Das reiche aber noch nicht, so Mortler. Ein Verbot von Tabakaußenwerbung sei notwendig für eine noch bessere Prävention.

Auch bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren geht der Anteil der Raucher den Daten der BZgA zufolge seit einigen Jahren stark zurück. In dieser Altersgruppe fiel die Raucherquote 2015 mit 26,2 Prozent ebenfalls auf einen historischen Tiefpunkt.

Die Drogenaffinitätsstudie
    Die Drogenaffinitätsstudie der BZgA wird seit 1973 in regelmäßigen Abständen durchgeführt und ist das zentrale Instrument zur Erfassung von Trends im Suchtmittelkonsum junger Menschen in Deutschland. Für die Drogenaffinitätsstudie 2015 wurden 7004 Personen im Alter von 12 bis 25 Jahren im Zeitraum von März bis Juni 2015 befragt.
  • Die Studie ist hier abrufbar.
Quelle: BZgA
Auch der regelmäßige Alkoholkonsum der jungen Deutschen nimmt nach den BZgA-Erkenntnissen weiter ab. Von den 12- bis 17-Jährigen gaben demnach im vergangenen Jahr 10 Prozent und von den 18- bis 25-Jährigen 33,6 Prozent an, regelmäßig Alkohol zu trinken. Im Jahr 2005 hatten die Quoten bei 18,6 Prozent und 40,5 Prozent gelegen. Etwa jeder Dritte im Alter von 12 bis 17 Jahren gab laut BZgA an, noch nie Alkohol getrunken zu haben. Sorge bereitet Marlene Mortler aber weiterhin das Rauschtrinken von Jugendlichen.

Während Nikotin- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen den aktuellen Zahlen zufolge zwar abnehmen, zeigte der Drogen- und Suchtbericht 2015, dass noch immer Zehntausende Menschen in Deutschland durch Rauchen sterben und es Hunderttausende Klinikaufenthalte gibt wegen des Missbrauchs von Alkohol und illegalen Drogen.

Hilft die Legalisierung von Cannabis?

Das Bundeskriminalamt hatte im März 2016 eine weitere düstere Bilanz bezüglich der Drogentoten in Deutschland gezogen: Demnach stieg die Zahl der drogenbedingten Todesfälle von 2014 auf 2015 um 18,8 Prozent an. Insgesamt hatte der illegale Drogenkonsum im vergangenen Jahr 1226 Menschenleben gefordert.

Den BZgA-Zahlen zufolge ist bei den illegalen Drogen Cannabis nach wie vor die am meisten konsumierte Substanz. 9,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen erklären, schon einmal im Leben Cannabis konsumiert zu haben, heißt es in dem Bericht. Bei den 18- bis 25-Jährigen sind es bereits 34,5 Prozent.

Mittlerweile gibt es von einigen Seiten in der Politik Vorstöße, Cannabis zu entkriminalisieren. Der Grünen-Fachpolitiker Harald Terpe etwa kritisiert: "Die Bundesregierung überlässt den Cannabismarkt der organisierten Kriminalität und hält an der gescheiterten Verbotspolitik fest." Die Substanz sei nicht harmlos, aber auf dem Schwarzmarkt gebe es keinen Jugendschutz. "Der Dealer fragt nicht nach dem Ausweis und klärt nicht über Suchtrisiken auf", so Terpe. Sinnvoll sei stattdessen ein staatlich regulierter Markt für Cannabis mit strengen Regeln.

Zuletzt plädierte der ehemalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan in einem für den SPIEGEL verfassten Essay dafür, den Zugang zu Drogen zu regulieren, statt ihn zu bekämpfen: Die größten Gefahren durch Drogen entstünden erst durch die Kriminalisierung.

hei/dpa



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